Woher der „Geist“ von Neukölln weht

Neukölln-Wind_Alex_Anasuya@Misha Rapoport

Neukölln ist nicht mehr das, was es war. Früher das Quartier der eher einfachen Leute und der Gastarbeiter, entdeckten in den letzten Jahren Studierende und Künstler aus aller Welt die Gegend um Sonnenallee, Karl-Marx-Straße und Hermannplatz. Danach kommen Bioläden, Boutiquen, Manufakturen und betuchte Zugezogene. Die Mieten steigen. Wer in seinem Kiez wohnen bleiben will steht vor der Entscheidung: Platz räumen, widerstehen oder anpassen an die Leistungsgesellschaft.

NEUKÖLLN WIND - Bjoern Radler (li), Max Kidd (re)
Die langjährigen Freunde Kale (Max Kidd, rechts) und Frederik (Bjoern Radler, links) bei Gesprächen auf dem Dach.

Im Underground-Film „Neukölln Wind“ streifen die Geister der vertriebenen Kiezbewohner zwischen Betonruinen und neuen Prunkbauten von Neukölln umher und kommentieren diesen Umbruch. Das  „Neuköllner Kind Kale“ vertrieben einst teure Mieten aus seinem alten Kiez – heute kauft er als Immobilienmakler sein altes Haus  zurück. Auf Kosten seines Seelenfriedens. Seine Geschichte verbindet das Film-Essay mit den Schicksalen von einem alternativen Stadtführer, einer Streunerin im Drogenmilieu und einer Künstlerin. Auch “Schmittie”, ein verstorbener Obdachloser vom Boddinplatz, begegnet der Gruppe. Ein Tagestourist sucht nachts das Brandenburger Tor – und plötzlich taucht ein Engel auf. Die Wege von verschiedenen Charakteren treffen sich auf unwillkürliche Art und ihre Schicksale scheinen sich zwischen Traum und Realität zu bewegen.

NEUKÖLLN WIND - Alex Anasuya-das-Drogenmädchen
Das drogenabhängige Straßenmädchen Anna (Alex Anasuya)

Der israelische Regisseur Arsenny Rapoport drehte die melancholische Liebeserklärung an seinen eigenen Berliner Bezirk ohne Budget. „Eine Gruppe junger Menschen ist auf der Suche nach dem „Geist von Neukölln“ und nach sich selbst“ fasst er den Film zusammen. Er selbst lebt seit vielen Jahren im Stadtteil und hat den größten Teil des Drehbuchs im Café Laidak am Boddinplatz geschrieben.

Zu sehen gibt es das Film-Essay ab dem 7.1.2016 eine Woche im IL Kino in Berlin-Neukölln.

(Fotos: Mit freundlicher Genehmigung von Basis-Film Verleih Berlin)

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