Thom Yorke zählt die Millionen: Ist BitTorrent das neue iTunes?

 

U2 verschenken ihr neues Album auf iTunes. Doch keiner will es haben, glaubt man wütenden Kommentaren auf Twitter und Facebook. Thom Yorke hingegen verkauft seit letzter Woche sein zweites Soloalbum „Tomorrow’s Modern Box“ per BitTorrent auf vielen Webseiten (unter anderen BLN.FM). Am 1. Oktober ist der Zähler für die Downloads auf 800.000 hochgeklettert. Klingt zuerst viel. Aber die Zahl umfasst auch die kostenlosen Probetracks, die sich downloaden lassen, schreibt die britische Musikzeitschrift NME. Wie viele Menschen tatsächlich das digitale Albumpaket für 6 Dollar gekauft haben, hat Thom Yorke noch nicht verraten.

Thom Yorke setzt auf BitTorrent um die Musikindustrie auszutricksen. Die angesagten Streaming-Dienste wie Spotify und Simfy seien das Schlimmste, sagte er in der Tageszeitung the guardian. Doch Rolling Stone fand heraus, dass auch BitTorrent Geld einbehält. Die Plattform behält immer noch 10 Prozent, bei einem Preis von 6 Dollar sind das 60 Cent. Das wären dann 5,40 Dollar für Thom Yorke. Der Künstler kann dazu theoretisch über die Daten seiner Käufer verfügen und sie zukünftig direkt anschreiben. Das lohnt sich: Schließlich sind das die Fans, die bereit sind, für seine Musik zu bezahlen.

Und wie sieht die Rechnung aus, wenn Thom ganz traditionell über iTunes geht? Bei dem Standardpreis von 10 Dollar behält Apple mehr als ein Drittel der Summe erstmal für sich. Bei dem höheren Preis bekäme Thom Yorke also ungefähr den gleichen Betrag überwiesen: 5,60 Dollar. Dazu benötigt er für Shops wie iTunes auch noch Zwischenhändler. Die ziehen von von Thoms Anteil nochmal zwischen 15 und 30 Prozent ab. Der Rest bleibt dann beim Label, das damit die zahlreichen anderen Helfer bezahlt, die notwendig sind, um ein Album auf dem Markt zu platzieren. Der Kreative – Musiker und Komponist – steht am Ende der Kette. Immerhin veröffentlicht Thom Yorke über sein eigenes Label – also blieben ihn bei einem Albumverkauf auf iTunes ungefähr 4 Dollar. Davon werden noch Video, Werbung und Produktion bezahlt.

Am Ende verdient Thom Yorke mit BitTorrent mindesten 25 Prozent mehr. Wenn von seinen fast 800.000 Downloads ein Drittel der Nutzer bezahlte, dann hat Thom Yorke innerhalb einer Woche eine Million Dollar verdient. Für einen Künstler, der eher vertrackte Indie-Elektronik macht, ein ordentlicher Batzen Geld. Doch ob sich dieser Direktverkauf für Künstler lohnt, die weniger populär als Thom Yorke sind? Unbekanntere Musiker müssen wohl oder übel auf die Dienstleister der Musikindustrie zurückgreifen: Agenturen, die dafür sorgen, dass sie Aufmerksamkeit bekommen. Ohne diesen Apparat kann ein Album noch so gut sein – die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es untergeht.

Aber auch BitTorrent ist fein raus. Die Plattform war bislang eher ein Synonym für Raubkopien. Zumindest jetzt wissen wir, dass der Service ist auch zu was anderem gut ist: Kreative bekommen bei BitTorrent eine Alternative zu iTunes oder Amazon. Ob sich die Strategie für BitTorrent lohnt, ist aber nicht ganz klar: Der Markt für Musik-Downloads stagniert. 2013 sank die Zahl der Downloads in den USA, schrieb der Branchendienst Billboard. Was hingegen wächst: Streaming durch Spotify, dem Dienst, den Thom Yorke den Kampf angesagt hat.

(mehr dazu auf BLN.FM)

(Foto: Dave Lichterman (CC BY-NC-ND 2.0))

 

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