„Berlin Festival 2015“ – Digital ist schlechter (Update!)

Berlin Festival 2015 Bären

Man sagt ja immer so schön: “Technik, die begeistert”. Wenn, dann kam der Werbeslogan beim „Berlin Festival“ 2015 Besuchern und Mitarbeitern nur sarkastisch über die Lippen. Mit einem ausgeklügelten Armband-Chip-System wollten die Veranstalter das Bargeld an den Bars abschaffen. Doch das bargeldlose Bezahlsystem hat seine Tücken: zahlreiche Frustrationserlebnisse im Arena-Park sorgten dafür, dass stattdessen der Slogan „Fuck the System“ häufig fiel.

Wer 2015 ein Getränk erwerben wollte, musste sich erstmal anstellen in einer ewig langen Schlange vor Aufladestationen, an denen Geldbeträge auf den Armband-Chip transferiert werden. Nach der Aufladung der Chipkarte dauerte es dann manchmal bis zu 30 Minuten bis Bezahlung möglich war – bis dahin mussten Musikfans auf dem Trockenen sitzen. Schlange stehen statt Musikgenuss. Kurz vor Ende des Festivals in der Nacht zum Montag dann die Superpanne: Dank eines Systemfehlers konnte der Pfand, den Besucher mühevoll in Form von Pfandmarke und dazugehörigen Becher sammelten für fast eine Stunde lang nicht zurückgegeben werden. Eine fehleranfällige Lösung, deren Ausfall dazu geeignet ist, dass Besuchende das Festival vor allem als Ärgernis in Erinnerung bleiben wird.

Aber nicht nur für Festivalbesucher brachte die Einführung des „Hightech“-Systems eine Erfahrung der ganz neuen Art. Wenn die elektronischen Kassen nicht gerade vorübergehend ausgefallen waren, übernahmen sie zwar das Rechnen fürs Personal, jedoch sorgten sie vor allem für eins: minimales bis überhaupt kein Trinkgeld. Denn die elektronischen Kassen kennen keine „Trinkgeld“-Funktion. Und Konsumenten hatte in der Regel ihr Bargeld komplett auf den Chip geladen.

Berlin Festival 2015 Lichter

Das „Berlin Festival“ war somit 2015 eigentlich wie in den Vorjahren. Im Vorfeld gab’s große Töne in Stadtmagazinen. Auch das angekündigte Programm war respektabel – doch die Umsetzung hektisch und pannenreich. Es ist sowieso fraglich, ob es im Arena-Park hauptsächlich um Musik geht – oder ob sich das Gelände von Jahr zu Jahr mehr in einen Street Food-Markt mit Musikprogramm verwandelt. Festival-Besucher möchten anscheinend mehr haben als interessante Auftritte: es soll Konfetti regnen und man möchte sich vor hübscher, postindustrieller Kulisse Blumenkränze binden und auf Instagram posten.

Update (04.06.2015):

BLN.FM wollte wissen, warum das System auf dem Berlin Festival eingeführt wurde und ob sich dieses in Zukunft durchsetzen wird. Antworten gab uns Tommy Nick von der zuständigen Presseagentur gemeinsame-sache.net„:

„Weil das die Zukunft der Festivallandschaft ist und sein wird. Zum anderen, weil das Ganze nur Vorteile hat, sobald sich alle Beteiligten ‚daran gewöhnt haben‘: Schnellere Abwicklung (weile keine Geldsucherei, -zählerei etc.) für Festivalbesucher und Personal (Bar, Food-Stände etc.), Kontrolle über die Ausgaben (man kann seinen ‚Ist-Zustand‘ jederzeit abrufen) und ganz einfach service- und kundenfreundlicher, weil praktikabel. Das ganze ist auf vielen Events weltweit seit vielen Jahren erfolgreich eingeführt, nicht nur auf Festivals und besteht kein Zweifel daran, dass in diesem Jahr und im kommenden Jahr nach und nach immer mehr Events auf cashless umstellen werden.“

(Fotos: Berliner Bären von Laura Titze, Lichterpfad von Amélie Heldt)

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