Tresor-Gründer Dimitri Hegemann: Melancholisch in der „Dauerkrise“

Dimitri Hegemann - by tomla, wikipedia

Tresor-Gründer und „Atonal“-Initiator Dimitri Hegemann ist gerade verreist. Nach Detroit. Dort teilt er auf der „Detroit-Berlin“-Konferenz seine Erfahrungen, die er in mehr als 30 Jahren Berliner Nachtleben gesammelt hat, und schiebt die Eröffnung eines Technoclubs in der Fisher Body 21 Plant an. Vielleicht können ja Clubs mit Kulturanspruch auch für Detroit der Startfunke für einen neuen Kreativboom sein?

Der Tresor hatte nicht nur durch die Bookings und das Label viel mit der Detroiter Szene zu tun. Auch was die wirtschaftliche Situation anbelangt, hat Berlins Traditionsclub wohl einiges mit Detroit gemein. So legte Dimitri in einem frischen Interview mit dem Tagesspiegel Zahlen aus den Bilanzbüchern des Tresor offen und resümierte: „Wir sind in der Dauerkrise. Dieses Auf und Ab kenne ich seit Jahren.“ Details gefällig?“Wir haben einen Pro-Kopf-Umsatz um die zehn Euro, am Wochenende kommen 700 zahlende Gäste, 150 stehen noch mal auf der Gästeliste.“ Nachgerechnet macht das pro Wochenende für den Riesenclub Tresor einen Umsatz von gerademal 20.000 Euro, jährlich spült das etwas mehr als eine Million Euro in die Kasse. Nach Abzug Miete, Gehälter für 60 Beschäftigte, Gagen und Investitionen blieb Ende 2013 ein Überschuss von gerademal 9000 Euro. Viel ist das nicht für einen so großen Laden wie den Tresor.

Melancholisch betrachtet Dimitri Hegemann die Ballermannisierung des Berliner Nachtlebens: „Mich stört es, dass die Leute (in Kreuzbergs Strassen) alle mit Getränken herumlaufen.“ Er gehe mittlerweile selten aus. „Es gab (1991, d. R.) drei Clubs, die eine ähnliche Spielstätte hatten, heute blicke ich da nicht mehr durch und kenne die auch nicht alle.“ Auch schwinde 25 Jahre nach dem Mauerfall die Einzigartigkeit von West-Berlin, die ihn vor mehr als 30 Jahren in die Stadt gelockt hat.

Dennoch bleibt der Dimitri Hegemann sich selbst als Techno-Visionär treu: „Das wäre toll, hier eine Art Harvard für Subkultur zu etablieren: Wie mache ich aus einer Mülltonne ein Unternehmen?“ Am liebsten will er zehn junge Menschen, „die zwischen Aussteiger und Dorftrottel wandeln“ – so wie er in seinen jungen Jahren – hinter sich herlaufen lassen. Denen erzählt er dann wie er den Tresor aufgebaut hat – und angehende Kulturmanager könnten sich selbst ausprobieren.

Das gesamte lesenswerte Interview mit Anekdoten aus Dimitri Hegemanns Biographie und der Tresor-Vorgeschichte lest ihr beim Tagesspiegel.

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(Foto:  tomla, wikipedia)

 

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