drip.fm: Label-Flatrate für Hardcore-Fans

 

Was klingt verlockender? Monatlich 10 Euro für exklusive Downloads eines Lieblingslabels zahlen oder für das gleiche Geld Zugriff auf die Musik tausender Labels zu bekommen? Nimmt man die Aldi-Mentalität zum Maßstab – viel für wenig Geld – ist die Idee von drip.fm neben großen Streaming-Portalen wie Spotify & Co. ein Scherz.

Ghostly International-Gründer Sam Valenti und sein Partner Miguel Senquiz glauben aber zu wissen, was sie tun. Im Mai 2012 startete die Label-Flatrate drip.fm. Statt Masse soll’s hier Klasse sein: Ausgewählte Lieblingslabels bieten ihren Katalog an und locken mit Extras. 37 Labels sind mittlerweile dabei, darunter Hospital Records, Stones Throw oder Sub Pop – abonnierbar für einen monatlichen Betrag zwischen 5 und 15 US-Dollar.

Wer ein Abo abschliesst, darf sich beim seinem Label aus der vergangenen Diskographie bedienen und drei Alben oder EPs herunterladen. Danach funktioniert drip.fm wie ein herkömmliches Abonnement. Jeden Monat gibt es mindestens drei ausgewählte Label-Goodies. Das sind meistens noch nicht veröffentlichte Releases, ausgewählte B-Seiten oder hochqualitative HiFi-Downloads – hin und wieder auch mal Freikarten für Konzerte. Die Hoffnung dahinter: Durch das Abo entsteht zwischen den Labeln und den Käufern ein direkter und familäer Austausch, eben was die echten Fans so gern haben.

Ein Label, das auch mitmacht ist Domino Records, auf dem Animal Collective, The Kills oder Arctic Monkeys veröffentlichen. Das Label versendet im Durchnitt 35 Tracks an seine Abonnenten per E-Mail. Im Posteingang wartet dann eine Einladung, die Veröffentlichung auf der Seite freizuschalten und im hochqualitativen Audio-Format der Wahl herunterzuladen. Auf der Seite können die Fans dann noch Kommentare hinterlassen und sich mit anderen austauschen. Ein Countdown zeigt an, wann es wieder etwas zu holen gibt.

Wer soll sich das denn leisten?

Die Idee hört sich ganz sympathisch an. Doch beim Nachrechnen stellt sich schnell die Frage: Wer gibt im Monat 15 Dollar für die Veröffentlichungen eines einzigen Labels aus? In Deutschland bezahlt jeder durchschnittlich 56 Euro im Jahr für Musik aus, weiß der Verband der Deutschen Musikindustrie. Das macht keine 5 Euro monatlich. Verfolgt ein Fan nun auch nur drei Labels auf drip.fm, werden schon 30 Dollar – also 20 € – fällig. Und ob die Veröffentlichungen auch konstant gefallen, ist keineswegs sicher. Die Zahlen zeigen deutlich, wer die Zielgruppe von drip.fm ist: absolute Hardcorefans und Musikfanatiker. Die große Masse bleibt wohl weiter auf den altgedienten Streaming-Portalen.

(Foto: Jay Kogami(CC BY 2.0))

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