Elektronisch Hören – Musik zwischen den Jahren

Magische Wellen aus dem Synthesizer von Suzanne Ciani

susanne sciani, andy votel, sean canty of demdike stare on unsound 2014, foto: anna spyts

Ebenfalls wiederentdeckt wurde die Musik von Suzanne Ciani. Die taffe, zierliche Frau hat in den 1970ern mit ihren elektronischen Geräten Klänge für Werbung aufgenommen, zum Beispiel das Ploppen von Cola-Flaschen. Auch mit anderer Werbemusik verdiente sie Geld, außerdem komponierte sie für Flipper-Automaten, Filme und Shopping-Malls. Anfang der 1980er brachte eine japanische Plattenfirma dann auch Alben von ihr heraus, die unter „New Age“ einsortiert wurden. Ursprünglich fand sie, dass ihre freundliche, synthetische Musik eine Art Gegenentwurf zu der kosmisch-schweren Elektronik von männerdominierten Bands wie Tangerine Dream, sagte Suzanne Ciani auf dem „Unsound“-Festival 2014. Doch die Kommerzialisierung während der 1980er brachte „New Age“ schnell den Ruf spannungsarmer Hintergrunddudelei ein. Der britische Produzent und Vinyl-Nerd Andy Votel spürte Suzanne Ciani wieder auf – und nahm mit ihr als Neotantrik neue improvisierte Tracks auf. Diese entstehen im Zuge von Improvisationen, fast wie beim Jazz. Im Konzert beim „Unsound“-Festival 2014 musizierten sie zusammen mit dem Elektronik-Künstler Lichens und Sean Canty von Demdike Stare, Experte für eine beklemmenden und düstere Atmosphäre. Suzanne drehte die Knöpfe eines analogen Synthesizers, Andy Votel und Sean Canty von Demdike Stare spielten Samples von alten Schallplatten ein. Zusammen webten sie einen dichten Klangteppich, der mittlerweile auch als Kassette zu erwerben ist. Weitere Kollaborationen wurden angekündigt.

Suzanne Ciani: Seven Waves / Seventh Waves (1982)

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