Schwere Jungs als „Konfliktmanager“: Wer bewacht Berlins Türen?

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Registrierung der Flüchtlinge in Berlin, Lageso, Berlin, August 2015, sebaso (CC BY-SA 2.0)

Videokameras, Einzäunungen, Wachpersonal – in Berlin wird abgeriegelt. Doch nicht nur bei Clubs und exklusiven Veranstaltungen kommen eigene oder fremde private Sicherheitsdienste zum Einsatz, auch öffentliche Gebäude werden durch private Security-Firmen bewacht. Dass das Türpersonal von Techno-Clubs bei renitenten, betrunkenen Partygängern auch mal fester zupackt, ist gemeinhin akzeptiert. Doch das rabiate, brutale Vorgehen der privaten Sicherheitsfirma Spysec gegen wartende Flüchtlinge vor der Erstmeldestelle in Berlin-Moabit löste einen Skandal aus. Muskelmänner der Sicherheitsfirma traten mehrfach auf Flüchtlinge ein, die schon am Boden lagen. Auch zur Hilfe Eilende wurden angegriffen und ebenfalls verletzt. Die Situation eskalierte – die Polizei musste gerufen werden.

Berliner Politiker sahen sich im Handlungszwang. Das Sicherheitsunternehmen Spysec soll ausgewechselt werden, schreibt die Berliner Morgenpost Anfang der Woche. Im Senat werde über Zugangskontrollen und eine stärkere Videoüberwachung diskutiert, erfuhr der RBB.

Im Hintergrund läuft jedoch eine Diskussion, welche Qualifikation Mitarbeiter von privaten Wachschutzfirmen mitbringen sollen. Auch woher sich das Personal für Sicherheitsdienste rekrutiert, ist ein Thema. Tom Schreiber, Experte für innere Sicherheit in der SPD, hat schon häufiger die Verbindung von Sicherheitsfirmen und „organisierter Kriminalität“ thematisiert. 2014 kritisierte er bereits, dass „Rocker“ beim MyFest in Berlin-Kreuzberg die Musikbühne absicherten und hatte dabei auch Berliner Clubs im Blick, die ihr Türsteher-Personal teilweise aus dem „Milieu“ rekrutieren. Gegen diese Verbindungen gehe die Politik nicht entschieden genug vor, meint der SPD-Abgeordnete. Doch mit den Vorfällen um den Sicherheitsdienst an einer Landesbehörde wird das Problem um „private Sicherheitsunternehmen“ jetzt wichtiger genommen. Solche Firmen sollten künftig nicht nur zertifiziert sein, so Tom Schreiber gegenüber BLN.FM: „Es muss sichergestellt werden, dass deren Mitarbeiter weder direkt noch indirekt mit der organisierten Kriminalität verbunden sind.“

Ideen zur stärkeren Kontrolle des Sicherheitsgewerbes hat Tom Schreiber einige: Sicherheitsfirmen sollten unangekündigt kontrolliert werden. Mitarbeiter und „Bewachte“ müssen befragt werden. Wer dabei negativ auffällt, sollte ein Fall für das Landeskriminalamt werden. Schon während der Ausbildung und Zertifizierung sollten Bewerber, die durch Vorstrafen der Polizei bekannt sind, erkannt und beobachtet werden.

Die Berliner Piraten äußerten letzte Woche eine weitere Idee: Angestellte privater Sicherheitsfirmen sollen Namensschilder und personenbezogene Identifikationsnummern tragen – eine Regelung, die schon für Polizeibeamte gilt. Auch für Türsteher von Berghain und Watergate könnte es dann bedeuten, dass sie keine anonyme Autoritätsfigur mehr sind sondern serviceorientierten Empfangsmitarbeiter eines Unterhaltungsetablissements.

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(Video via Tagesspiegel)

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