Berliner Clubs gegen Rechtspopulisten: „Sorry, AfD steht nicht auf der Liste“

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Wahlforscher prognostizieren in Berlin der fremdenfeindlichen AfD 15% der Wählerstimmen. Muss man das so hinnehmen? Berliner Clubs, organisiert vom „Zug der Liebe“, verneinen das und greifen deshalb in den Berliner Wahlkampf ein und hängen Plakate gegen die AfD. Angeschlossen haben sich Yaam, Gretchen, Golden Gate, Burg Schnabel, Maze und andere. Jens Schwan, Initiator, schreibt auf BLN.FM, was ihn dazu bewegt hat, die Clubs für die Plakataktion zusammenzutrommeln .


jens schwan, zug der liebe

Der “Zug der Liebe” macht Plakate? Ja.  Denn die „neue Loveparade“ hat sich nach dem zweiten Aufmarsch 2016 zu einer ernsthaften politischen Demo gemausert. (Musik gibt es natürlich trotzdem.) Inzwischen haben sich die Macher sogar zu einem Verein zusammengerauft, dem Zug der Liebe e.V. Dieses Vereinsdingens, zusammen mit dem politischen Anspruch des Zugs, und eine persönliche massive Abneigung eines der Macher (ich)  gegen die AfD führten letztlich dazu, dass wir die Plakatkampagne gegen die AfD starteten.

zug der liebe - Wahlplakat_Position4_ZDL_drUnsere roten Plakate setzen sich anhand des Wahl-O-Mats mit einigen der AfD-Positionen auseinander und zeigen, was die Partei in Berlin wirklich will. Leider wissen das ja deren Führungskräfte nicht mal selbst, wie Beatrix von Storchs Äußerungen zum Mindestlohn beweisen. Wir weisen darauf hin, dass das AfD-Wahlprogramm gruselig ist: Nein zu Sozialwohnungen, Nein zum Wahlrecht für junge Menschen, Nein zur Vermögenssteuer für Reiche und einiges mehr!

Die ganze Aktion ist recht ungewöhnlich, aber die Idee dazu entstammt aus der Not und einem guten Schuss Resignation. Schuld ist mal wieder das Internet. Die AfD schafft es hier, dass viele Menschen nicht mehr die reale Politik bewerten. Stattdessen kreiert sie mit sehr gutem Online-Marketing, kombiniert mit dem Ausschluss kritischer Meinungen auf Facebook eine ganz eigene Realiät. Damit wurde sie zu einem unerwarteten Facebook-Hit mit einer Like-Anzahl, die doppelt so hoch ist wie die anderer Parteien, beispielsweise der CDU. Die in sich geschlossene News-Blase filtert und lässt nur Positives im Sinne der AfD durch und hat erfolgreich den Mythos der “Lügenpresse” erschaffen, mit dem andere, abweichende Fakten von vornherein als unglaubwürdig abgetan werden. Das ist ein mächtiges Schwert – es gibt gar keine Chance auf Diskussion, stattdessen erfolgt eine sofortige Blockierung.

Auf Facebook kreiert die AfD ihre ganz eigene Realität – und lässt ihre Fans hetzen.

Wahlplakat_SchwuZ_ZDL_druckEs ist erschreckend, dass es die AfD, die so tut als sei sie demokratisch, nicht beschämt, wie offen rassistisch ihre Anhänger sind – und sie auch nichts dagegen unternimmt. Nicht umsonst gibt es Facebook Fanseiten wie “Hooligans Gegen Satzbau”, auf denen die schlimmsten Fundstücke in Schriftform gepostet werden. Wenn nun die AfD-Politpromis argumentieren, dass man sich seine Fans nicht aussuchen kann – so lügen sie. Denn das funktioniert bei Facebook perfekt. Ein Fußballverein hat’s schwieriger mit dem Blockieren von Fans, die AfD hingegen unternimmt nichts und lässt die Anhänger auf ihren Profilen fröhlich weiter hetzen. Blockiert werden nur die kritischen Stimmen. Also ist sie verdammt nochmal ein rassistischer Trupp.

Wahlplakat_Maze_ZDL www.zugderliebe.orgDas Problem der Fremdenfeindlichkeit entsteht nicht durch zu wenig Kontakt mit Anderen, auch wenn das schlicht eine Tatsache ist, die ich noch allzu gut aus der DDR kenne. Nein, vielmehr stehen wir, und das ist erschreckend, vor Deutschen, die nur mangelhaft informiert sind. Sowas sah ich bisher eher in Nordkorea oder im Jemen, aber weniger in unseren vernetzten Breiten als Problem. Genau deswegen gibt es diese Plakat-Aktion. Offline-Attacke sozusagen, ganz oldskool.

Ein weiterer Grund: Es gibt kein einziges Parteienplakat von SPD, CDU und Grüne in Berlin, das sich wirklich effektiv mit der AfD anlegt. Seit dem Aufstieg der AfD bei den letzten Wahlen ist nichts passiert. Gar nichts. Wo waren denn die großen Kampagnen? Wo war die Aufklärungswelle? – Antwort der SPD: Es gäbe ja zum Beispiel dieses Bild mit Müller und der Kopftuch-Frau – echt jetzt?

Offline-Attacke sozusagen, ganz oldskool.

Wahlplakat_Yaam_ZDL_DruckWir konnten die Clubs wie die Magdalena schnell für die Aktion gewinnen, weil sie mit uns schon seit dem Zug der Liebe vernetzt sind. Wichtig sind sie, weil ich in Clubs und deren Außenwirkung eine ungeheure Kraft sehe, auch die Leute hinterm S-Bahn-Ring von ihren Vorurteilen abzubringen und mal die Birne anzuschalten. Wichtig sind sie, weil die Clubkultur ein starkes Aushängeschild für Berlins Tourismusmarketing ist. Weil ich nicht will, dass die Welt von uns denkt, wir wären jetzt nicht mehr Berlin, sondern Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern. Ich bin froh zu sehen, dass die Clubs Stellung beziehen, denn das erhält mir den Glauben an das Gute.

golden gate - Wahlplakat_Goldengate_ZDL_DWir kleben Plakate, die zeigen, dass Berlins wichtigstes Aushängeschild, die Berliner Clubkultur, nichts von Abgrenzung und Hetze hält. Unsere Clubs sind genauso international wie die Stadt selbst. An der Tür, hinter Bar und am DJ-Pult arbeiten in den Clubs dieser Stadt locker hundert verschiedene Nationen. Wenn du wissen willst, wie das so wäre ohne den ganzen liberalen, toleranten Kram, den wir hier in Berlin so pflegen, dann fahr doch mal in ‘ne Disse nach Kühlungsborn.

Der Club Mensch Meier fasst das Berliner Selbstverständnis gut zusammen: „Es ist für uns selbstverständlich, dass an einem Ort, an dem wir frei feiern möchten, kein Platz ist für Menschen, die andere Menschen verletzen. Darum werden wir hier keine Formen von rassistischen, sexistischen und anderen diskriminierenden Verhaltensweisen dulden. Schaut nicht weg, fragt nach und passt aufeinander auf. Benötigt ihr Hilfe, meldet euch bei den Türstehern.“

(Fotos: www.zugderliebe.org)

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