Apple Music: Download und Kostenlos-Musik ist tot. Wir streamen jetzt im Abo!

Apple Store - Flickr:  new-york-city (CC BY-NC-ND 2.0)

Es gab Zeiten, da versprach Apple ein neues Wunderding, das die gesamte Branche revolutionieren würde. Und das tat es dann auch. Das alte Versprechen gab es auch am 8. Juni auf der Entwicklermesse WWDC wieder zu hören. Dort stellte der Branchenriese seinen neuen Streaming Service Apple Music vor, mit dem man der Konkurrenz von Spotify und YouTube das Fürchten lehren will. Doch diese jüngste „Revolution“ wird wohl technisch gesehen eher ein Sturm in Wasserglas bleiben. Doch nicht falsch verstehen: Apple Music könnte dennoch ein kommerzieller Erfolg werden – aber nicht aufgrund des „innovativen“ Inhalts, sondern allein aus purer Marktmacht Apples heraus.

Mit 800 Millionen iTunes-Konten, viele davon inklusive hinterlegter Kreditkarten-Daten, hat Apple bereits genug potentielle Kunden an der Leine. Trotz kräftig en Zuwachs kann Spotify mit seinen 75 Millionen mühsam erarbeiteten Nutzern nicht gegen diese Zahl anstinken. Zudem hat die Konkurrenz auch keine Multi-Milliarden Dollar schwere Gelddruckmaschine hinter sich, welche die Verluste abdecken kann, die in der Anfangsphase anfallen: Apple hat mit dem Verkauf von Hardware genug Geld gebunkert, während Spotify Verluste mit dem gepumpten Geld von Venture-Kapitalisten macht. Und allein der Name Apple hat bereits genug Gewicht, ordentlich Kundschaft anzuziehen und manche Mainstream-Medien wegen einer Produktankündigung aufjuchzen zu lassen.

Apple: die globale PR-Maschine läuft dank Fans auch mit wenig Subsatnz

Sein Image wird Apple auch brauchen. Denn zumindest mit dem, was auf der WWDC über Apple Music inhaltlich bekannt gegeben wurde, dürfte der Konzern maximal seine obsessivsten Fanboys überzeugen. Zugang zu 30 Millionen Songs für einen Preis von 9,99€ kriegt man als Einzelnutzer bei der Konkurrenz auch, einzig der Familienrabatt ist ein attraktives Angebot. Kuratierte Playlisten von Künstlern gibts bei Spotify ebenfalls – nur scheint man das dort nicht für ein Feature zu halten, das besonderer Erwähnung bedarf. Ein 24-Stunden-Radiosender, der dem legendären Trendsetter BBC Radio One Konkurrenz machen soll, ist schmuckes Beiwerk – aber wohl kaum die versprochene Revolution.

Einzig das angekündigte Künstler-Netzwerk Connect ist eine gute Idee, wenn auch seit Myspace nichts wirklich Neues: in einer Art integriertem Miniblog-System ähnlich Tumblr können Musiker mit ihren Fans kommunizieren und mit Statusmeldungen, Bilder und Videos ihre Fans erreichen. Ein potentiell guter Marketing-Kanal für Künstler – wenn die Idee dann auch praktisch funktioniert und alle das System annehmen. Immerhin ist Apple vor einigen Jahren mit dem ähnlich gelagerten iTunes-Angebot Ping schon einmal auf die Schnauze gefallen.

Kostenlos-Streaming wird Restefressen

Revolutionär ist Apple Music aber in anderer Hinsicht. Apple verzichtet nämlich ebenso wie die mit viel prominentem Brimborium gestarteter High End-Konkurrenz Tidal auf ein „Freemium“-Angebot – eine werbefinanzierte Gratis-Version seines Services. Ob diese Entscheidung nach mutmaßlich illegalen Absprachen mit den drei Majorlabels Universal, Warner und Sony zu Stande kam, interessiert gerade die Justiz der US-Bundesstaaten New York und Connecticut.

Aber ob gemauschelt oder nicht: die „Freemium“-Tarife der Streaming-Dienste sind der Musikindustrie und vielen Künstlern wie Thom Yorke und Portishead ein Dorn im Auge. Am Ende kommt bei werbeabhängigen Diensten zu wenige Geld für die Kreative raus, kritisieren sie. Versuche von Spotify die Gratis-Kundschaft ihn zahlende Abonnenten zu verwandeln, sind mühselig: der Anteil der zahlenden Nutzer bleibt seit Jahren bei einem Viertel aller Nutzenden. Strategien sind gefragt, wie man Kostenlosnutzer locken kann. Das führt zur Tendenz, dass bestimmte sehr nachgefragte Interpreten oder Alben wohl bald nur noch exklusiv auf bestimmten Plattformen verfügbar sind. Am Ende steht ein Flickenteppich an verfügbaren Veröffentlichungen, ähnlich wie es bereits jetzt bei Filmen und Fernsehserien ist, von denen manche bei Netflix, andere nur bei Sky verfügbar sind. So dürfte Apple Music, wenn schon nicht technisch revolutionär, dann doch dank Apples Marktmacht prophetisch sein: Für das volle Streaming-Bankett der Zukunft muss bezahlt werden, gratis gibt es nur noch Restefressen.

(Foto: Apple Store, new-york-city (CC BY-NC-ND 2.0

Kommentar verfassen