Berlins „Ballermann“ soll aus Touristenführern gelöscht werden

Revaler-Straße-flickr-moe-in-berlin-CC-BY-NC-SA-2.0

Die legendäre „Simon Dach“, die Kneipenstraße im Szene-Kiez Friedrichshain, scheint das perfekte Pflaster für sturztrunkene Studenten und komatös ausufernde Junggesellenabschiede zu sein. „Happy Hour all the time“ bewirbt das stadteigene Touristen-Portal Visit Berlin die Straße, welche sich seit 20 Jahren von einer ruhigen Wohnstraße zur lärmigen Barmeile wandelte. Besonders im Sommer stolpern Anwohner über sturzvolle Teenies und leere Bierflaschen, Dönerreste und andere Hinterlassenschaften, gleichzeitig zocken Taschendiebe Touristen in der Straße und der Umgebung ab.

Das Problem ist nicht neu. Bereits seit mehren Jahren ist die Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne) auf der Suche nach Lösungen. Ihr Problem: sie will den Gastronomen im Kiez nicht die Geschäftsgrundlage entziehen, gleichzeitig soll Ruhe einkehren. Einige Ideen wurden getestet, doch ohne Erfolg: an den „Verhaltenskodex für Touris“ wollten sich die Betrunkenen nicht halten und die Performances von „Pantomimekünstlern“ konnten pöbelnde Besucher auch nicht beruhigen.

Neueste Idee, um den Andrang der rücksichtslosen Sauftouristen abzuwehren: weniger Tourismus-Werbung für den Kiez. Der Bezirk habe bereits vor Jahren Herausgeber von Reiseführern gebeten, nicht die Simon-Dach-Straße zu erwähnen, so der Friedrichshainer Bezirkspolitiker Peter Beckers (SPD) zur Berliner Morgenpost. Man müsse die „Menschenströme“ lenken und auf die ganze Stadt verteilen. Doch die Reiseführer-Verlage haben „zurückhaltend“ auf die inhaltlichen Wünsche der Behörden reagiert, die böswillig auch „Zensur“ genannt werden könnten. Immerhin kann das Amt bei den offiziellen, städtischen Berliner Tourismus-Werbern Ansagen machen. Aus der „Going Local Berlin“, der Smartphone-App von visit Berlin, soll deshalb die SimonDach-Strasse verschwinden.

Ob das was bringt? Skepsis ist angebracht, denn die breite Masse von lärmenden Touristen wird wohl kaum durch die App vom Berliner „Ballermann“ erfahren haben. Die Anzahl der Installationen der App bewegt sich auf Android-Systemen im niedrigen fünfstelligen Bereich.

(Foto: flickr, moe in berlin, (CC-BY-NC-SA 2.0))

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