Nach sexuellen Übergriffen: Erstes „männerfreies“ Festival in Schweden

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Eigentlich war es nur ein witziger Tweet. Die schwedische Komikerin Emma Knyckare kommentierte über Twitter die Absage des „Bråvalla Festivals“. Das wurde für 2018 abgesagt, nachdem am ersten Juli-Wochenende vier Vergewaltigungen und 23 Fälle sexueller Belästigung angezeigt wurden. Im Tweet schlug Knyckare vor ein neues Festival auf die Beine zu stellen – von dem Männer so lange ausgeschlossen bleiben, bis sie “gelernt haben, sich anständig aufzuführen”. Zuerst einfach nur so hinausposaunt, entwickelte die Idee ein Eigenleben: per Instagram gab Emma Knyckare nun bekannt bereits im Gespräch mit möglichen Organisatoren zu sein.

Es ist nicht das erste Mal, dass das „Bråvalla“-Festival wegen sexueller Übergriffe in den Fokus der Berichterstattung rückt. Schon 2016 wurden mehrere Vorfälle angezeigt – darunter auch Vergewaltigungen. Die Band Mumford & Sons reagierte mit einem Festival-Boykott: sie würden erst wieder auf dem „Bråvalla“ spielen, wenn die Veranstalter das Problem in den Griff bekommen. Bråvalla war eines der größten und populärsten Musikfestivals in Schweden. Mit Headlinern wie Linkin Park und System Of A Down zog es jährlich etwa 50.000 Besucher an. Doch auch von anderen skandinavischen Festivals wie “Putte I Parken” und “We Are Stckhlm” wurden dutzende Fälle von sexueller Belästigung berichtet.

Was ist da eigentlich los in Schweden? Eigentlich denken wir, dass die skandinavischen Länder Vorreiter in Sachen Gleichstellung und Gender-Gerechtigkeit sind. Wie erklären sich dann die scheinbar steigenden Zahlen von Übergriffen gegen Frauen? Polizeisprecherin Gunilla Nyström sagte den Medien, dass die Anzahl der Anzeigen nicht ungewöhnlich sei für ein Festival dieser Größenordnung. Es wurden nur mehr Fälle angezeigt und bekannt, weil mehr Polizei vor Ort war. Das erleichtere es den Opfern, eine Tat zu melden.

Letztlich ist sexuelle Gewalt ein gesamtgesellschaftliches Problem. Ob ein Festival ohne Männer etwas zur Lösung beitragen kann, ist fraglich. Denn auch wenn solche “safe spaces” verlockend klingen, so bedeuten sie in erster Linie Abschottung – den Rückzug aus der allgemeinen Öffentlichkeit. Dabei sollten Menschen nicht nur ein eigens abgetrennten Bereichen sicher vor Übergriffen sein, sondern sich frei in der Gesellschaft bewegen können.

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