Stattbad Wedding – „Underground“-Kultur ohne Brandschutz, aber mit Billigmiete

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Schock für die Feierfreunde: Alle Partys im Stattbad Wedding sind bis auf weiteres abgesagt, denn das Bezirksamt Berlin-Mitte hat das Gebäude komplett für die Öffentlichkeit gesperrt. Grund: gravierende Brandschutzmängel. In den teilweise unterirdischen und verwinkelten Räumen fehlen Feuermelder, es existiert keine direkte Leitung zur Feuerwehr, Notstrom funktionierte nicht. Die Bauaufsicht erteilte 2012 dem Stattbad die Genehmigung für Kunstveranstaltungen. Dazu gehörten nicht regelmässig stattfindende Partys – der „Diskothekenbetrieb“ (Behördendeutsch) ist an strengere Auflagen gekoppelt.

Die Stattbad-Clubbetreiber kommunizieren derzeit nur per Facebook mit ihren Fans, Medien gegenüber geben sie keine Auskünfte. Dort schreiben sie von einer „Attacke“ durch die anonyme Anzeige, welche die Überprüfung des Stattbades ins Rollen brachte.

Dafür äußerte sich der Eigentümer des Stattbads Arne Piepgras in der Berliner Zeitung. „Bis Ende 2016 sorgen wir dafür, dass die Mängel wie gewünscht beseitigt werden.“ verspricht er. Bis dahin wird es keinen Clubbetrieb in dem ehemaligen Schwimmbad geben können. Das Erdgeschoss soll aber schon wieder vorher für Ausstellungen zur Verfügung stehen, hofft er. So lange will die Open Walls-Galerie nicht warten. Sie zieht um und eröffnet am 6. Juni in der Schröderstrasse 6 in Berlin-Mitte. Der Boiler Room aus dem Keller zieht in den Arena Club um, die „Stattnacht“-Partys finden im Birgit & Bier statt.

Die Miete für die als Club genutzten Räume im Stattbad betrug 500 Euro monatlich, sagt Eigentümer Arne Piepgras. Der Stattbad-Besitzer steht auch hinter dem Kauf des Dragoner-Areals mit dem Club Gretchen für 36 Millionen Euro, über welchen der Bundesreat endgültig im Juni 2015 entscheidet.

Bleibt die Frage: Warum trafen weder er noch die Stattbad-Betreiber erforderliche Investitionen, dass keine Personen zu Schaden kommen, wenn es im Stattbad-Keller zu einem Unglück kommt? Schließt die Ermöglichung von „Underground“-Kultur die fahrlässige Inkaufnahme von Risiken für Besucher ein?

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(Foto: Stattbad Wedding, 2009, by spnr / flickr / (CC BY 2.0))

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