Club undercover – Auf ein Gläschen mit Beate Uwe

Beate Uwe

Beate wer? Uwe. Beate Uwe. Wenn man sich den Namen auf der Zunge zergehen lässt, drängt sich als allererstes eine Frage auf: Handelt es sich hier um einen neuen Swingerclub, der lustige Wortspiele für eine moderne Marketingmethode hält? Oder haben Beate und Uwe einen Häkelverein gegründet? Ich kann mir nicht so recht vorstellen, wohin ich mich da bewegen werde. Eine kurze Recherche im Freundeskreis hat leider nichts gebracht. Und auch der Taxifahrer hat noch nie von diesem Club gehört und muss die Adresse kurz in seinem Navi nachschlagen. Der Club ist gänzlich unbekannt. Kein Grund für uns, um da nicht mal vorbeizuschauen.

Die Schillingstraße hinter dem Alexa soll es also sein. Neben dem Quartier-„Netto“ und den mehrgeschossigen, abgenutzen Plattenbauten wirkt der Flachbau etwas deplaziert. Er gleicht eher dem Lagerhaus des Hausmeisters vom benachbarten VEB Wohnkomplex. Die Fenster sind mit rotem Stoff verhangen und ich habe sofort wieder zwielichtige Assoziationen im Kopf. Findet dort die Jahreshauptversammlung der Mieter im volkseigenen Lustetablissements statt – in lockerer Atmosphäre? Oder treffen sich hier junggebliebene Mittsiebziger zur wöchentlichen Gruppensitzung auf ranzigen Ledersofas?

Anstehen ist nicht erforderlich und beherzt öffne ich die Tür: alles halb so schlimm drinnen. Der Türsteher und das Mädel an der Kasse sind entgegen aller Erwartungen supernett – das ist in Berlin so nicht immer üblich. Neben einem freundlichen Gespräch gibt’s für uns auch einen Rabatt. 5 statt 8 Euro. Wunderbar.

Beate Uwe

Außen pfui, innen …

Der Club ist nicht groß. Sobald man hineinkommt, steht man auch schon mitten auf der Tanzfläche, die in tiefrotes Licht getaucht und mit einer anständigen Discokugel ausgestattet ist. Der Club hat auch einen kleinen Ruhebereich, der in der Tat zum gemütlichen Chill-Out einlädt, selbstverständlich eine Bar und weiter hinten einen Raucherraum. Oh, und neben den Toiletten gibt es eine Fotobox. Eine große Kiste mit Accessoires lädt zu bunten Erinnerungsfotos ein und treibt den Spaßpegel in die Höhe. Damit hat das Beate Uwe uns an diesem Abend die zweite Freude gemacht.

Weniger schön ist, dass der Club um 3 Uhr nachts fast leer ist. Ein wenig stille Betroffenheit liegt in der Luft, denn einen leeren Club – das mag niemand. Es mag aber auch an der etwas trostlosen Atmosphäre liegen, denn Glitzer und Konfetti sucht man hier genauso vergebens wie thematisch abgestimmte Holz-Basteleien oder bunt bemalte Katzenfiguren aus Pappmaché.

Während wir an unseren Getränken nippen, die wir an der Bar zu den üblichen Berliner Clubpreisen bekommen haben, beginnen wir zu tanzen. Monolink ist am Start und verzaubert uns mit einem Set, wie man es nicht alle Tage zu hören bekommt: sehr downtempo und unaufgeregt. Das erhält eine glatte 1. Und überhaupt, wenn man sich die Events im „Beate Uwe“ anschaut, so findet sich in den Line-ups immer wieder mal bekannte Namen wie Sasse von Moodmusic oder Chroma von Stil vor Talent. Genrephobie ist hier fehl am Platz, denn zwischen eher klassischen House-Partys finden sich Jazz, Afro, Funk, R&B, Disco und Soul. Und weil wir es so schön finden, tanzen wir bis zum Schluss, wenn das Putzlicht schon brennt. Monolink bedankt sich persönlich für unseren Einsatz und die Beate Uwe-Crew gibt noch einen aus, so dass wir mit einem herrlichen Schluck Berliner Luft gegen 6 Uhr Lebewohl sagen.

Und das Fazit?

Alles in allem hat mich wohl noch kein Club so freundlich durch den Abend gebracht. Es wirkt authentisch und von Herzen, was sich die Beate Uwe-Crew dort aufbaut. Es bleibt zu hoffen, dass auch andere tanzlustige Nachtschwärmer den Weg in die Schillingstraße an der Jannowitzbrücke finden. Denn zum üblichen Berliner Clubgeschehen ist das defintiv eine kleine, feine Alternative ohne viel Szene-Attitüde.

Im Februar gibt’s jeden Freitag bunte Musik: „Organic Grooves“ mit Florian Forderschinken, ordentlich Old-School Hip Hop liefert Raw D und Andreas Gessner sorgt für „Aloha Feeling“. Am Samstag ist das Beate Uwe die Adresse für elektronisch Orientierte: im Februar mit Janoma, Samuel Fach, Anja Zaube, Sven Weisemann und TomTom Groove.

Beate Uwe, Schllingstr. 31, Berlin-Mitte, S-/U-Bahn Jannowitzbrücke

(Fotos: Beate Uwe, Claudia Naumann)

Eine Kommentar zu „Club undercover – Auf ein Gläschen mit Beate Uwe

  1. Man man man früher hiess der Laden mal als Club mal Blumenladen dürfte aber über 10 Jahre her sein. Oh Gitt ich werde alt.

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