Das BLN.FM-Berlinale-Tagebuch 2015

berlinale 2015, 5.2.2015- blitzlichtgewitter, audi ag, flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

„Cinerama“-Moderatorin Katha ist für euch bei der Berlinale live dabei. Eindrücke und Infos sowie Klatsch und Tratsch über das Spektakel bekommt ihr hier im Tagebuch. Jeden Tag frisch, vorbeischauen lohnt sich. Checkt auch die Live-Shows, in denen ihr Katharina und Gäste hören könnt: Sonntags 16 Uhr, sowie Dienstag und Donnerstag.

15. Februar

14. Februar

Sprache:Sex

Der letzte Tag der Berlinale beginnt für mich versaut. „Sprache:Sex“ wird im Collosseum in der Schönhauser Allee gezeigt. Allerdings handelt es sich hierbei um eine Doku, die wie der Titel erahnen lässt ihre Protagonisten nur darüber sprechen lässt. Aber das macht alles Zuschauern auch unheimlich Spaß-. Ein Kneipenmaler, der in der einen Szenen erzählt, dass er sehr oft Geschlechtsteile auf seine Bilder malt und in einer anderen Szene preisgibt, dass er seit Jahren keinen Sex hatte, das sich aber überhaupt nicht in seinem Leben bemerkbar mache. Oder der heranwachsende Junge, der erklärt, dass ein Mädchen schon eine 8 sein müsse, damit er sich was vorstellen könnte. Oder zumindest eine charakterliche 11 und äußerlich eine 6. Wenn es nur so einfach wäre. Im Anschluss sind die beiden Filmemacher anwesend, um Fragen zu beantworten. Auf die zweite Frage haben Ralf Hechelmann und Saskia Walker nur gewartet, die kommt immer. Es ist ein großer Glatzköpfiger Mann, der fragt, warum der Film denn so heteronormativ  sei und es keine schwulen gäbe. Das fände er nicht gut. Ein paar Leute stimmen mit mittlerem Geklatsche ein.

Ralf Hechelmann nimmt das Mikro, er bemüht sich, da seine Stimme von einer Erkältung sehr angeschlagen ist. Es sind durchaus auch homosexuelle unter den Befragten gewesen. Man müsse das aber nicht extra hervorheben. Er sei selber bisexuell, habe Jahre mit einem Mann gelebt und ist jetzt mit Saskia Walker verheiratet. Der Saal klatscht enthusiastisch. Na wunderbar, dann ist das ja auch geklärt.

 

13. Februar

Heute wurde es magisch und verschnupft. Bei der Pressevorführung von „Cinderella“ wurde gehustet und hochgezogen, was das Zeug hält. Ich frage mich, wer ab nächste Woche die mediale Berichterstattung übernehmen wird, wenn alle Berlinale-Reporter vergrippt im Bett liegen.

Berlinale Palast Foto: Katharina Stüber

 

„Knight Of Cups“

Friedrichstadt Palast Katha

Dass Terrence Malick eigenwillige Filme macht, die stets unheimlich bedeutungsschwanger erscheinen, ist seit „The Three Of Life“ gesetzt. Für seinen neuen Film „Night Of Cups“ hat er „Dark Knight“ Christian Bale angeheuert. Bereits bei der Pressekonferenz letzte Woche gestand Bale, dass er gar nicht gewußt habe, worum es denn in dem Film gehen sollte. Auch ein Drehbuch habe er nie zu Gesicht bekommen. Und das merkt man auch. Es kommt kaum direkte Rede vor, dafür aber jede Menge spirituelle Off-Kommentare und Tarotkarten, die Abschnitte im Film ankündigen. Zu Beginn ist der Film um Rick (Christian Bale) noch spannend und interessant. Er erklärt, dass er all die Jahre ein Leben von jemandem gelebt habe, den er nicht einmal kannte. Und dass er es immer noch genau so macht, erleben wir die nächsten 119 Minuten. Immer und immer wieder. Er weiß nicht, wo er anfangen soll, wohin die Reise geht, was die Bestimmung seines Lebens ist. Irgendwann reißt er sich dann irgendwo ein Mädchen auf, fummelt ihr im Gesicht herum und hat mit ihr Sex, am liebsten am offenen Fenster in seiner Wohnung. Danach geht die „Reise“ wieder von vorne los. Einzig bemerkenswert ist das Zusammentreffen mit seiner Ex-Frau (Cate Blanchett), die zwei, drei zusammenhängende Szenen erzeugt. Hier hat man das erste Mal das Gefühl, dass sich der erzählerische Nebel lichtet. Aber falsch: die Blanchett verschwindet wieder und die nächste Zufallsbekanntschaft muss ran. Am Schluss gibt’s noch eine Affäre mit Natalie Portman. Hier scheint’s ihm wirklich ernst zu sein. Doch auch diese Liaison ist von kurzer Dauer. Dann steht er plötzlich in einer Kirche und wir hören und sehen Armin Müller Stahl, der irgendwas vom „Leid des Herrn“ erzählt. Puh. Und dann kommen, glaube ich, noch ein oder zwei Kapitel, aber da war mir schon der halbe Hintern eingeschlafen und ich war, wie einige andere im Friedrichstadtpalast froh, dass man wieder rausdurfte. Schade.

P.S: Der Trailer verspricht leider einen anderen Film.

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