Das Ende eines Trends: Warum 3D wiedermal vorbei ist.

Kino 3D Brille trashedTobias Menzel
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Anfang des Jahrzehnts war es noch gepriesen als Rettung der Kinos vor der gewachsenen Konkurrenz von Computerspielen und Riesen-TVs: 3D. Doch dieser Traum ist vorbei. Laut dem US-amerikanischen Filmverband MPAA wurden für 3D-Vorstellungen 2016 8 Prozent weniger Tickets verkauft – und das obwohl immer mehr Filme in 3D herauskamen! Nun treten auch Kinobetreiber auf die Bremse. Angesichts dieser Zahlen sagte Greg Foster, Chef der weltweiten IMAX-Kinos, dem Entertainment-Magazin The Wrap, sich in seinen Kinos in der Zukunft von 3D „weg zu bewegen“.

Das ist einerseits schade. Das IMAX-3D war technisch wesentlich besser als andere Techniken, so dass das Bild bei schnellen Kamerabewegungen auch scharf blieb. Aber andererseits konnte selbst perfekte 3D-Technologie nicht darüber hinweg täuschen, dass die zusätzliche Dimension für Zuschauer nur selten wirklichen Mehrwert bietet. Den größten Gewinn machten die Filmindustrie, die über erhöhten Ticketpreise für 3D-Vorstellungen generell mehr Geld pro Ticket verlangen konnte. Aber für das Zuschauererleben war die Technik eher egal. Abgesehen von „Gravity“ und ein paar effektheischenden B-Movies wie „Drive Angry“ fallen mir nicht allzu viele Filme ein, die 3D wirklich ausgenutzt haben. Im Gegenteil: 3D hat den Filmgenuss oft gemindert. In der „Hobbit“-Trilogie sahen die mittelprächtigen CGI-Effekte in 3D noch unrealistischer aus. In „Planet der Affen: Revolution“ war bei den meist in der Dunkelheit stattfindende Action-Sequenzen durch die abtönende 3D-Brille nahezu nichts mehr zu sehen.

3D war nie mehr als ein kurzlebiges Gimmick: Wenn es also diesmal wieder stirbt, ist das keine Überraschung.

Fakt ist: 3D ist kein natürlicher Seh-Effekt. Wenn wir einen „normalen“ 2D-Film sehen, fügt unser Gehirn die dritte Ebene automatisch und wesentlich natürlicher hinzu, als es die künstliche dritte Dimension im Film je könnte. In seiner Künstlichkeit mag 3D als Neuheit ja für eine Weile interessant gewesen sein. Doch irgendwann hat man es über, Explosionen ins Gesicht geworfen zu bekommen. Vor allem, wenn man jedes mal 3 Euro extra dafür zahlen darf.

Das war schon so in den 1950ern, als 3D mit Filmen wie „Bei Anruf Mord“ zum ersten Mal Einzug ins Kino hielt. Und dann noch mal in den 1980ern, als vor allem Horror-Franchises wie „Der Weiße Hai“ und „Freitag, der 13.“ die Technologie für sich entdeckten. Der Erfolg war beide Male von kurzer Dauer. Wenn 3D also diesmal wieder stirbt, ist das keine Überraschung. Die Filmindustrie selbst hat dabei auch ordentlich nachgeholfen: sie kassierte höhere Ticketpreise für qualitativ oft minderwertige, nachträgliche Konvertierungen und achtete – wie etwa bei „Planet der Affen“ beim Dreh oft auch nicht auf die Probleme der Technologie. Währenddessen beweisen Filmemacher wie Christopher Nolan, dass man auch ohne 3D kommerziell erfolgreiche und visuell abgefahrene Blockbuster wie „Inception“ oder zuletzt „Dunkirk“ kreieren kann.

Dazu kommt noch: Wer scharf auf das „3D-Erlebnis“ ist, kann es mittlerweile dank 3D-Fernseher auch zu Hause haben. Insofern ist die Ankündigung von IMAX, 3D auslaufen zu lassen, kein großer Verlust – sondern folgerichtig. Vielleicht wird ja irgendwann jemand eine künstlerisch interessante Verwendung abseits des puren „Blings“ finden. Oder wahrscheinlicher: Virtual Reality wird der aktuellen Technologie letztlich den Rang ablaufen. Bis dahin bleibt 3D ironischerweise ein eindimensionales Gimmick ohne Tiefenwirkung.

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