Über Nacht: Ende eines Kreuzberger Wahrzeichens

auf der cuvrybrache übermalt der streetart-Künstler

Nieselregen. Dunkelheit. Auf der Cuvrybrache in Berlin-Kreuzberg stehen zwei Lastwagen mit ausgefahrenen Hebebühnen. Darauf stehen Menschen, die das weithin sichtbare Wandbild des Künstlers Blu schwarz übermalen. Dahinter steckt nicht der Investor, der nach der Räumung der Cuvrybrache im Herbst 2014 bauen wollte – es ist der Künstler selbst und seine Helfer, die das Bild zerstören. „Das Kreuzberg, für das dieses Wahrzeichen stand, gibt es ja auch nicht mehr, dann braucht auch das Bild nicht mehr sein“, sagen sie. Die Gegend an der Spree zwischen Schlesischem Tor und Treptow hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem Amüsierviertel entwickelt, da passt das Wandbild von 2008 nicht mehr.

Erst im September 2014 wurde die Cuvrybrache nach einem Brand geschlossen und geräumt. Investor Artur Süßkind will auf der Freifläche 250 Wohnungen bauen, Supermarkt und Kindergarten inklusive, das Wandbild ist in Gefahr. Im Oktober 2014 startete Anwohner Jascha Herr deshalb eine Petition, damit das Wandbild unter Denkmalschutz gestellt wird. Blu und Helfer kamen ihm nun zuvor. Die Forderung nach Denkmalschutz war nicht seine Sache, sagt er: Sein Werk wurde eh schon viel zu sehr kommerzialisiert. Jetzt ist’s weg!

Und so sah das Wandbild bis zum 11.12.2014 aus:

Graffiti Blu Cuvrystr 50, Cuvrybrache, Berlin Kreuzberg, OTFW wikicommons, 2 April 2012

 

Wer zur Erinnerung gern nochmal die Entstehung des Bildes sehen möchte, findet hier das Video von BLU + JR:

 

(mit Jessica Schmidt, Bild oben: Jessica Schmidt, unten: OTFW (CC BY-SA 3.0))

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2 Kommentare zu „Über Nacht: Ende eines Kreuzberger Wahrzeichens

  1. ist das jetzt Kunst, oder kann das weg? „Ja, ist es, kann aber weg“ , sagt der Künstler und entfernt selbst seine Kunst! Genial und konsequent! Ich mag Typen, die nicht an der Vergangenheit hängen und auch mal loslassen können. Respekt!

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