Zeit ist Geld! Ex-„Mr. Germany“ vertickt kostenlose Behörden-Termine

Berlin, Bankenkrach, Andrang bei der Sparkasse - Foto: Bundesarchiv, Bild 102-12023 / Georg Pahl / CC-BY-SA

Berliner Bürgerämter kann meist schon von weitem an den langen Schlangen erkennen, die sich vor ihren Eingang bilden. Neuanmeldung, Reisepass, Parkausweis – viele versuchen ihr Glück spontan. Denn es grenzt an ein Wunder kurzfristig ein Termin beim Amt zu bekommen. Wenn der nächste freie Termin eines Sachbearbeiters in 2 Monaten ist, wird das Einhalten gesetzlicher Fristen schwierig. Diese alltägliche Überlastung der Ämter löst Frust unter den Wartenden aus. Dass dieser Frust auch Basis für ein lukratives Geschäftsmodell ist, haben dieses Frühjahr bereits windige Schwarzmarkthändler gemerkt. Sie buchen Termine im Internet, um sie dann unter den Wartenden vor dem Bürgeramt für Geld zu verschachern.

Doch es geht professioneller: das Berliner Start-Up Bürgeramt Termine Berlin besorgt innerhalb von 5 Werktagen für 25 Euro einen Termin, für 45 Euro sogar innerhalb von 2 Tagen. „Mister Germany 2013“ Jörn Kamphuis hat zusammen mit zwei Freunden einen Algorithmus geschrieben, der die freien Termine bei Bürgerämtern ausspäht und bucht. Das Argument: kurzfristig werden Termine frei, welche ein Algorithmus schnell erkennt – und an Kunden meldet. Selbst der wachsamste Beobachter kann nicht so schnell sein! Wäre doch schade, wenn Sachbearbeiter des Bürgeramts wegen eines abgesagten Termins unverhofft eine Pause einlegen könnten.

Der Berliner Senat mag diese neue Dienstleistung nicht besonders. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass die Behörden das Geschäftsmodell der Gründer überprüfen. An dem eigentlichen Problem wird das aber nichts ändern: Berlins Bürgerämter sind überlaufen und schlecht ausgestattet mit Personal. Und so lange an Personal fehlt, um der stetig steigenden Nachfrage gerecht werden, wird es bestimmt nicht an Ideen fehlen, das überforderte System auszutricksen.

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(Foto: Bundesarchiv Bild 102-12023, Georg Pahl (CC BY-SA 3.0 DE))

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