Märtini Brös: Früher war nicht mehr Lametta, aber gekotzt wurde zu Hause!

märtini brös 2002, promo

märtini brös 2015 by oliver borke, promo

1998 betraten die Märtini Brös die Bühne. DJ Clé und Mike Vamp verbanden deutschsprachige Gaga-Texte mit minimalen House-Rhythmen. Das schlug schon 10 Jahre vor „3 Tage wach“ ein. Nach mehreren Alben war es um die Veteranen etwas stiller geworden.  Doch jetzt wagen sie ein Comeback – kürzlich veröffentlichten sie die „Music, Nightlife, Exciting“-EP. Und die gemeinsamen Auftritte häufen sich wieder. Grund genug für BLN.FM mal kurz nachzufragen, wie die Märtini Brös die Entwicklung des Berliner Nachtlebens in den letzten Jahren so sehen.

Clé: Nach über 25 Jahren im Berliner Nachtleben reißt einen natürlich nicht mehr so viel vom Hocker. Aber es gibt auch noch tolle Orte und Clubs, in denen wir gerne spielen oder auch einfach mal selbst tanzen. Ich würde mir wünschen – auch wenn das jetzt spiessig klingt (oder „altersgemäß“ wie der eine oder andere formulieren würde), dass die Menschen, die ein tolles Clubwochenende haben, ein bisschen respektvoller mit der Stadt und ihren Bewohnern umgehen. Da ist noch viel Luft nach oben! Aber last but not least fordere ich mehr Mut von DJs bei der Auswahl ihrer Musik – wenn nicht hier, wo denn dann?

Mike Vamp: Mir gefällt es, dass eine Menge Clubs mittlerweile auch unter der Woche ihre Pforten geöffnet haben und dann etwas komplett anderes in ihren „heiligen elektronischen Hallen“ veranstalten. Das macht alles nicht mehr so strikt. Das war früher anders. Aber mir würde es auch gefallen, wenn die ganzen besoffenen Wochenendgäste wieder etwas respektvoller mit unserer Stadt umgehen würden. Ich will nicht am Montag ständig in Glasscherben treten und über stinkende Lachen Kotze laufen, nur weil wir es nicht schaffen den Flughafen fertig zu bekommen. Ich weiß, wir waren auch mal jung – aber gekotzt wurde zu Hause!

Mittlerweile wird in Berlin alles verkauft und jede Baugrube zu Geld gemacht, da gibt es nicht mehr viel Platz für Sub-Kultur. Nach wie vor wollen die Berliner aber immer noch lieber einen Club, der aus sich heraus wächst, als einen der hingepflanzt wurde – und in dem die 2cl Wodka in jedem Cocktail beim Ausschank abgemessen werden. Musik kann jeder DJ machen wie er will. Es ist wie beim Essen. Wenn es gut ist komm ich wieder, wenn nicht, geh ich woanders hin.

Gerade erschienen: Märtini Brös: „Music, Nightlife, Exciting EP“ / Save The Black Beauty

Party: An einem Sonntag nach Weihnachten mit Steve Bug und Märtini Brös, 27.12.2015, ipse

(Foto 2015: Oliver Borke, Promo)

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