After Hour: Detoxen mit Yoga und Tara Stiles im Selbstversuch

Foto: Tara Stiles aus ‚Dein Yoga, dein Leben‘, S. 154

Dank Yoga fand Topmodel Gisele Bündchen nach der Schwangerschaft schnell wieder zur Figur eines Victoria’s Secret-Models zurück. Pop-Oma Madonna ist längst bekennender Yogi und selbst Basketballstar Dirk Nowitzki hält seinen Körper mit den Übungen flexibel. Tara Stiles, ehemaliges Model und für Vanity Fair die coolste Yoga-Lehrerin aller Zeiten, will mit einer Anleitung namens „Dein Yoga, dein Leben“ allen einen schnellen und einfachen Einstieg ins gesunde Leben ermöglichen. Ich habe für euch die Verrenkungen getestet und Taras Speiseplan auf Alltagstauglichkeit überprüft. Welche Wirkung hat Meditation auf den latent gestressten Großstadtgeist?

Für Ambitionierte bietet Tara Stiles einen „30-Tage-Transformationsplan“. Doch die Freibadesaison steht vor der Tür und ich habe keine Lust einen Monat auf meinen Beachbody zu warten. Glücklicherweise gibt’s auch ein „Sieben-Tage-Schnellstart-Programm“. Mal abgesehen von der Strandfigur soll die Kombination aus Yoga, gesundem Essen und Meditation perfekt dazu geeignet zu sein, dem Körper eine Auszeit vom exzessiven Berliner Lebensstil zu gönnen. Kann man innerhalb von sieben Tagen die Spätfolgen eines Wochenendes im „Berghain“ oder beim „Fusion“-Festival unsichtbar machen? Ich habe es getestet!

Tag 1: Frisches Obst statt Kaffee und Kippe

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Statt mit Kaffee und Kippe beginnt der Tag ab jetzt mit frischem Obst

Ab jetzt starte ich jeden Morgen mit einer kurzen Morgenmeditation in den Tag und danach gibt’s Frühstück. Gesundes Frühstück – so etwas besteht zum größten Teil aus Körnern und Früchten. Schmeckt viel besser als es aussieht. Meine Morgenroutine bringt das erstmal ganz gut durcheinander, denn unter’m Strich dauert es eine halbe Stunde länger, das Frühstück zuzubereiten und in Ruhe zu essen. Ergebnis: Am Ende bin ich gestresst statt entspannt.

Tag 2: Der alltägliche Test der inneren Einstellung

Tara sagt, ich soll lernen zu lieben, aber sie kennt auch den Busfahrer der M29 nicht, der jeden Morgen zu spät kommt. Es ist nicht immer leicht seinen Nächsten zu lieben, wenn man die öffentlichen Verkehrsmittel nutzt. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass die morgendliche Meditationsroutine meiner Stimmung generell gut tut. Vermutlich gibt mir das Programm sogar mehr Gelassenheit, um den öffentlichen Nahverkehr Berlins mit Engelsgeduld zu meistern.

Tag 3: Entdecke die Liebe zur Küchenarbeit!

Die Morgenroutine läuft mittlerweile. Nicht gut, aber sie läuft. Die Yogaübungen scheinen mir für die nächsten Tage das kleinste Problem; wirklich herausfordernd ist der Speiseplan. Tara sagt, ich soll in die Küche gehen um richtig leckere Gerichte zuzubereiten. Das stellt mich gleich vor drei Herausforderungen: In meiner Küche findet man nur selten wirklich nahrhafte Sachen. Ich hasse kochen und dementsprechend ist das, was ich koche, selten lecker.

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Spinat nennt Tara ‚grüne Liebe‘. Er gehört ab jetzt zur Grundausstattung meiner Küche

Tag 4: Ich höre ganz tief in mich rein – und dort grummelt mein Magen.

Tara sagt, ich soll in Kontakt mit mir selbst treten. Ich soll mich dafür in regelmäßigen Abständen immer wieder fragen, wie ich mich fühle. Tara, darf ich ganz ehrlich sein? Das mit dem Essen macht mich fertig! Ich bin gut im Essen bestellen, ich wurde nicht geschaffen um welches zu kochen. Und vor dem Kochen muss ich es ja auch noch einkaufen. Ich bin so genervt, ich brauche erstmal eine Yoga-Einheit zum runterkommen!

Tag 5: Bewegungstest am Mitbewohner

Das Yoga-Workout fordert mich nicht wirklich.  Ich habe aber auch eine jahrelange Yoga-Praxis. Aber ich bin mir nicht so sicher, wie gut jemand die Übungen ausführen würde, der sie noch nie zuvor von einem Lehrer gezeigt bekommen hat. Um das zu überzuprüfen, habe ich meinen Mitbewohner gebeten, einige Übungen für mich auszuführen. Das war lustig, aber nicht lässig. Auch andere Yoga-Einsteiger werden eine Weile brauchen, bis sie die Anleitungen flüssig ausführen können.

Tag 6: Hallo, ich bin da! Nicht nur mein Körper!

Morgenmeditation. Frühstück. Yoga. Mittagsessen: Snack. Yoga. Abendessen mit Dessert. Abendmeditation. So langsam bekomme ich den Dreh raus. Nachdem ich mich an die ganze Umstellung gewöhnt habe, muss ich sagen: Ich fühle mich gut. Sogar sehr gut! Morgens falle nicht mehr nicht mehr im Halbschlaf aus dem Bett ins Bad und in die Bahn. Der Tag beginnt nicht mehr wie ferngesteuert. Ich bin nicht nur körperlich anwesend, sondern auch mental da. Alltagsroutine sorgte zuvor dafür, dass meine Gedanken überall anders waren, nur nicht an dem Ort, an dem sich auch mein Körper befand. Hinterher fragte ich mich: „Habe ich die Haustüre abgeschlossen? Ist die Herdplatte aus?“. Dank der täglichen Körperübung und Medition verbesserte sich meine Aufmerksamkeit merklich. Ja, die Haustür ist zu. Und das Bügeleisen ist aus.

Tag 7: Klappt wie am Schnürchen!

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Jetzt läuft es bei mir! Und das richtig großartig. Ich bin sogar motiviert gleich morgen in den „Dreißig-Tage-Transformationsplan“ überzugehen. Ich fühle mich körperlich fit. Und mittlerweile habe ich mich an den Anblick von gefülltem Kühlschrank und Obstschale gewöhnt. Dass die kurzen Meditationseinheiten mit maximal 10 Minuten täglich schon innerhalb einer Woche zu mehr Ausgeglichenheit verhelfen, klingt komisch – ist aber wahr.

Wer das Programm austesten möchte, der sollte sich allerdings auf einen zusätzlichen Zeitaufwand und eine kleine Vorbereitungsphase einstellen. Gesunde Lebensmittel wollen eingekauft und zubereitet werden. Wer bisher nicht täglich Sport getrieben hat, der sollte für die Übungen und die Meditationseinheiten ebenfalls noch eine zusätzliche Stunde am Tag kalkulieren.

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Tara Stiles: „Dein Yoga, dein Leben – Übungen, Meditationen, Rezepte“, 304 Seiten, Droemer-Knaur

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