Platte der Woche: Fatima Al Qadiri zeigt das niedliche Angesicht der Brutalität

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Experimental Grime hat in den letzten zwei Jahren mit Visionist und Rabit Kritikerlieblinge produziert. Fatima Al Qadiri ist eine der wenigen Frauen im Genre, dessen meist instrumentelle Tracks aggressiv und gleichzeitig extrem verletzlich klingen. Eine gute Plattform um innovativ sensible Themen zu verarbeiten, meint die Produzentin. Sie brachte 2014 mit ihrem Debüt-Album “Asiatisch” (Hyperdub) Sino-Grime in die Welt, in dem sphärenhafte synthetische Sounds Fernost-Folklore nachempfinden. Für sie war diese musikalische Hochglanz-Umsetzung eines zukünftigen Chinas ein künstlerisches Statement, in dem sich Klischees, Zerrbilder der westlichen Kultur und Hochtechnologie vereinen. Zwei Jahre später erscheint auf Hyperdub ihr zweites Album. Auch für „Brute“ gäbe es ein Konzept, sagt die Musikerin in Interviews: Als brutal („brute“) empfinde sie den Umgang der amerikanischen Sicherheitsbehörden mit den eigenen Bürgern, vor allem die Gewalt der Polizei gegenüber Minderheiten. In ihrem Album macht sie das durch die Verwendung von Klangeffekten und Samples hörbar: Hier erschallt eine Polizeisirene, wie sie aus konventionellen Grime-Tracks bekannt ist, dort hört man dass Knattern von Maschinengewehren oder das Splittern zerbrochenen Glases. Dazwischen: Pausen und verzerrte, traurige Stimmen, oft genug auch als Choral und eher lichte Synthieklänge. Eine Gegenüberstellung, mit denen Fatima Al Qadiri sich nicht nur treu bleibt, sondern sich erstaunlich konventionell in dem bewegt, was die Szene in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Doch sie setzt der Musik eine Geschichte drauf, die zugleich durch das Album-Cover visualisiert wird. Babak Radboy verarbeitet dafür Josh Klines Kunstwerk „Po-Po“, in der eine possierliche Spielzeugfigur für den freundlichen Polizeistaat steht, in dem wir leben.

Ihr hört Tracks von Fatima Al Qadiri’s neuem Album „Brute” im lau­fen­den BLN.FM-Programm und jeden Wochen­tag 9:15, 14:15 und 21:15.

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