„Station Endlos“ und „Wilde Möhre“ verabschieden den Festival Sommer

 

Rechts, Stiff von „Stations Endlos“; Links, Flo von der „Wilden Möhre“

Es lässt sich nich mehr verneinen, der Festivalsommer ist vorbei. Aber wir lassen diesen Jahrhundert Sommer nicht gehen, ohne ihn nicht einmal anständig Revue passieren zu lassen und haben uns dafür zwei absolute Festivalexperten eingeladen. Flo, Veranstalter der „Wilden Möhre“ und Stiff, bekannte für seine kunstvollen Floors von „Stations Endlos“ besprechen die Ups and Downs von Festivals, wie sich das so anfühlt  20 Festivals in einem Sommer zu erleben, welchen Track wir auf gefühlt jedem Festival gehört haben und was unseren absoluten Highlights waren. Außerdem lüften wir das Geheimnis um den Backstage, ob es da wirklich so bunt und wild zugeht wie alle behaupten. Um möglichst Wahrheitsgemäße Antworten zu bekommen, haben wir reichlich Schnaps ausgeschenkt und für euch noch Gästeliste für die heißesten Partys der Stadt im Gepäck!

 

The last Day of Sommer – Ein Festivalresumée

 

David Roeglin
Melt! Festival 2018, Foto David Roeglin

Die Temperaturen lassen keinen Zweifel: Der Sommer ist vorbei. Aber es war ein Jahruhndert Sommer, der zweit Heißeste seit Wetteraufzeichnung. Mit durchgängig über 30 Grad und Sonnenschein war es der perfekte Festival Sommer. Nun ist es an der Zeit zurück zu blicken. Für mich besteht die Faszination Festival im Freiraum, in der Paralellwelt, die sich Menschen erschaffen und für Tage, irgendwo auf dem Acker gesellschaftlichen Konventionen zu entfliehen. Alles scheint einfach. Die Sorgen sind vergessen und niemand hat ein Problem mit Schlamm bedeckt, fröhlich auf einem Dixie Klo zu sitzen. Nun könnte man sich in Theorien vertiefen, weshalb der Festivalhype kein Ende zu nehmen scheint. Geht es den Besuchern lediglich um den Coachella-artigen Selbstdarstellungszwang? Oder steckt mehr hinter den immer lauter werdenden Ruf nach mehr Freiräumen und Restriktionen bis hin zu einem pazifistischen Miteinander? Wer kennt ihn nicht, den Moment, wenn man sonntags früh, lange nach Sonnenaufgang auf dem Floor steht, die Füße zum tanzen eigentlich schon viel zu schwer sind und man besoffen grinsend denkt: „Die Welt ist toll! Die Menschen sind toll! Alles ist toll! Wir sollten uns alle lieben! … und ich möchte wirklich gerne auf diesem Festival hier wohnen. Für immer!“. Spätestens der Kater holt einen dann auf den Boden der Tatsachen zurück und man freut sich doch auf seine Federkernmatratze zuhause.
Aber egal aus welchem Grund es dich auf Festivals treibt, ich habe für einen letzte sommerliche Sendung zwei Festivalexperten eingeladen. Wir besprechen die Ups and Downs von Festivals und wie sich das anfühlt 20 Festivals in einem Sommer zu erleben. Wir verraten außerdem, was für nächstes Jahr schon fix geplant ist und welcher Track wir auf gefühlt jedem Festival gehört haben. Abgerundet mit unseren absoluten FestivalHighlights erwartet dich eine finale Sendung, die du nicht verpassen solltest.
Bezüglich der Wilden Möhre ereilte uns noch die freudige Nachricht, dass nach langem Hin und Her die „Wilde Möhre“ auch 2019 wieder stattfinden darf. Yaehi!

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Wir bedanken uns ganz herzlich bei Wilde Möhre Festival, Mit Dir Festival, Melt! Festival, Wurzel Festival, Oewerall Festival, MS Dockville, Krake Festival, Midsommar, Helenes Beach Festival, Her Damit, Garbicz FestivalLollapalooza, 7001 uvm.

Red Bull feiert 20-jähriges Bestehen der Music Academy mit eigenem Festival

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Unter dem Motto Create, Collaborate, Celebrate findet dieses Jahr zum 20 jährigen Bestehen der Red Bull Music Academy vom 08. September bis 12. Oktober das Red Bull Music Festival statt. Die Orte des Geschehens der kommenden fünf Wochen sind über die ganze Stadt verteilt. Dabei zeigt sich die Auswahl der Locations genauso vielfältig wie das, was geboten wird: Von Clubnights und Ausstellungen im Tresor über Konzerte und Vorträge im Funkhaus bis hin zur Grießmühle. Auf der, über die Jahre legendär gewordenen, Lecture Couch nehmen sowohl altbekannten Szenengrößen als auch Newcomern Platz. Festivalbesucher dürfen sich auf Konzerte, Interviews und Weltpremieren freuen. Mit Größen wie Oneohtrix Point Nevemit einer gigantischen Raumklang-Anlage, Jlin, Sevdaliza und Robot Koch, bietet das 20. Red Bull Music Festival Überraschungen auf allen Ebenen.

 

RBM Festival Event Calendar: obs/Red Bull Music

Den Auftakt am 08. September machten Afro Rythmic-Affair. Hier standen musikalische Strömungen der afrikanischen Diaspora im Mittelpunkt mit Stars des Afro-Pop wie Ghana und Titica aus Angola. Oder das Show Medley von Techno-Legende Jeff Mills und Afrobeat-Urvater Tony Allen im Funkhaus

Ein besonderes Highlight wird der „S3kt0r UFO“ Rave in der Shedhalle des Funkhaus. An 30 Jahre Berliner Techno Kultur mit hochkarätigen Gästen der internationalen und Berliner Techno Geschichte. Eine Reise durch die musikalische Historie mit Größen wie DJ Rush, Westbam, Cassegrain, Mathew Jonson, Gudrun Gut, Radio Slave, Nina Kraviz und vielen mehr.

Auch die visuelle Umgestaltung einiger Veranstaltungsorte dürfte für Überraschung sorgen. Das SEZ in Friedrichshain wird Schauplatz für das Berliner Kollektiv LFE („Live From Earth“) und wird zu einer Hommage an das Post-Internet-Zeitalter mit K. Ronaldo und Oklou. Das Zeiss Großplanetarium wiederum wird Spielwiese und Check-In zu einer audiovisuellen Reise durch die Galaxien. Komponist und Red Bull Music Academy-Alumnus Robot Koch entführt euch gemeinsam mit Video-Künstler Mickael Le Goff in ganz andere Spähren.

 

Das Programm des Festival wird zudem via Livestreams auf Facebook und dem Red Bull Radio begleitet. Über den gesamten Festivalzeit sind Features und Interviews mit Künstlern und Academy Teilnehmern geplant.

Mehr Informationen über die 61 Künstler und Künstlerinnen, die teilweise das erste Mal live zu sehen sind, gibt es hier.

 

Red Bull Music Festival, 08.September bis 12.Oktober, unterschiedliche Veranstaltungsorte, Tickets ab 25€.

 

So war’s: Lollapalooza Berlin 2018

Fotos: Patrick Roddelkopf

Am Wochenende fand im Olympiastadion zum vierten Mal das Lollapalooza-Festival statt – der europäische Ableger von Perry Farrells Festival-Franchise. Zur ersten Ausgabe des Lollapaloozas hatte man noch die Befürchtung, dass ein Festival in dieser Größe und in einer Stadt, in der viele Bewohner kommerziellen Ideen eher negativ gegenüber stehen, nicht gut ankommen könnte. Befürchtungen, die sich auch in diesem Jahr nicht bewahrheitet haben. Mittlerweile hat sich die Veranstaltung mit Jahrmarkt-Charakter als feste Größe in der Stadt etabliert.

70.000 Besucher täglich gönnten sich die Auftritte von The Weeknd, Kraftwerk und ihrer einzigartigen 3D-Show, Imagine Dragons, The National, Dua Lipa, David Guetta und vielen anderen. Highlights waren die ausschweifenden EDM Lightshows und natürlich die Pioneere der elektronischen Konzeptkunst, Kraftwerk. Auch die Hip-Hop-Shows lieferten Überraschungen: Die Rapper Audio88 und Yassin unterstützten ihre Kumpels von KIZ und Rapper Marteria seinen Kollegen Casper. Letztere machten sich nach Chemnitz erneut auf dem Lollapalooza gegen Fremdenhass stark und verbreiteten so auch in Berlin etwas #wirsindmehr Spirit. Das Wetter spielte mit Spätsommerlichen Temperaturen mit und sorgte so für einen würdigen Festival-Abschluss im Berliner Olympiapark und damit der Festivalsaison 2018.

Der Olympiapark ist logistisch und architektonisch wie gemacht für ein Festival in der Größe und auch die An- und Abreise funktionieren besser als noch in den Vorjahren. Da wundert es nicht, dass der Veranstalter bereits jetzt ankündigt, auch die fünfte Ausgabe des Festivals im Spätsommer 2019 auf dem Gelände im Berliner Westend stattfinden zu lassen.

Gibt’s auch was zu meckern? Natürlich: Die langen Warteschlangen am Pressecounter, den Geldaufladestationen und den Gastroangeboten hat man sich nämlich erhalten. Auch die am Samstagabend vorübergehend geschlossene Perry Stage, sorgte bei vielen Besuchern für Unmut, da viele Besucher deshalb den Headliner des Abends David Guettaverpassten. Seitens der Veranstalter bat man dafür um Verständnis. Sicherheit gehe nun mal immer vor. Wir sind optimistisch, dass man das alles im nächsten Jahr in den Griff bekommt.

Unser Fotograf Patrick Roddelkopf hat die schönsten Momente für euch mit seiner Kamera festgehalten:

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Fotos: Patrick Roddelkopf

So war’s: #wirsindmehr

Johannes Räbel
Fotos: jfrcreatives

Nach der Tötung eines 35-Jährigen hatte es vergangene Woche in Chemnitz verschiedener Demonstrationen rechter Gruppierungen gegeben. Menschen wurden gehetzt und die Polizei schreitet trotz Attacken von Nazis wiederholt nicht ein. Um ein musikalisches Zeichen gegen Rassismus zu setzen, luden Musiker wie die Toten Hosen, Marteria und Kraftklub unter dem Motto #wirsindmehr vergangenen Montag zum Solidaritätskonzert nach Chemnitz. Das privat organisierte und von den Künstlern finanzierte Konzert halten viele für eine staatlich Feier und an den teilnehmenden Bands scheiden sich die Geister.

Veranstalter Sören Uhle, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderung- und Entwicklungsgesellschaft, rechnete mit 20.000 Besuchern. Die Teilnahme von rund 65.000 Menschen übertrifft letztendlich alle Erwartungen. Zumindest für einen Abend waren es also tatsächlich mehr. Zumindest für einen Abend steht Chemnitz nicht wegen rechter Aufmärsche im Fokus, sondern setzt – allen Kritikpunkten zum Trotz – ein vorbildliches und vor allem friedliches Zeichen gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit.

Laut Polizei blieb alles ruhig. Doch was wird von Montag bleiben? Der aus Thüringen stammende Fraktionsgeschäftsführer der SPD im Bundestag, Carsten Schneider, warnte davor, in Kürze wieder zur Tagesordnung überzugehen. „Die Situation in Ostdeutschland ist fragil. Die Demokratie dort ist nicht so gefestigt, die politische Mitte nicht so stark. Ich bin sehr besorgt“, sagte er am Montagabend in der Phoenix-Fernsehsendung „Unter den Linden“. Für Chemnitz und Sachsen steht also wieder der Alltag im Kampf gegen Ausländerfeindlichkeit und rechtsextreme Gewalt an.

Um die Stimmung von vergangenen Montag weiterzutragen sind mehr Gratiskonzerte direkt am Fuß des Karl-Marx-Monument geplant. Im kleineren Rahmen und unter dem Motto „Montags am Kopf“ soll es weitergehen. Welche Künstler auftreten, ist noch unklar. Auch die Stadtverwaltung plant: Unter anderem eine Diskussionsrunde mit dem Titel „Wie sicher ist Chemnitz?“ und einen „Bürgerdialog zum Thema Zuwanderung“.

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Musik die leuchtet: The Blaze

Paul Rousteau
The Blaze, Bild: Paul Rousteau (Promo Beats International)

„Blaze“, das bedeutet so viel wie „helle Flamme“ oder „die Feuersbrunst“ und damit trifft der Name des Pariser Duos The Blaze exakt das Gefühl, was man verspürt, wenn man ihre Musik hört. Die beiden Cousins produzieren eine starke Mischung aus Elektro-Pop und Tech-House, die zum Tanzen anregt aber auch durch Texte und Melodien besticht. Am 7. September 2018 erscheint ihr Debütalbum „Dancehall“ (auf Animal 63/Believe) nachdem sie im Sommer einige der wichtigsten Festivalbühnen bespielt haben.

 

 

The Blaze haben eine recht steile Karriere hingelegt und das mag durchaus daran liegen, dass sie mit ihrer Musik den Nerv der Zeit treffen. Ihre 2017 veröffentlichte EP „Territory“ überzeugte bereits mit starken Stücken wie „Virile“ (übersetzt „männlich“). Kraftvolle Beats, melodische Synthies, ein bisschen Autotune – das klingt nach den meisten Releases im vergangenen Jahr, doch die Musik von The Blaze spielt in einer anderen Liga. Grund dafür sind unter anderem ihre Texte, die politische Meinungen enthalten aber nicht clichéhaft rüberkommen. Sie vermitteln, dass man stark und gleichzeitig liebevoll sein kann, dass Männlichkeit und Sensibilität sich nicht ausschließen und dass die Generation der Millenials nicht nur Egozentriker sind, sondern Verantwortung für die Welt da draußen übernehmen („Juvenile“).

 

 

Ihr Debütalbum „Dancehall“, auf dessen Cover ein Plattenbau (sogenannter HLM) der Pariser Banlieues prangert, geht es auch um Liebe und Freiheit („Breathe“), Lebensträume („Heaven“) und Orte der gelebten Sorglosigkeit („Places“). Es ist eine lebensbejahende Platte, auch wenn Melancholie durch die Filter auf den Stimmen und Nervosität durch einzelne, schnelle Passagen aufkommt. Das Stück „Rise“ erinnert von der Stimmung her an ein anderes Pariser Duo, Justice. Diese beiden hatten 2007 mit „Stress“ auch einen Track geliefert, der in Klang die Rastlosigkeit und den Unmut einer Generation aus den Pariser Vorstädten übersetzt hat. Eine Decade später hat sich die damalige Situation der Jugendlichen nicht wesentlich verbessert und das hört man auch auf „Dancehall“. So düster wie bei Justice geht es bei The Blaze allerdings nicht zu, sie wenden sich eher den Auswegen zu („Runaway“). Wie eingangs zu ihrem Namen gesagt: ihre Musik wärmt, sie feuert an und beeindruckt durch ihre Tiefe.

Dancehall erscheint am 7.9.2018 auf Animal 63/Believe und kann hier vorbestellt werden.

So war’s: MS Dockville 2018

Amélie Heldt
MS Dockville 2018: Caramelo
Amélie Heldt
MS Dockville 2018

Klingt plump, ist aber so: über das Wetter konnte man sich bei der diesjährigen Ausgabe des MS Dockville Festivals nicht beschweren. Die Hamburger reden viel und gern übers Wetter – nicht, weil es hier immer so schön ist, sondern weil es den Takt für den Alltag vorgibt und Dauerregen deutliche Auswirkungen auf das Gemüt hat. 2017 hat es auf dem Dockville fast durchgehend geregnet, nach drei Tagen hatte der Festivalbesuch im Friesennerz an Charme verloren. Doch 2018 konnte die Location in Wilhelmsburg, südlich der Elbe fast mit Coachella mithalten. Die Staubwolken aufgrund der Trockenheit, die kurzen Jeans-Shorts und die verglitzerte Körperbemalung aller Geschlechter trugen zur auffällig positiven Stimmung bei.

MS Dockville 2018: Princess Nokia

Musikalisch positioniert sich das Dockville zwischen Indie-Bands und Acts, die einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt haben, aber noch nicht zum Mainstream gehören. So gehörte der Reggae/Dancehall-Rapper aus Leipzig, Trettmann am Freitagabend zu den Headlinern, wiederum auch internationale Bands wie Alt-J oder Chet Faker am Samstagabend. Eine Bühne widmete sich dem Deutschrap und dem Future R’n’B/Hip-Hop mit Newcomern wie Caramelo von Live From Earth oder Mavi Phoenix aus Österreich. Die Rapperin Princess Nokia aus Brooklyn ist schon lange kein Geheimtipp mehr, doch zog ihr Konzert am Samstagabend viele Fans an. Überhaupt hatten die Booker des Dockvilles einen guten Riecher, weil sie viele Künstler gebucht haben, deren individuelle Konzerte im Herbst ausverkauft sind und damit die Anziehungskraft für das Festival deutlich erhöht haben. Das gilt auch für Ross from Friends, der am Sonntagabend eines der Closing-Konzerte spielte.

 

Der Sonntag war ganz klar ein Höhepunkt des Dockvilles: Nach dem überragenden Konzert der oben erwähnten Mavi Phoenix, lieferten auch Piano-Elektro Künstler Christian Löffler und die kanadische Kombo Rhye bei atemberaubendem Sonnenuntergang vor der Hafenkulisse solide Leistungen ab. Die Besucher waren hin und weg vom französischen Tech-House Duo The Blaze sowie von den Engländern Maribou State. Abseits dieser eher bekannteren Namen lohnte sich auch ein Abstecher zum äußerten Zipfel des Geländes, zum Showcase des Hamburger Labels und Kollektiv Lehult. Acht Stunden haben die DJs von Lehult die kleine Bühne Klüse aufgeheizt und für einen ordentlichen Sonntagsrave gesorgt – chapeau!

MS Dockville 2018

Mehr Fotos und Eindrücke auf unserem BLN.FM Instagram-Account.

Bilderstrecke: So war´s auf dem Zug der Liebe 2018

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(c) Robert Herhold

Designerklamotten aber leerer Kühlschrank: „Ich war echt schlimm!“ I Am Aisha im Interview

I Am Aisha ist frisch, frech und selbstbewusst. Mit ihrer rauen Stimme und ihrem unverkennbaren Stil mauserte sie sich in ihrer Heimat, den Niederlanden, zu einer der spannendsten Entdeckungen in der Musikindustrie.
In Holland ist sie ein aufsteigender ein Star, in Deutschland noch ein Geheimtipp. Doch das soll sich bald ändern, denn I Am Aisha hat viel vor: Beim diesjährigen Milkshake Festival in Amsterdam hat sie mit Bln.fm-Moderator Caramel Mafia über ihre Pläne, Internettrolle und Xavier Naidoo gesprochen.

Was bedeutet es dir beim diesjährigen Milkshake Festival aufzutreten?
Ich hab das Festival über Jahre beachtet und mir immer gedacht, wie cool es wäre, wenn ich da mal auftreten würde. Dieses Jahr bin ich dann tatsächlich gebucht worden und war super aufgeregt. Mein Team und ich haben echt hart dafür trainiert und die Show ist bei den Leuten gut angekommen.

Vervollständige den Satz: „I Am Aisha ist live …“
Immer energiegeladen und je nach Stimmung auch Mal etwas düster, aber immer mit viel Energie.

Wovon handelt deine Single „Zulke Dinge doe je“?

Es handelt von Leuten, die sich gerne extravagant kleiden, die krassesten Marken tragen, aber kein Geld haben, um ihre Miete zu bezahlen oder Zuhause einen leeren Kühlschrank haben. Den will ich quasi zurufen: „Kennt eure Prioritäten!“ (lacht)

Hast du da eine bestimmte Person vor Augen?

Nein, ich meine damit alle – mich selbst inbegriffen, denn ich war früher auch so. (lacht) Ich war echt schlimm. Ich habe das öfter gemacht. Hier in Holland bekommst du immer einen bestimmten Betrag um deine Krankenversicherung zu bezahlen und ich habe einmal dieses Geld in Schuhe investiert. (lacht)

Wie hat sich dein Leben verändert seit deinem Durchbruch verändert?

Seit „Zulke Dinge doe je“ kann ich von meiner Musik leben. Vorher konnte ich das nicht und musste nebenher noch jobben. Seither kann ich von meinen Auftritten und Jobs leben, die sich dadurch für mich ergeben haben. Also es hat sich echt viel für mich geändert.

Was nervt dich am meisten an deinem Fame?

Ich würde nicht sagen, dass ich es hasse berühmt zu sein, aber
es gibt manchmal einige Randerscheinungen dadurch, die nervig sind.
Manchmal ist es echt so, dass Leute einen nur durch Videoclips oder ein paar Interviews „kennen“, aber sich darüber ein Urteil zur Person bilden und dann kommen so Verurteilungen wie: „Sie ist voll eingebildet oder sie ist keine nette Person.“ Ich denke, wenn diese Leute mich persönlich kennenlernen würden, dann würden sie auch sagen: „Die ist ja doch ganz Okay.“ (lacht)

Ich nehmen dann an du googelst du dich vermutlich nicht selbst und liest auch nicht die Kommentare zu deinen Video …
Nein, das mache ich nicht. Wenn ich ein Video veröffentliche, dann schaue ich mir 30 Minuten die ersten Kommentare an und danach schaue ich nie wieder.

Wegen den Trollen?
Ja, diese Trolle können einen schon treffen mit ihrer Negativität, auch wenn man eine starke Person ist. Deshalb versuche ich das zu umgehen und mich ausschließlich mit positiver Energie zu umgeben.

Twerken für den Weltfrieden: Iam Aisha live beim Milkshake Festival 2018.

Was war deines seltsamstes Fanerlebnis?

So was richtig Bizarres habe ich noch nicht erlebt. Das Verrückteste war vermutlich, dass ab und an mal Fans auf die Bühne springen und sich da die Ärsche abtanzen. Aber das ist ok. Ich sage ihnen auch nicht, dass sie die Bühne verlassen sollen. Die können das ruhig machen, tanzen und ihr Ding machen. So richtig verrückte Dinge sind aber noch nicht passiert.

Aber Pannen On-Stage wirst du aber sicher kennen …
Absolut. Da ist schon einiges passiert. Ich bin mal von der Bühne in ein Loch gefallen. Oder es kam ab und an vor, dass das Mikro oder der Sound schlecht war. Solchen Dingen versuche ich mit Positivität zu begegnen und die Party einfach am laufen zu halten. Wenn der Sound ganz schlecht ist, dann rappe ich mehr, als zu singen.

Deine Musik ist auf Niederländisch. Hast du schon mal überlegt auf Englisch zu singen, um einfacher international durchstarten zu können?
Absolut. Ich habe eben meine englische EP fertiggestellt, die echt nice geworden ist. Die erste Single daraus wird mit UG Official, einem Rapper aus dem Dunstkreis von Wizkid, sein. Das Video dazu filmen wir im kommenden Monat und das ist mein erstes englischsprachiges Projekt. Darauf freue ich mich schon sehr. Einfach mehr von der Welt sehen, denn Holland ist schon ziemlich klein. Ich muss auch ganz ehrlich sagen ich mag die Songs auf Englisch sogar ein bisschen mehr.

 

Mir ist hier in Holland aufgefallen, dass die HipHop-Szene aufgrund der Größe des Landes recht überschaubar ist. Gefühlt treten bei den reinen HipHop-Festivals hier fast immer die gleichen Leute auf. Ist das nicht manchmal ein bisschen nervig, wenn man ständig auf die gleichen Leute trifft? Wir wissen ja, dass viele Rapper – sagen wir mal – sehr speziell sein können?
Ich habe keinen wirklichen Beef mit irgendjemandem, aber nach jeder Show gehe ich auch immer gleich. Ich bleibe echt nur ganz selten und bin meist für mich im Studio oder chille Zuhause mit meiner Katze. (lacht) Also so richtig Ärger habe ich mit niemanden, aber was mich nervt, ist, dass es hier so klein ist und wie du gesagt hast, dass man ständig den gleichen Leuten über den Weg läuft und das ist einer der Gründe warum ich international durchstarten will. Ich will mehr von der Welt sehen, neue Leute – neue Künstler, Djs und Producer – kennenlernen.

Nimmst du deine bisherigen Songs dann auch auf Englisch auf?
Nein, ich denke nicht. Die Leute werden dann meine alten Songs schon finden, aber es Zeit für etwas Neues.

Verfolgst du, was auf dem deutschen Musikmarkt passiert?

Nein, nicht wirklich. Ich verfolge eher den UK-Markt, aber ich habe früher sehr viel deutsche Musik gehört. Ich habe eine tiefe Bindung zu Deutschland, da der Mann meiner Mutter Deutscher ist und meine Mutter seit über 20 Jahren in der Nähe von Koblenz lebt. Es gibt vor allem einen Song, den ich seit meiner Kindheit liebe. Soll ich dir den mal vorsingen?

Ja, klar.

(Singt) „Du bist mein Stern“ (Anmerkung der Redaktion: „Mein Stern“ von Ayman) und natürlich Xavier Naidoo. Den mag ich auch sehr gerne.

Könntest du dir vorstellen mit einem deutschen Künstler zusammenzuarbeiten?

Mit Xavier Naidoo auf jeden Fall. Der ist mein Lieblingskünstler.

Anderes Thema: Was würden mir deine Freunde über dich erzählen, wenn ich sie angetrunken nach ein paar Shots im Club treffen würde?

Sie würden vermutlich sagen, dass Aisha lustig und verrückt ist. Wenn Leute sie nicht kennen, dann denken einige dass sie gemein ist, aber sie ist nur sehr direkt und ehrlich. Diese Ehrlichkeit wirkt manchmal etwas krass, aber ist niemals böse gemeint. Und ich denke auch, sie würden dir sagen, dass ich loyal bin.

Was hast du für dieses Jahr noch geplant? Vielleicht noch ein Album auf Niederländisch? Eine Realityshow?

. (Schaut extrem überrascht)

Ich glaube, ich habe den Nagel auf den Kopf getroffen. Also Realityshow, ja?


Ja, da kommt eine TV-Sendung raus, aber ich darf noch nicht darüber reden, weil ich sonst echt Ärger bekomme. (lacht) Aber folgt mir einfach bei Instagram – I
amaishabetch – da gibt es Ende des Monats dann mehr Infos dazu.

Dann lass uns lieber wieder über Dinge reden, über die du schon sprechen kannst. Steht schon ein Datum für das englischsprachige Album?

Zuerst kommt eine Single, dann noch eine und dann erst das Album. Wir gucken erst mal wie die Singles ankommen und setzten dann erst ein Date. Aber das Album ist schon fertig, ich arbeite also schon im Vorlauf. Aktuell arbeite ich an einem Collabo-Album mit F1stman und das wollen wir Ende des Sommers rausbringen.

 

So war übrigens das Milkshake Festival 2018:
Bilder: Scarlett Stuber

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Vinyl oder USB? Berghain oder Couch? Und wann kommt eigentlich ein neues Album? Techno Papa WestBam im Interview

 

 

Bis heute hat DJ-Legende WestBam nichts von seinem Partyspirit eingebüßt: Mit 53 Jahren stand Maximilian Lenz am Freitag den 27.Juli mit mindestens genauso viel Elan auf der Bühne des Helene Beach Festivals wie in den 90er Jahren. Seit 1983 ist er einer der prägendsten DJs Deutschlands und gilt als Vordenker und Wegbereiter der elektronischen Musik. Loveparade ohne ihn? Auch wenn er heute keinen Bock mehr darauf hätte, wäre die legendäre Demo von 1989 bis 2008 ohne ihn undenkbar gewesen. Er selbst ist Mitbegründer das Mayday und lieferte Jahre lang die Hymnen zur größten Technoveranstaltungen Deutschlands. Wir haben den Technopapa, dessen neuntes Album „The Risky Sets“ noch in diesem Jahr erscheint, auf dem Helene Beach Festival ins Kreuzeverhör genommen.  Wir wollten wissen, ob er Vinyl dem USB-Stick vorzieht und ob er vielleicht noch manchmal heimlich ins Berghain geht.

 

 

Bild: Patrick Roddelkopf
Bild & Schnitt: David Roeglin