Amt verbietet Hilfe: Berliner Jugendclub muss Flüchtlinge draußen stehen lassen

schloss 19 jugendclub

Es ist kalt und windig, die Temperaturen sind weit unter null. Und doch harren jede Nacht unzählige Flüchtlinge vor dem LaGeSo in Berlin-Moabit aus. Jugendliche und Sozialarbeiter vom Club Schloss 19 in Berlin-Charlottenburg wollten helfen. Sie entschieden: „Wir lassen die syrischen Flüchtlinge bei uns übernachten!“ Bis zum nächsten Morgen durften sie jeweils bleiben. Thomas ist Sozialarbeiter im Jugendclub und schildert BLN.FM die Situation: „Es gab jeden Abend eine Art „Bettenbörse“ vor dem LaGeSo. So wurden hunderte Flüchtlinge an Familien, Wohngemeinschaften und Hausprojekte vermittelt. Ein Helfer kannte den Jugendclub und brachte schon bald die ersten Flüchtlinge in das Gebäude. So kamen pro Nacht circa 20 Menschen.“

Doch der Berliner Bezirk Charlottenburg, der den Jugendclub finanziert, bekam das mit – und zeigte die rote Karte. Ab sofort dürfen keine Geflüchteten mehr im Jugendclub übernachten. Beim Amt war man zuerst sauer, dass die Verantwortlichen auf eigene Faust gehandelt hatten und die Ämter vorab nicht um Erlaubnis gefragt haben. Doch die Einwilligung der Behörden hätte es nicht gegeben. Der Berliner Woche sagte die zuständige Stadträtin Dagmar König (CDU): „Ein Engagement an dieser Stelle ist der falsche Weg.“ Was es brauche, sei eine geordnete langfristige Unterbringung. Für die Unterbringung von Menschen könne der Jugendclub keine Mindeststandards bieten. Und was passiert, wenn es zu einem Unfall käme?

Thomas vom Jugendclub kann das Vorgehen des Amts nicht verstehen: „Monatelang haben hunderte Menschen Tag und Nacht obdachlos vor dem LaGeSo ausgeharrt. Da hilft es nicht weiter festzustellen, wer zuständig wäre, da hilft nur helfen“. Die Ausstattung ihrer Räume liegt weit über den üblichen Standards der meisten anderen Notunterkünfte, sagt er BLN.FM. Eine Dusche und sieben WCs für 20 Übernachtende – das gibt’s nicht überall.

Die Jugendclub-Crew sagt, sie hätte schon seit einiger Zeit ein Gespräch mit der Stadträtin Dagmar König angefragt – doch das sei bislang nicht zustande gekommen. „Die nächtliche Unterbringung hatte zu keinem Zeitpunkt negative Auswirkungen auf unsere tägliche Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen“, versichert Thomas. Es wurden Spenden für Schlafsäcke und Kissen gesammelt, es gab Tee und etwas zu Essen und die Schlafstätte wurde jeden Morgen von Reinigungskräften gereinigt.

Nun bleiben die Türen des Jugendclubs bis auf weiteres für obdachlose Flüchtlinge geschlossen.

 

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