Berghain-Kunst: Beton, Schweiß und Pisse

Berghain - Marc Brandenburg, Ausstellungsansicht: Kiosk (Detail, Ausstellung 10), Foto: Szu Szabó
Kiosk – Tattoomotive im Schwarzlicht von Marc Brandenburg, Foto: Szu Szabó

Wenn der Vorzeige-Technoclub der Republik ruft, dann kommen die Massen. Erst recht, wenn wirklich jeder rein durfte, der zahlt. Vor einem Jahr, im August 2014, öffnete das Berghain zum zehnten Geburtstag Teilbereiche und stellte Arbeiten von neun Künstlern und Künstlerinnen aus, die dem Club seit seiner Entstehung nahe stehen. Fotograf Sven Marquardt ist der berühmteste Türsteher der Welt – und ausgebildeter Fotograf, Marc Brandenburg verantwortete zahlreiche Cover von Veröffentlichungen auf Ostgut Ton, die fotografischen Arbeiten von Turner-Preisträger Wolfgang Tillmans – inspiriert vom Ostgut und Berghain – hängen in den Gallerien und Museen der Welt, und auch im Berghain. Naheliegend, dass der Club zu seinem Jubiläum die Wechselwirkung von Kunst und Musik hervorheben wollte.

Tattoos, Schwarzlicht, Schweiß, Pisse

In der staubigen Betonatmosphäre der Halle des Berghain stellten die Künstler Portraits von Nachtschwärmern in schwarz-weiß, Installationen aus Glas, Holz und Stoffbahnen oder abwaschbare Tattoovorlagen im Schwarzlicht-Look aus. Sie verstanden ihre Werke als „Reflexion von Ort und Institution“, schrieb das Berghain damals. Besonders deutlich wird das beim Werk „Tanzteppich“ von Norbert Bisky. Ursprünglich diente der Teppich als Tanzfläche für das Techno-Ballett „Masse“, das 2013 im Berghain aufgeführt wurde. Für „10“ hing der Teppich dann an einer Wand – ein Luftzug ließ ihn sich gleichmässig wie die namensgebende träge, tanzende Masse bewegen. Der tanzenden Masse und psychotropen Substanzen widmete sich auch Sarah Schönfeld, die im Berghain arbeitet – aber auf eine andere Weise. Für „10“ hat sie Schweiß und Urin von Berghain-Gästen in Leinentüchern und Gläsern gesammelt. Der Schweiß wurde mit einem Kontrastmittel sichtbar gemacht, der Urin in einem Glaskasten rot beleuchtet. Das erinnert an Leinentücher und Altaraufbau in der christlichen Liturgie und trifft es: für manche Menschen ist das Berghain ein sakraler Ort.

Ein Jahr nach der Ausstellung „10“ erscheint jetzt im Kunstverlag Hatje-Cantz das Buch: „Berghain. Kunst im Klub“. Auf etwa 200 Seiten gibt der Katalog mit 200 Abbildungen eine Übersicht über die ausgestellten Kunstwerke. Dazu liefern etablierte Pop-Journalisten wie Jens Balzer, Jan Kedves, und Thomas Meinecke Essays., ergänzt durch Interviews mit den ausstellenden Künstlern und Künstlerinnen. Das kostet stolze 37 Euro – ab Ende August bei den Buchhändlern. BLN.FM verlost ein Exemplar – wer mitmachen will schaue bitte unter die Bildstrecke.

Strukturfotografie von Friederike von Rauch
Staub-Struktur-Fotografie von Friederike von Rauch, die Fotos von ungenutzten Räumen des Berghains gemacht hat, Foto: Szu Szabó
Sven Marquardt, Marc Brandenburg, Sarah Schönfeld, Installationsansicht, Foto: Szu Szabó
Portraitfotos von Sven Marquardt während der Ausstellung „10“, im Hintergrund Marc Brandenburgs „Kiosk“, Foto: Szu Szabó
Tanzteppich von Norbert Bisky
Der „Tanzteppich“ von Norbert Bisky während der Ausstellung „10“, Foto: Szu Szabó
Installation mit Urin von Sarah Schönfeld
Rot illuminierter Urin im Glaskasten, als Teil der Installation von Sarah Schönfeld, Foto: Szu Szabó

Wir ver­lo­sen ein Exemplar von „Berghain – Kunst im Club“!

Kli­cke hier um an der Ver­lo­sung teil­zu­neh­men. Das Ver­lo­sungs­kenn­wort geben wir in unse­ren News­let­ter bekannt, der jede Woche donnerstags kommt.  Hier geht’s zur Anmeldung. Ein­sen­de­schluss ist Diens­tag der 1.9.2015, 12:00 Uhr.

(Alle Fotos aus: „Berghain“ – fotografiert von Szu Szabó , mit freundlicher Genehmigung vom Hatje Cantz Verlag)

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