Stadtbad Wedding: Nun müssen alle draussen bleiben

stattbad wedding by julian klücklich  (CC BY-NC-ND 2.0)

Seit Mitte Mai 2015 ist das Stattbad Wedding dicht. Grund: krasse Brandschutzmängel und Clubbetrieb trotz ausdrücklichem Verbot der Behörden. Die Schließung bezieht sich nicht nur auf den Club, sondern auf das ganze Stadtbad-Gebäude, in dem neben dem Club auch Ateliers, Projekträume und kleine Start-Ups beheimatet waren. Dass der Clubbetrieb nicht wieder aufgenommen wird, ist schon seit Mai klar. Doch nun stellt sich heraus: anders als zuerst zugesichert müssen sich nun auch die anderen Mieter des Gebäudes nach neuen Räumen umsehen.

Die Raumfahrtagentur vermietete Räume in dem Gebäude. Sie machte die Not der kleineren Projekte im Stadtbad diese Woche auf ihrer Seite öffentlich:

Aufgrund des jahrelangen, ungenehmigten gewerblichen Betriebs im Rahmen von Tanzveranstaltungen wurde den Betreibern des Stadtbad Wedding im Mai 2015 eine Nutzungsuntersagung für das Gebäude in der Gerichtstr. 65 ausgesprochen. Dass Tanzveranstaltungen in dem Gebäude nicht genehmigungsfähig sind, wurde schon in einer Baugenehmigung von 2012 schriftlich festgehalten, die Betreiber setzten sich jedoch über drei Jahre darüber hinweg. In der Konsequenz betrifft diese von der Eventfirma verursachte Schließung auch alle weiteren Mieter des Hauses. Hierunter befinden sich seit Jahren etablierte Büros, Ateliers und Werkstätten.

raumfahrtagentur im stadtbad wedding by mitch altman, 2011 (CC BY-SA 2.0)
Die Raumfahrtagentur im Stadtbad Wedding betrieb Hackerspaces und Werkstätten. (Foto: Mitch Altman, flickr, 2011 (CC BY-SA 2.0))

Die Eventveranstalter vom Stattbad Wedding zogen weiter und veranstalten nun an anderen Orten Partys – unter anderen in der Neuen Heimat. Andere Mieter des Komplexes wie Stattgarten, Hackerspace und das bootlab-Studio können nicht einfach umziehen, sie warten bislang vergeblich darauf ihre Büros und Ateliers wieder beziehen zu können.

Stadtbad-Eigentümer Arne Piepgras will nichts investieren

Denn Stadtbad-Eigentümer Arne Piepgras macht keine Anstalten, die Brandschutz– und Sicherheitsauflagen der Behörden umzusetzen. So lang er nicht wüsste, wie es weitergeht, wolle er nicht 600.000 Euro investieren (Summe aller ausstehenden Maßnahmen) sagte er im Tagesspiegel.  Dabei ist das gar nicht gefordert, damit zumindest ein Teil der Mieter wieder ihre Räume beziehen könnten. Das Bauamt schlug vor, dass Piepgras die Kellerräume versiegeln solle, in denen vormals die Stattbad-Partys stattfanden. Das geht aus Dokumenten des Bezirksparlaments Berlin-Mitte hervor, die BLN.FM vorliegen. Auf diese Weise könne eine weitere Nutzung für Clubs ausgeschlossen werden – die Auflagen zum Betrieb des Gebäudes wären billiger umzusetzen. Doch auch diese Versiegelung lehnt Arne Piepgras ab. Begründungen hierfür hat er bislang noch nicht geliefert. Bauamt-Chef Spallek sind nach eigenen Angaben die Hände gebunden. „Die Künstler wurden vom Eigentümer komplett verarscht.“ zitiert ihn die Berliner Woche.

So wird Verantwortung zwischen Eigentümer und Amt hin und her geschoben, ohne dass etwas passiert. Der fade Beigeschmack bleibt dabei: die Verursacher und diejenigen, die am meisten Geld mit diesem Standort verdient haben, sind fein raus. Mit der Eröffnung des Clubs in den Kellerräumen verstießen Arne Piepgras und die Stattbad-Macher ganz klar gegen die 2012 erteilte Baugenehmigung, welche einen Clubbetrieb in dem Gebäude ausdrücklich untersagte. Die anderen Mitmieter des Komplexes sind nun diejenigen, deren Existenz auf dem Spiel steht. Von den Stattbad-Betreibern um Jochen Küpper gab es bislang öffentlich noch kein Wort der Solidarität. Sie planen unterdessen Anfang August ein Open Air auf dem Gelände der Neuen Heimat auf dem RAW.

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(Foto: Stattbad Wedding, SPNR, (CC BY 2.0) / Julian Kücklich, flickr (CC BY-NC-ND 2.0))

 

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