Open Air-Festival „Monis Rache“: Männer, bitte züchtig bleiben!

Schwule auf der Folsom Street Fair, San Francisco 2012

Wenn Open Airs und Techno-Paraden Spaß machen, dann sind sie schweißtreibend. Für Männer ist das in der Regel kein Problem: sie entledigen sich einfach ihrer T-Shirts und tanzen oberkörperfrei auf Partys. Dieser selbstverständliche, sinnenfrohe Hedonismus ist aber nicht für alle eine Option. Gefühlte Wahrheit ist: Männer können ihr Textil schnell loswerden ohne angeglotzt und anzüglich angebaggert zu werden. Frauen und transsexuelle Menschen können das nicht: für sie ist komplett oberkörperfrei selbst in der begrenzten Öffentlichkeit von Festivals nicht möglich ohne Blicken und Bemerkungen ausgesetzt zu sein. Und selbst wenn diese unterbleiben: für manche fühlt sich die Nähe schwitziger nackter Männer unangenehm an.

Die Veranstalter des kollektiv organisierten Open Airs „Monis Rache“ im mecklenburgischen Tutow am 23.7.2017 gingen das Problem auf eigene Weise an. Sie baten Männer, ihre Klamotten anzubehalten:

„Es ist unerwünscht, dass cis-männlich gelesene Personen oberkörperfrei auf dem Festivalgelände herumlaufen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der cis-Männer mit Privilegien ausgestattet sind. Eines davon ist, sich so gut wie immer und überall weitestgehend entkleiden zu können. Für Frauen und Trans*Personen gilt dies in den meisten Fällen nicht. Seinen Oberkörper zu bedecken ist somit ein solidarischer Akt gegenüber allen von Sexismus betroffenen Personen, da ihnen das Privileg nicht zu teil wird.“

Eine solche Ansage ist zwar nachvollziehbar, wirkt aber auch seltsam. Sind Partys und Open Air nicht gerade geschützte Räume auf denen sich Menschen „gehen lassen“ können, weil eine unabgesprochene Übereinkunft herrscht, welches Verhalten okay ist? Wozu gibt’s sonst die Türsteher?  Berliner Party-Gänger sind jedenfalls die freizügige Präsentation von Körpern verschiedener Geschlechter gewohnt – und zwar nicht als Konkurrenz schöner, möglichst perfekter Körper, sondern als selbstbewusste Befreiung von Bekleidungszwang und Dresscode. Die „Empfehlung“ der „Monis Rache“-Veranstalter bewirkt hingegen, dass zwar auf Ängste und bodyshaming von Menschen, die sich im Alltag diskriminiert fühlen, Rücksicht genommen wird – aber diese repressive „Normalität“ gleichzeitig auch auf die Gegenwelt eines Festivals übergreift. Das ist dann doch das Gegenteil von der Utopie, in der sich Menschen von Zwängen frei machen.

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