David Bowie – ★ (a.k.a. Blackstar)

David-Bowie-Black-Star-Cover

Nach knapp 35 Jahren, in denen David Bowie mit seiner Musik größtenteils keine echten Risiken mehr einging, erschien Anfang 2016 mit „★“ („Blackstar“) plötzlich ein fiebrig-düsteres Biest von einem Album. Man rätselte: Woher kam dieser plötzliche Wille, es auf die alten Tage noch einmal „drauf anzulegen“? Zwei Tage nach Veröffentlichung schien die unerwartete Nachricht von Bowies Tod diese Frage zu beantworten. Plötzlich war „★“ weit mehr als nur die eindrucksvolle Rückkehr eines Grenzen sprengenden Musikers. Auf einmal schienen sich die rätselhaften, morbiden Texte zu einem großen letzten Statement zusammenzufügen, mit dem David Bowie Abschied von der Welt nahm. Ob das wirklich der Fall ist, hätte nur Bowie selbst beantworten können. Doch der verweigerte schon zu Lebzeiten Interpretationshilfen für sein Werk.

Wie seine besten Arbeiten aus den 1970ern lebt auch „★“ von der Inszenierung. Sie ist persönlich genug, um sich mit dem Popstar und seiner Musik identifizieren zu können – und abstrakt genug um Inspirieration zu liefern.  Schon auf seinem retrospektiven letzten Album „The Next Day“ zeigte Bowie wieder Bereitschaft seiner Musik einen größeren Kontext zu geben, dem er sich seit den frühen 1980ern weitgehend verweigert hatte. Die Nostalgie seines Vorgängeralbums geht „★“ allerdings vollkommen ab – auch musikalisch. Erstmals seit seinen Industrial- und Drum’n’Bass-Experimenten Mitte der 1990er hört sich ein David Bowie-Album wieder frisch an. Bowies typischer Rock und Pop-Sound ist immer noch da, wird aber von experimentellem Jazz und elektronischer Verfremdung kleingehäckselt: das passiert mal fiebrig drückend („‚Tis A Pity She Was A Whore“, „Sue (Or In A Season Of Crime)“), mal elegisch schwelgend, wie in „Dollar Days“, „Lazarus“ und dem mehrteiligen, 10-minütigen Titeltrack.

Pitchfork zitiert Aussagen von Produzent Tony Visconti, dass sich Bowie vom experimentellen Hip Hop von Death Grips und Kendrick Lamar zu „★“ inspirieren ließ. Diese Anleihen scheinen aber eher technisch durch als musikalisch. Dort fühlt man sich als Hörer eher an die Verfremdungs-Spezialisten The Knife und das sperrige Spätwerk von Scott Walker erinnert. Während deren Rätselhaftigkeit gelegentlich allerdings etwas sehr verkopft und angestrengt wirkt, folgt man David Bowie auf „★“ bereitwillig in den pechschwarzen Kaninchenbau. Eindeutige Antworten wird man dort nicht finden. Doch wie gesagt: um die ist es bei David Bowie noch nie gegangen.

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(Foto: David Bowie – Blackstar, Promo)

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