Techno-Museum MOMEM: Großer Hype, kleines Museum

Foto: Atelier Markgraph

Es gab Zeiten, da war in Frankfurt am Main richtig was los. Sven Väth lud jede Woche zur Party ins Omen, eine Anzahl Produzenten wie Mark Spoon und die Snap-Crew aus dem Großraum Frankfurt veröffentlichten Woche für Woche neue Platten zwischen Chart-„Kommerz“ und Underground. In der Nähe des größten Flughafens Deutschlands saßen wichtige Plattenlabel wie Klang und Playhouse sowie Vertriebe, welche die Schallplatten in die Welt hinaus schickten.

Diese Zeiten sind schon ein bisschen her. Es gibt aber genug Frankfurter, die sich wehmütig an die Tage zurück erinnern, als ihre Heimatstadt und Berlin noch im Wettbewerb um die Techno-Hauptstadt Deutschlands standen. An diese musikalisch glanzvolle Epoche will nun ein Museum erinnern: das „MOMEN – Museum Of Modern Electronic Music“. Initiator ist Trance-Produzent Talla 2XLC, der seit Anfang der 1980er regelmäßig Partys im Dorian Gray bespielte.

Was zuerst dank beabsichtigter Namensähnlichkeit mit dem MOMA riesige Erwartungen weckt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine Nummer kleiner. 2017 soll das Museum die Räume des jetzigen Kindermuseums beziehen. Die Stadt kommt für die Miete auf, die anderen Kosten soll ein Trägerverein übernehmen. Ausgestellt wird in einem einzigen großen Raum. Dort sollen klangerzeugende Geräte gezeigt werden, die Fans selbst ausprobieren können. Außerdem sollen historische Devotionalien der Techno-Kultur, Design und Mode sowie Visuals zu sehen sein. Abends und nachts sollen Partys veranstaltet werden.

http://www.momem.org/konzept.html
Der Aufbau des MOMEM: alles über Techno in einem (recht großen) Raum.

Und Berlin? Hier gab es anlässlich des Mauerfall-Jubiläums 2014 schon im Neu West Berlin eine Ausstellung zur Geschichte der Techno-Szene. Ein ständiges Museum, das Stadt und Szene nach dem Mauerfall darstellt, gibt es hingegen noch nicht. Eine Anlaufstelle ist das Archiv für Jugendkulturen, das Flyer, Dokumente und anderes sammelt und aufbewahrt. Fotos wilder Berliner Partys von damals hält zeitmaschine.org für euch bereit. Aber vielleicht machen es die Frankfurter vor: Es wird langsam Zeit die ganzen, verstreuten Erinnerungen zu sammeln, begehbar und erlebbar zu präsentieren.

So sieht das Kindermuseum in Frankfurt/Main aus. – Die Farben passen schon mal; für den Rest braucht es Fantasie!

fassade

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(Entwürfe MOMEM: Atelier Markgraph / Fotos kinder museum frankfurt von Uwe Dettmar / mit Alexander Koenitz)

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