Apple belebt das Mixtape wieder – und meldet’s gleich zum Patent

iPod vs. Walkman, Foto: Michael Herfort, flickr, (CC BY-SA 2.0)

Welchem Tonträger haftet das romantischste Image an? Der Schallplatte, weil sie so schön knistern kann? Schon nicht schlecht, aber nichts dürfte das selbst zusammengestellte Mixtape in Sachen Romatik schlagen.

Darauf sind auch Mitarbeiter bei Branchenprimus Apple gekommen. Nach Millionen verkauften iPods und anderen Gadgets zum Abspielen digitaler Musik, wurde den Entwicklern wohl klar, dass trotz der nahezu unendlichen Auswahl an Musik im hauseigenen iTunes-Store doch eine wichtige Sache fehlt: Romantik. Wenn Computer Daten im Hintergrund automatisiert hin und her schaufeln, dann stellt sich eben nicht das Gefühl des Besonderen ein, wenn man ein persönliches Mixtape geschenkt bekommt oder selbst verschenkt. Denn Mixtapes können versteckte Nachrichten an jemand ganz besonderen sein. In ihnen steckt Zeit und die Mühe, mit der die musikalischen Beiträge ausgewählt und eine Sortierung gewählt wurde, welche eine eigene Stimmungskurve nachfahren läßt. Die Liste der enthaltenen Tracks enthält geheime Botschaften und gleichzeitig können sich Sender und Empfänger toll fühlen. Der Zusammensteller kann sein Wissen demonstrieren, seine Cleverness und Hartnäckigkeit, gerade diesen Mitschnitt eines gewissen Songs draufzupacken, auf den er nächtelang in der Radiosendung seines Vertrauens gelauert hat, um schlaftrunken um richtigen Moment Aufnahme- und und „Play“-Taste gleichzeitig zu drücken. Und der Beschenkte ist geadelt, weil er gerade den besonderen, raren Lieblingstrack auf einem gewidmeten Mixtape bekommt. Was für ein Gefühl! Das Mixtape als ganz persönliche „DJ-Kicks“-Ausgabe von einem selbst erstellt. Fett.

Mixtape on the road, Foto: MacQ, flickr, (CC BY-NC-ND 2.0) Musik war mal ein Medium das Emotionen und versteckte Botschaften zu bestimmten Momenten transportieren konnte. Der Konsum auf Abruf – jederzeit und überall – hat das abgeschafft. Schafft es das digitale Mixtape die Renaissance von Musik als Medium zum persönlichen emotionalen Austausch?

Etwa 20 Jahre später ist von der Mixtape-Romantik wenig übrig geblieben. Musik-Austausch funktioniert vor allem online. Playlisten sind an deren Stelle gekommen. Sie sind nicht mehr auf 90 oder gar 60 Minuten begrenzt. Keine Gefahr von Bandsalat. Oder zunehmendem Rauschen. Und der Bleistift als unersetzliches Werkzeug zum energiesparenden Zurückspulen der Kassette hat auch ausgedient. Doch die digitale Welt ist kalt. Um dem Musikaustausch aber seinen persönlichen Charme zurückzugeben, hat Apple etwas ausgetüftelt. Oder besser geasgt: die Techniker haben eine bereits vorhandene Idee weitergesponnen. Leider auf konzerntypische Weise, die mehr an klinisch präzise Induktionserwärmung als an Lagerfeuerromantik erinnert: als Patentantrag.

Doch was ist eigentlich ein Mixtape im digitalen Zeitalter? Ist es mehr als eine Playlist? Gibt’s doch schon! Für ein Patent muss man schon ein bißchen mehr bieten. Also plant Apple sein digitales Mixtape mit einigen Features zu versehen, die es von einer gewöhnlichen Party-Playliste auf Youtube oder Spotify abhebt. Jeder kann ein Mixtape erstellen und bestimmen, dass Hörende nicht einfach vor- und zurückspulen können. Songtitel erscheinen nur dann, wenn der Song auch läuft. Und im Mixtape lassen sich eigene Bilder und Texte einbauen. Alles Eigenschaften, die puren Musik-Konsum verhindern, der auf Abruf funktioniert und Nutzende hin- und herspringen läßt, wenn der Drop ausbleibt. Die neue Bewegung heisst: „Bewusstes Hören!“ Vielleicht bekommen dann Mixtape-Hörer wieder das Gefühl beschenkt zu werden, und Macher empfinden wieder Euphorie, wenn sie bemerken, dass Hörende den geilen Übergang oder die eine, ganz besondere „Hör da mal genau hin!“-Stelle wahrgenommen hat. DJing like it’s 1999.

Bleibt abzuwarten, wie Apple das Patent umsetzt, um „digital natives“ die Segnungen und Zumutungen des personalisierten Mixtapes nahe zu bringen. Denn wann und wo der IT-Konzern die beschriebenen Funktion einbauen wird, ist noch unklar. Höchstwahrscheinlich ist es für den aufpolierten Service Apple Music gedacht, bei dem mehr Wert auf personalisiertes Kuratieren gelegt werden soll. Also fangt doch am besten schon mal an eure Songs zu diggen. Schließlich ist bald Weihnachten.

(via appleinsider.com / Fotos: Michael Herfort / flickr (CC BY-SA 2.0), MacQ / flickr (CC BY-NC-ND 2.0))

Kommentar verfassen