Bald dicht: West-Berlin in Ostberlin

NeuWestBerlin, Berlin, April 2015 - von Jens Hohmann

WMF, Tresor, Berghain, Cookies – man muss mindestens einmal umziehen, um in Berlin zur Club-Legende zu werden. Das steht dem Neu West Berlin noch bevor. Den Club gibt es schon mit Unterbrechungen seit 2006, als Zwischennutzer irgendwo in Berlins Mitte. „Pop Up“-Club heißt sowas heutzutage im PR-Englisch. Zuerst befand er sich in der Chausseestraße direkt gegenüber dem Stück Land, wo jetzt die Festung des Geheimdienstes BND steht, dann zog die Crew in die Köpenicker Straße neben dem Tresor. Im Juni 2015 wird erneut zusammengepackt und umgezogen. Auf dem jetzigen Gelände sollen dann Eigentumswohnungen gebaut werden.

Jan, Mattias und Patrice sind die Menschen hinter dem NeuWestBerlin und arbeiteten als Bühnenbildner in Opernhäusern. Vom Musiktheater bringen sie auch die Idee mit, ein Gesamtkunstwerk bieten zu wollen, das unterschiedliche Künste miteinander verbindet. In den Räumen hängen großformatige, bemalte Leinwände und auf dem Hof befindet sich ein Halbrund mit Sitzgelegenheiten, in dem Artisten turnen und Autoren lesen. Auf der Freifläche installierten das NeuWestBerlin rund 30 Mauerstelen und einen alte Wachturm, der ursprünglich auf dem Potsdamer Platz stand. In den letzten Jahren kauften sie dafür weltweit Mauerstücke auf, um sie zurück nach Berlin zu bringen.

NeuWestBerlin, Berlin, April 2015 - von Jens Hohmann

Neben dem Tresor wabert der Geist der Insel „West-Berlin“ – aber nicht mehr lange!

NeuWestBerlin will den Geist der Insel West-Berlin aufgreifen. Eingemauert und „beschützt“ gab es vor 1989 in der Stadt Plätze, wo sich Nischenkultur entwickeln konnte. Die Macher wollen, dass das „neue Berlin seine Möglichkeiten auch nutzt“. Damit meinen sie auch die Kultur, die damals in der fast vergessenen, subventionierten Stadt in Hinterhöfen entstehen konnte. Das ganze geht ohne elitäre Türpolitik und zusammen mit Anwohnern, welche die NeuWestBerlin-Macher regelmäßig zu ihren Veranstaltungen einladen. An manchen Wochenenden schauen so bis zu 3000 Menschen vorbei. Beim Programm setzt man auch auf unkonventionell: neben Partys, die das Berliner Szene-Urgestein Mijk van Dijk kuratiert, gibt es auch Veranstaltungen, die komplett auf GEMA-freie Musik bauen.

Geld bekommt die Gegenkultur-Insel nicht durch den Berliner Senat, sondern durch Vermietungen des Geländes für Veranstaltungen. Außerdem befinden sich Ateliers und Studios auf dem ehemaligen Stasi-Areal, die Miete zahlen. Im Juni ist Schluss – danach wird das Gelände zubetoniert. Wer also das chaotische Stück Kultur an dieser Stelle noch erleben will, muss sich ranhalten. Doch die Macher versprechen: die Zeitblase NeuWestBerlin wird wieder auftauchen – wenn alles gut geht wieder irgendwo in Berlin-Mitte.

New West Berlin, Köpenicker Strasse 55, Berlin-Mitte, U-Bahn: Heinrich-Heine-Strasse

Programm

24.04.2015 –  All Together Now – mit Jens Hohmann, baze.djunkiii, Viviene Refune, Önder, Mel Anja, Myles Serge, Lenny Posso, Owen Howells and Ryba
30.04.2015 –  Grüner –  Koromoto, Daliyama, lamb ent, Santiago Lecce. Federico Farina
2.05.2015 – DJ Hell
22.-23.05.2015 –  „Zerstört“-Festival mit Installationen und Performanes

NeuWestBerlin, Berlin, April 2015 - von Jens Hohmann

NeuWestBerlin, Berlin, April 2015 - von Jens Hohmann

 

 

NeuWestBerlin, Berlin, April 2015 - von Jens Hohmann

NeuWestBerlin, Berlin, April 2015 - von Jens Hohmann

NeuWestBerlin, Berlin, April 2015 - von Jens Hohmann

(mit Alexander Koenitz / Fotos: Jens Hohmann)

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