Transmediale 2016: Digital dir deine Welt – wie sie dir gefällt!

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Transmediale 2016 | Conversation Piece Hatsune Miku – Still Be Here. Foto: LaTurbo Avedon / Crypton Future Media Inc. 2007

Vom 3. bis 7. Februar stellt das Berliner Festival „Transmediale“ zum 29. Mal digitale Kultur und technologische Entwicklungen in den Fokus: Was mache ich mit dem Digitalen, was macht es mit mir und was machen wir daraus? Uns erwarten: viele Themen, viele Vermittlungsformen, viel Gehirnschmalz, Augenschmaus und hoffentlich auch ganz viele Geistesblitze.

Wir müssen Reden! Das diesjährige Motto „Conversation Piece“ ist auch eine Aufforderung zur Teilhabe. Aktuell leben wir in einer Zeit, in der viele sprechen und wenige etwas zu sagen haben. Und Computer und soziale Netzwerke haben das nicht besser gemacht. Algorithmen beeinflussen, welche Botschaften nach oben gespült werden – oben steht, wer zahlt. Auch im Netzwerk dominiert das Geld: Wer Geld investieren kann, kann in Kampagnen aufbauen und erreicht mehr Menschen. Die „Transmediale“ setzt an diesem scheinbar festgefahrenen Status an, fragt nach Möglichkeiten, Gefahren, Potentiale – und fordert Besucher auf mitzureden.

In vier Themenstränge – sogenannten Streams –  teilt sich das Programm des Festivals. In Vorträgen, Workshops, Konzerten und Kunstperformances erfolgen die Auseinandersetzungen wie das Digitale, wir und unsere Welt zusammentreffen. Der unbequeme Zustand der „Besorgnis“ ist dabei der gemeinsame Nenner aller Debatten: In ihm treffen sich die Unsicherheit und die permanente Anspannung unserer Zeitalters, in der die zentralen Verheißungen von Kapitalismus und Demokratie verblassen und Ängste wachsen und geschürt werden. Die Welt ist verunsichert und nervös –  angesichts der Katastrophen und Krisen scheint es kein einfaches „Weiter so“ geben zu können. Und nun? Technologie und das Netz können helfen, doch gleichzeitig stellen sie die Mittel, die Welt zu vernichten.

Irgendwas läuft immer falsch: Der Glanz der Gegenstrategien verblasst

Doch alles hängt nach wie vor am Geld. Reichtum und Ressourcen sind ungleich verteilt: Die Einen besitzen im Überfluss, woran es vielen mangelt. Vielleicht kann diese Ungleichheit ausgehölt werden – durch Sharing dem unentgeldlichen Teilen. Die „Sharing Economy“ die Ökonomie der Teilhabe war ein großes Versprechen der letzten 20 Jahre – eine Diskussion am 5.2. wird aufzeigen, wie viel sich von den Hoffnungen bewahrheitet haben.  („After the Sharing Economy“  Fr 5.2.2016 15 Uhr, „Keynote Conversation: Anxious to Share“ Fr 5.2.2016, 17:30).

„Do It Yourself“ ist die kreative Gegenstrategie, den bequemen Angeboten der multinationalen Konzerne zu begegnen, die gleichzeitig Produzenten und Konsumenten überwachen, ausbeuten und bevormunden. In den letzten Jahren hat sich eine „Making“-Kultur herausgebildet, in der Tüftler, Bastler, Programmierer und Designer individuellere, schlauere und kreativere Lösungen ersinnen als die massenhafte Stangenware aus den Supermärkten. Technologien wie der 3D-Drucker feuern dabei die Phantasien von Wissenschaftlern und Kreativen an, wie die Fabriken der Zukunft aussehen könnten. Bei der „Transmediale“ wird über diese Visionen gesprochen, aber auch über die Fehler im System, die bei aller Euphorie erstmal vergessen wurden. („Keynote Conversation: Anxious to Make“, Do, 4.2.2016; 17:30, „Future Factories“,  Sa, 6.2.2016 20:00).

Gleichzeitig muss aber auch gegen den „schönen Schein“ vorgegangen werden, der „das System“ aufrechterhält. Denn dann kommen viele moralisch bedenkliche Arrangements an Licht, mit denen sich Verantwortliche arrangiert haben. Zentral dafür ist das „Verpfeifen“ von geheimen Informationen an die Öffentlichkeit. Edward Snowden und Chelsea Manning haben’s vorgemacht. Auch auf der diesjährigen „Transmediale“ wird über Netzaktivismus gesprochen: Auch wenn er moralisch richtig ist, hat er die Welt wirklich besser gemacht?  („Keynote Conversation: Anxious to Secure“ Sa 6.2.2016; 17:30  / „Let’s talk about Whistleblowing!“  Sa 6.2.2016, 20:00).

Aber nicht zuletzt gibt es auch was für Augen und Ohren: spannende Auftritte, Filme und Installationen begleiten die gesamte „Transmediale“. „Still be here“ ist das überschriebene Konzert der Manga-Figur Hatsune Miku, die in Japan ein umjubelter Cyber-Star  ist. Ein Star ohne Fleisch und Blut, jenseits der realen Welt – wie funktioniert das? Beim Konzert wird die virtuelle Pop-Ikone auch mit euch sprechen. („Still Be Here“ Fr 5.2. / Sa. 6.2.2016 jeweils 21:30)

transmediale 2016 – “Conversation Piece”; 03.-07. Februar 2016, Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Alle 10, Berlin-Tiergarten, Einzeltickets 3-19 €, Festival-Pass 80 €/60 €, Tagespass 25 €/20 €

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