Das Urban Nation Museum For Contemporary Art holt Straßenkunst von der Straße

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Wer jetzt in Berlin Urban Art sehen will, der muss nicht mehr durch die abgefucktesten Straßen in den entlegensten Vierteln der Stadt irren – sondern kann seit dem 16.9. bequem nach Schöneberg fahren. Dort gibt es im Urban Nation Museum For Contemporary Art viele Werke nationaler und internationaler Street Art-Künstlern in einem Gründerzeitgebäude zu entdecken – ganz ohne das einem dabei Marihuana zum Kauf angeboten wird wie auf dem RAW-Gelände. Damit hat es Street Art endgültig ins Establishment geschafft.

Das Urban Nation Museum will als internationale Institution für Künstler und Projekte Straßenkunst konservieren und Diskussionen anstoßen. Eine umfangreiche Werbekampagne begleitet die Eröffnung des Museums und wandelt den Hauptkritikpunkt zum Slogan: Das Museum, das es eigentlich gar nicht geben dürfte.

Street Art ist ein allgemeiner Sammelbegriff für verschieden künstlerische Ausdrucksformen im öffentlichen Raum: Graffiti in den verschiedensten Formen, Sticker Stencils, Collagen, Scratchiti, Cut-Outs, Tape Art, das Verändern von Werbeplakaten, Guerillastricken, Straßengärtnern und weitere Umgestaltungsmaßnahmen in der Stadt. Die Intervention ist dabei die Gemeinsamkeit dieser Ausdrucksformen, denn „die Straße zurückzuerobern“ – „Reclaim the Streets“ – war einst Antrieb hinter den Aktionen.

Doch mit der Zeit frisst der Mainstream jede Subkultur. So wird aus „Street Art“ schleichend „Urban Art“. Längst hat man den obdachlosen Rebell von der Straße geholt, um ihn in eine Galerie zu setzen. Während die zunehmende Kommerzialisierung zwar die Natur der Sache verändert, kommt sie zumindest den Kunstschaffenden zugute. Die Zeit, in der Street Art um Anerkennung in der Kunstwelt buhlen musste, ist längst vorbei.

Im Altbau in der Schöneberger Bülowstraße, in dem nun das Museum für Urban Contemporary Art eröffnet, entsteht nun eine Zentrale der weltweiten Bewegung, die sich für eine höhere Wertschätzung der Straßenkunst einsetzt. Bereits seit 2013 arbeiten die Initiatoren der Urban Nation daran – und bekommen dabei finanzielle Unterstützung von der Berliner Lotto-Stiftung und dem Wohnungsunternehmen Gewobag. Wird durch dieses Engagement die urbane Kunst genauso “wertvoll” und unterstützenswert für die Öffentlichkeit wie ein Rembrandt-Gemälde oder die “Fettecke” von Joseph Beuys? Oder verliert die Kunstformen durch die Integration endgültig das, was sie besonders gemacht hat: die Intervention, welche Ruhe und Ordnung stört?

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Die Eröffnungsausstellung mit dem Motto „UNique. UNited. UNstoppable.“ präsentiert rund 130 Urban Art-Künstler, darunter bekannte Namen wie das Berliner Kollektiv 1UP, das Künstlerduo Herakut oder der portugiesische StreetArt-Künstler Vihls. Letzterer hat in Schöneberg bereits mit einem Mural auf sich aufmerksam gemacht, dass Berghain-Türsteherikone Sven Marquart zeigt.

Mit der Eröffnung des Museums wird auch die Artmeile, ein zweitägiges Quartiersfest, eröffnet. Am 16. und 17. September finden zwischen Nollendorfplatz und Frobenstraße Kunstinstallationen, Showacts und Aktionen statt. Neben einer Community Wall, welche jeder mit Sprühdosen selbst gestalten kann, werden mit Freiluft-Yoga oder Skateboarding auch weniger kunstlastige Programmpunkte angeboten.

Urban Nation – Museum für Urban Contemporary Art, Bülowstraße 97, Schöneberg, U1, dienstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr, Eröffnung 16.9.2017

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