Funkhaus Nalepastraße: „Coole“ Kultur rein, „uncoole“ Zwischennutzer raus (Update)

Funkhaus Nalepastraße, foto: Andreas Steinhoff

Seit Frühjahr 2015 müssen sich zahlreiche Künstler und Tonstudios in der Nalepastrasse, dem ehemaligen Gebäudekomplex des DDR-Rundfunks, auf die Pläne eines neuen Investors einstellen, berichte RBB. Doch noch ist nicht klar, was der neue Gelände-Eigentümer, Kulturunternehmer Uwe Fabich (Postbahnhof) detailliert plant. Vor allem Künstler, die derzeit in der Nalepastrasse arbeiten, blicken einer unsicheren Zukunft entgegen.

2005 wurde das ehemalige Funkhaus des DDR-Rundfunks in der Nalepastraße in Oberschöneweide noch für einen Spottpreis von 350.000 Euro an einen Investor verscherbelt, gegen den später wegen Betrugs ermittelt wurde. Danach wurde das Grundstück weiterverkauft, zu immer höheren Preisen. In der Zwischenzeit haben sich auf dem Areal zahlreiche Mieter niedergelassen: im Sendesaal finden gelegentlich Konzerte statt, in den Tonstudios werden Hörspiele und Klassikalben produziert und im Hauptgebäude haben mehr als 150 Künstler ihre Ateliers. Renoviert wurde notdürftig, einige Gebäudeteile befinden sich in einem baufälligen Zustand. Knapp 12 Millionen blätterte Investor Uwe Fabich Anfang 2015 für das ehemalige Gebäude des DDR-Rundfunks hin. Das soll nach dem Willen der Stadt ein „Sondergebiet für Kultur und Kreativwirtschaft“ bleiben. Doch zu strenge Vorgaben werden nicht gemacht, hat der RBB erfahren.

Uwe Fabich, der den Postbahnhof mit einer Mischung aus Diskothek, Events, Messen und Konzerten bewirtschaftet, will auch in der Nalepastrasse Events veranstalten und mehr Musik spielen lassen. Zwei bis drei neue Restaurants sollen so bald wie möglich am Ufer aufmachen, mit einem Boot-Shuttle sollen Nachtschwärmer und Kunsttouristen bequem auf das etwas abgelegene Gelände nach Oberschöneweide gebracht werden. Kunst soll es in einer 24-Stunden-Galerie geben, die kleinen Ateliers sollen weg. Stattdessen favorisiert der neue Besitzer Ateliergemeinschaften. Bei den ansässigen Künstlern wächst deswegen die Befürchtung, dass sie bald gehen dürfen, weil sie nicht mehr cool und solvent genug sind. Die Autoschrauber-Buden auf dem Gelände haben ihre Kündigung jedenfalls schon erhalten.

Update (06.07.2015):

In einem Interview mit der Berliner Zeitung hat Uwe Fabich nun weitere Details von seinen Plänen für das Funkhaus verraten. Nichts geringeres als „eines der größten Musikzentren der Welt“ will Fabich dort aus dem Boden stampfen! Das Funkhaus soll zu einer „Event-Location“ für Ausstellungen, Messen und Konzerte werden. Darüber hinaus gäbe es bereits Verhandlungen mit der New York University und der Berliner Software-Instrumenten-Schmiede Native Instruments. Die Künstler will Fabich weiter als Mieter haben, sagt er. Andere hingegen, wie ein Möbellager, passen nicht in sein Konzept und müssen das Gelände verlassen.

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(Foto: Andreas Steinhoff)

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