Neuköllns Bürgermeisterin sagt, warum sie gegen das Silvester-Böllerverbot ist (Update)

Feuerwerk, Böller, Knaller, Müll, Silvester

Zu Silvester ist es Brauch, dass jeder selbst Feuer an die Lunte legen kann. Bürgerkriegsähnliche Klangkulisse in Berlins Innenstadt, Heckenschützen in Problemvierteln und Donnerknall auf der Straße – der Ausnahmezustand zu Neujahr scheint ein Grundrecht zu sein. Deshalb sind bislang alle Initiativen, die in Berlin privates Feuerwerk abschaffen wollten, kläglich gescheitert. Doch die Niederlande gehen voran: die Verwaltung von 56 Städten, darunter Amsterdam, Den Haag und Rotterdam, hat die private Böllerei jetzt verboten. Davon merkt man in Berlin nichts, hier machen die ersten vorläufigen Verkaufsstellen mit Riesenbannern Werbung. Doch auch in Deutschland gibt es wieder Initiativen, die unter dem Slogan „Stille Nacht“ gegen Silvesterlärm trommeln. Ihre Begründung: Feuerwerk sei Geldverschwendung, schlecht für die Umwelt und durch den Lärm vor allem gefährlich für Tiere. Auf der Online-Platform change.org kann man sich an einer Petition gegen den Silversterlärm beteiligen. Bisher werden noch über 2000 Unterschriften benötigt, damit die Petition an den Bundestag geschickt werden kann.

Ganz so allein sind die Organisatoren der Petition nicht: der RBB ließ seine Nutzer auf seiner Seite abstimmen. Immerhin 38% befürworten ein Verbot privater Böllerei. Doch die Berliner Politiker winken ab: Frank Zimmermann, SPD-Innenpolitiker, sagt im Tagesspiegel: „Im politischen Raum gibt es bei uns keine Überlegungen für ein ähnliches Verbot.“ Immerhin würden ja 98 Prozent der Bevölkerung vernünftig knallern. Wie auch die Gewerkschaft der Polizei möchte er allerdings die Kontrollen beim Verkauf von Feuerwerkskörpern verstärken und vor allem die berüchtigten „Polen-Böller“ aus den Läden räumen. Die vertrauten Silvesterszenen auf Berlins Straßen werden uns auch erhalten bleiben.

Update (30.12.2015): Dass die private Silvester-Böllerei in Berlin nicht abgeschafft werden sollte, begündet am 30.12.2015 Neuköllns Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) gegenüber dem RBB Inforadio damit, dass ein „Böllerverbot“ „rein praktisch“ nicht umgesetzt werden kann. Beleg: In Berlin-Neukölln kommen die zuständigen Behörden nicht mal bei der Kontrolle hinterher, ob die Läden für Feuerwerk nur zugelassene Böller verkaufen. Die vierzig Außendienstler vom Ordnungsamt Neukölln schaffen es nur die Hälfte der 90 Geschäfte zu kontrollieren, die zum Jahresende Feuerwerk anbieten, sagt sie im Interview. Für alle diejenigen, die die Knallerei zu Neujahr nicht mögen, hat sie deshalb eine Empfehlung: „…dann muss man halt nicht in diese Straßen und Stadtteile gehen, wo es so extrem ist.“

(mit Alexander Koenitz, Erstveröffentlichung 16.12.2015, Foto: Andreas LehnerCC-BY 2.0)

3 Kommentare zu „Neuköllns Bürgermeisterin sagt, warum sie gegen das Silvester-Böllerverbot ist (Update)

  1. Ich freue mich schon auf die Silvester“knallerei“,
    es gibt wunderschöne Raketen, mit denen man seine Wünsche in den Himmel schiessen kann. Die Niederländer tun mir Leid, die lassen sich wohl alles gefallen. Leute, wehr Euch, kauft Knaller !

  2. Leute, die immer andren alles verbieten wollen, sind meiner Meinung nach von Minderwertigkeitskomplexen und Selbsthass zerfressene Weltverbesserer. Die es in ihrem Leben zu nichts gebracht haben, somit versuchen Sie andren Leuten, das Leben mit dümmlichen Verbotsforderungen das Leben schwer zu machen um so eine gewisse Befriedigung in ihrem jämmerlichen Dasein zu bekommen.

  3. Gott wenn ich hier die Post lese kann ich mir nur an den Kopf fassen. Hier schreiben die typischen ich gebe 500- 700€ für Böller und Rakete aus Leute. Ganz ehrlich wenn ich mir vorstelle was manche Leute für den scheiss aus geben tut mir das in der Seele weh. Denn damit könnte man Obdachlosen essen , Kleidung oder Tieren im Tierheim Futter, Spielzug und schlaf Gelegenheiten kaufen. Das wäre auf jedenfall sinnvoller als das hirnlose geballer.

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