BLN.FM Club-Award 2014: „Vielversprechendster Newcomer“

Ohm Ihr habt euch immer noch nicht von eurer alljährlichen Post-Festival-Depression erholt? Die letzten Tränen in Erinnerung an Sonnenschein, Badesee und Open Air-Saison schimmern noch feucht auf euren Wangen, schon steht Weihnachten quasi vor der Tür? Euer Lieblingswebmagazins fühlt mit euch! Doch statt ihren Winterblues mit kiloweise Lebkuchenherzen und jeder Menge Glühwein zu betäuben, nur um sich dann trostlos durch den Dschungel überfüllter Kaufhäuser zu schlagen, feiert die BLN.FM-Redaktion lieber noch ein letztes Mal. Aufopfernd haben wir uns zu allen wichtigen Partys des Jahres geschleppt, nur um jetzt die besten Berliner Locations zu krönen – und damit 2014 noch einmal Revue passieren zu lassen. Unser erster Award in der Kategorie „Bester Newcomer“ geht an das Ohm.

Die Location

Vor allem der Name „Ohm“ ist neu am Tochterclub des Tresors, der im ehemaligen Batterieraum des Heizkraftwerkes an der Köpenicker Straße, wo Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg aneinandergrenzen, angesiedelt ist. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an den Vorgänger. Das Shift war allerdings von Anfang an nur als ein­jäh­ri­ges Pro­jekt gedacht. Gleich wie der Club hieß (oder heißt), seit zwei Jahren bietet er dem Berliner Partygast auf kleinem Raum musikalische und plastische Kunst in Form von Partys und Ausstellungen, sowie körperschmeichelnde Soundsysteme. Die schmucklosen, weiß gefliesten Wände und kleinen Erker könnten auch an eine Horrorfilmkulisse erinnern- wäre da nicht die Bar, die ähnlich wie im Prince Charles einen großen Teil des Raumes einnimmt. Die Tanzfläche ist dementsprechend nicht allzu weitläufig, was aber zuverlässig für ein gemütliches Scharren um das DJ-Pult sorgt. Der Übergang vom Shift zum Ohm brachte die Gelegenheit zu renovieren mit sich, seitdem ist die Garderobe etwas größer, die Bar etwas dunkler und das Klo hoffentlich weniger oft verstopft. Aber hey, wer geht schon in Berliner Clubs um mehr Zeit als nötig in einer Klokabine zu verbringen ? Ginge besser, ginge aber auch schlechter, drei von fünf Sternen.

Das Line-Up

Die Über­set­zung der Zei­chen­sym­bo­lik des neuen Namens fungiert für die Ohm-Crew als sim­pler Pro­gramm­ent­wurf: Ohm ist das Ein­heits­zei­chen, in dem elek­tri­scher Wider­stand ange­ge­ben wird. BerlinerInnen munkeln von großartigen Nächten mit Sets von unter anderem DJ Fettburger, DJ Stingray und Egyptian Lover. Sogar Robert Hood fand schon seinen Weg aus Detroit in den von außen eher unscheinbaren Club, um vor der eigenen Schicht im Berghain einen Drink zu nehmen. An das musikalische Erbe des Shift knüpft das Ohm in Form meist analoger und programmlich vielfältiger Feiernächte nahtlos an. Serviert wird das Ganze auch weiterhin stets mit einer ordentlichen Prise Experimentierfreudigkeit. Das beweisen nicht zuletzt auch Bookings wie das von Clarity und Presha vom Drum’n’Bass-Label Samurai Music. Einfach mal volle Punktzahl, fünf von fünf Sternen. Erste Sahne. Bitte weiter so!

Der Wohlfühlfaktor

Partyreihen werden von Ohm-Freunden für Freunde veranstaltet und ziehen dementsprechend interessiertes und unaufgeregtes Publikum an. Die Türpolitik ist meistens lässig. Was viele als nicht unkompliziert für die Atmosphäre in Clubs ansehen, funktioniert hier irgendwie. Selbst wenn nur 30 Menschen kommen, sind diese vor allem am Programm für die Nacht interessiert, so dass ganz natürlich eine Atmosphäre entsteht, wie sie eben im besten Fall auf einer Tanzfläche entstehen sollte. Lohnt es sich auch als Noch-nicht-Ohm-Freund mal vorbeizuschauen? Wir finden ja. Deshalb vier von fünf Sternen in dieser Kategorie.

Ohm, Köpenicker Straße 70, Berlin-Mitte, U-Bahn Heinrich-Heine-Straße.

(Foto: Johi van Bruises / Ohm Gallery ©)

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