Hudson Mohawke, Kode9 & The Spaceape und andere – Bässe, Euphorie und Trauer

The Spaceape

Nachdem 2009 sein erster und bisher einziger Langspieler erschien, hat Hudson Mohawke seinen Namen durch Zusammenarbeiten mit Kanye West, Chris Brown und Azelia Banks in den Pop eingeschrieben. Der Zirkus, der nun um die EP „Chimes“ gemacht wurde, wäre eigentlich eines zweiten Albums würdig gewesen. Extra für seine neue Veröffentlichung zelebrierte er einen eigenen Boiler Room-Abend mit einem Samurai, riesigen Fellgestalten und Gästen wie Captain Murphy (alias Flying Lotus) und Busta Rhymes. Vor kurzem haute er dann in Diplos Radiosendung für die BBC noch einen einstündigen Rap-Mix unter dem Titel „Chimes Tape“ raus. Und natürlich gab es auch Sneak Peeks von den Tracks vorab zu hören. Viel Rummel also um nicht mehr als drei Tracks und einen Remix. Aber die bringen einen in erfreulicher Manier zum Schmunzeln: mit Plastikfanfaren, wahnwitzig rollenden Subbässen und sich selbst nicht ganz so ernst nehmenden euphorisch-naiven Melodien. Das macht Spaß – aber ein zweites Album wäre den ganzen Trubel doch wert gewesen.

 

 

Euphorisch und beatlastig mögen es auch Slugabed und Ghost Mutt, die Gründer des Labels Donky Pitch. Im Sommer 2009 starteten sie erst eine Partyreihe, aus der schließlich ein Label wurde. Darauf bringen sie Musik zwischen UK Hardcore Continuum, Hip-Hop und Footwork heraus, die melancholisch mit schillernden Synthesizermelodien ausgemalt wird. Zur Feier seines fünften Geburtstags hat Donky Pitch nun eine Compilation geschnürt, die das Label jetzt auf seiner Bandcamp-Seite zum selbstbestimmten Preis zum Download bereitstellt. Tracks kommen unter anderem von den Gründern selbst, Lockah, Tokyo Hands, Starfoxxx und The Range.

 

 

Noch jünger ist das Label Her, auf dem Ende 2013 die erste Single erschien und das bislang nur digital veröffentlicht. Die EPs und Singles stammen bisher von Miss Modular, CYPHR und Sudanim, die zusammen mit Fraxinus auch das Label betreiben. Vor kurzem konnte schon „Pleasure Flood“ von Sudanim begeistern, mit der EP „Ekleipsis“ legt CYPHR nun nach. Die sechs finsteren Tracks wechseln zwischen Tanzflächen- und Kopfhörermusik und variieren zwischen Beats aus Grime, Hip-Hop und Baltimore Clap. Mit dem Track „Credits“ kommt zum Schluss dann auch noch der Funk ins Spiel, und die freundlichen Synths würden auch HudMo oder Donky Pitch erfreuen. Wieder eine starke Veröffentlichung des Labels aus London.

 

 

Von London nach Nowosibirsk, wo das Duo Thundaklap an seinen Tracks schraubt. Vor ein paar Wochen veröffentlichten sie ihre erste EP auf dem Label Beryoza, vorher brachten sie ihre Musik unter den Namen More Strobelights und Vaomm unter die Leute. Mit der EP „Turn Down The Lights“ markieren sie ihren neuen Projektnamen mit brachialen, bassschwangeren Clubtracks zwischen Footwork, Rave und Jungle. Musik, die die 1990er mit Löffeln gefressen hat.

 

 

Die Vorfreude war groß, als Hyperdub eine neue EP von Kode9 und The Spaceape angekündigt und Mitte September das Video zum Track „The Devil Is A Liar“ veröffentlicht hatte. Ende September erschien die EP der beiden unter dem Titel „Killing Season“ zunächst digital. Doch nur wenige Tage später wich die Freude der Trauer: The Spaceape ist am 2. Oktober 2014 verstorben. Der Künsler hieß bürgerlich Stephen Samuel Gordon.  2004 sprach er seine eindringliche Lyrik als Daddi Gee über ein Instrumental von Kode9 auf der ersten Veröffentlichung von Hyperdub, der Single „Sine Of The Dub“. Anschließend wurde er als The Spaceape zur poetischen Stimme von Bassmusik und arbeitete unter anderem mit Martyn, The Bug oder Burial. Mit Kode9 produzierte er die den Dubstep prägenden Alben „Memories Of The Future“ (2006) und „Black Sun“ (2011). Ein Jahr später stellte er seine von Voodoo inspirierte Solo-EP „Xorcism“ zum freien Download zur Verfügung. Die Tracks auf der jüngsten EP „Killing Season“ geben seiner Stimme mit reduzierten Instrumentals noch einmal viel Raum, sodass die sorgsam gewählten Worte von The Spaceape weiterleben, auf den Tanzflächen und in den Köpfen dieser Welt. R.I.P.

 

(Foto: The Spaceape / Still aus dem Video zu „On The Run“ von The Spaceape)

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