So war’s: #wirsindmehr

Johannes Räbel
Fotos: jfrcreatives

Nach der Tötung eines 35-Jährigen hatte es vergangene Woche in Chemnitz verschiedener Demonstrationen rechter Gruppierungen gegeben. Menschen wurden gehetzt und die Polizei schreitet trotz Attacken von Nazis wiederholt nicht ein. Um ein musikalisches Zeichen gegen Rassismus zu setzen, luden Musiker wie die Toten Hosen, Marteria und Kraftklub unter dem Motto #wirsindmehr vergangenen Montag zum Solidaritätskonzert nach Chemnitz. Das privat organisierte und von den Künstlern finanzierte Konzert halten viele für eine staatlich Feier und an den teilnehmenden Bands scheiden sich die Geister.

Veranstalter Sören Uhle, Geschäftsführer der Chemnitzer Wirtschaftsförderung- und Entwicklungsgesellschaft, rechnete mit 20.000 Besuchern. Die Teilnahme von rund 65.000 Menschen übertrifft letztendlich alle Erwartungen. Zumindest für einen Abend waren es also tatsächlich mehr. Zumindest für einen Abend steht Chemnitz nicht wegen rechter Aufmärsche im Fokus, sondern setzt – allen Kritikpunkten zum Trotz – ein vorbildliches und vor allem friedliches Zeichen gegen Hass und Fremdenfeindlichkeit.

Laut Polizei blieb alles ruhig. Doch was wird von Montag bleiben? Der aus Thüringen stammende Fraktionsgeschäftsführer der SPD im Bundestag, Carsten Schneider, warnte davor, in Kürze wieder zur Tagesordnung überzugehen. „Die Situation in Ostdeutschland ist fragil. Die Demokratie dort ist nicht so gefestigt, die politische Mitte nicht so stark. Ich bin sehr besorgt“, sagte er am Montagabend in der Phoenix-Fernsehsendung „Unter den Linden“. Für Chemnitz und Sachsen steht also wieder der Alltag im Kampf gegen Ausländerfeindlichkeit und rechtsextreme Gewalt an.

Um die Stimmung von vergangenen Montag weiterzutragen sind mehr Gratiskonzerte direkt am Fuß des Karl-Marx-Monument geplant. Im kleineren Rahmen und unter dem Motto „Montags am Kopf“ soll es weitergehen. Welche Künstler auftreten, ist noch unklar. Auch die Stadtverwaltung plant: Unter anderem eine Diskussionsrunde mit dem Titel „Wie sicher ist Chemnitz?“ und einen „Bürgerdialog zum Thema Zuwanderung“.

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