Club undercover – Kater Blau

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An einem Samstagmorgen gegen 3 Uhr stehe ich vor dem Eingang zum neuen Kater Blau, gleich gegenüber vom Berliner Ostbahnhof. Beim Vorgänger, dem Kater Holzig, war ich immer gerne und nun hoffe ich, dass sich auch der neue lohnt. Neben mir und meinen drei Begleitern befinden sich noch sechs Andere in der Schlange. Sehr überschaubar also. Dennoch werden drei von ihnen in gewohnt harscher Manier und wortlos mit einer einfachen Handgeste zurückgewiesen. Warum die Türsteherin mit dem verrückten Hut und der farbenfrohen Gesichtsbemalung meinte, dass die drei Unglücklichen optisch nicht konform sein sollen, erschließt sich mir nicht sofort. Die beiden schwarzhaarigen Damen wirken wie typische Easyjet Touristen. Der junge Mann mit seiner viereckigen Brille, wie ein Webdesigner alter Schule. Alle drei haben einen leichten Teint, möglicherweise kommen sie aus Spanien und dürfen deshalb nicht rein. Es wäre nicht das erste Mal, dass südeuropäischen Touristen der Zugang zu einem hippen Berliner Club verwehrt wird. Wir kommen, möglicherweise aufgrund unserer edlen Blässe, rein. Durch eine kleine Holzhütte gehen wir gleich wieder nach draußen, wo ein kleines Kassenhäuschen steht. 12 Euro kostet der Eintritt. Ein stolzer Preis, der eine gewisse Erwartungshaltung erzeugt.

Wir befinden uns nun unter freiem Himmel auf einem etwa 15 m breiten Gang. Zu unserer linken, entlang des Wassers, sind etwa zehn kleine Holzhäuser aufgestellt. Sie sind dekoriert und bunt bemalt. Aus einer fassförmigen Hütte schallt Schlagermusik, bis ein lachender Mann mit lockigem Haar und Cap die Tür zuschlägt. Am Ende des Ganges eröffnet sich ein Bereich, in dem aus Holzplanken eine Promenade gebaut wurde. Die Macher vom Holzmarkt sagen, es wurden die alten Bretter der Bar25 verwendet. Trotzdem sieht alles sehr sauber und modern aus, vor allem die Toiletten machen einen sehr gepflegten Eindruck. Plastikplanen schützen Teile der Promenade vor Regen. Etwas wichtiges fehlt bisher: Die Musik. Wenn man sich draußen aufhält, dringt kaum etwas ans Ohr.

Der Gang, der auf den etwas versteckten Eingang folgt, windet sich mehrmals und ist durch blaues und rotes Licht erhellt. Danach eröffnet sich uns ein Raum, der durch seinen verwinkelten Aufbau das Gefühl gibt, aus mehreren Räumen zu bestehen. Nur von der Tanzfläche aus kann man die Decke sehen. Der gesamte Innenbereich ist mit altem Holz verkleidet, dunkel gehalten und erweckt den Eindruck in einer etwas heruntergekommen Skihütte zu sein. Erinnerungen an den Kater Holzig werden wach.

Ich kaufe mir ein „Astra“ an der Bar. Ich werde sofort bedient, denn ich bin der einzige der bestellen will. 3,50 Euro muss man für ein 0,3 Liter Bier hinblättern. Nicht gerade wenig, aber auch nicht unüblich. Den etwas grimmig dreinschauenden Barkeeper mit Glatze und Tanktop kenne ich noch aus dem alten Kater Holzig. Mit einem Bier in der Hand beschließen meine Begleiter und ich den Dancefloor zu betreten. Es laufen beschwingt zackige Tracks und die Atmosphäre ist durch die vielen fröhlichen Menschen um uns herum sehr angenehm. Es ist mittlerweile gegen halb vier. Die Tanzfläche ist voll, aber nicht überfüllt und man hat genug Platz, obwohl es nur eine offizielle Fläche im Kater Blau gibt.

Wir machen Pause vom Tanzen, denn das Bier ist alle und außerdem wollen wir die erste Etage erkunden. Die Treppe führt uns in einen zweiten Barbereich mit zahlreichen alten Sofas in gedeckten Farben. Auch hier ist alles aus Holz, aber außer uns hat sich kaum einer hierher verirrt. Während wir Pfeffi und Bier ordern, komme ich mit dem jungenhaften Barkeeper ins Gespräch. Er trägt Cap und ein schwarzes Tanktop und erzählt mir, dass er neu im Kater Blau ist. Ich frage ihn, wie es denn nun läuft. „Immer besser“ , antwortet er.

Er sagt mir, dass man exklusiver sein wolle und daher nicht soviel los ist. Ich blicke mich daraufhin um und betrachte das Publikum. Ich sehe die typischen Berliner Szenehipster, mit ihren langen Bärten und Second-Hand Klamotten, aber auch ein paar Gäste, die mit in die Hose gestecktem Karohemd, rahmenloser Brille und Marzahner Kurzhaarfrisur, etwas deplatziert wirken.

Wir betreten ein weiteres Mal die Tanzfläche und bemerken, dass es gegen halb fünf langsam etwas voller ist. Trotzdem bleibt die Atmosphäre entspannt. Mir fällt auf, dass mir die interessanten Leute aus dem Kater-Holzig fehlen, mit denen ich auf einem der Sofas oft endlose Gespräche über Berlin, die Welt oder irgendwelchen Unsinn geführt habe. Irgendwann stößt mich mein Kumpel an und sagt: „ Hey, ich geh jetzt doch noch ins Berghain.“ Ich verabschiede mich von ihm, tanze noch eine gute Stunde und verabschiede mich dann gegen sieben Uhr. Es ist hell und ein leichter Regen setzt ein, als ich den Club verlasse. „Vielleicht hätte ich doch noch ein bisschen bleiben sollen“, denke ich mir insgeheim.

Kater Blau: Holzmarkstraße 25, Friedrichshain-Kreuzberg, S-Bahn Ostbahnhof

(Foto:  Ralph Oechel)

 

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