Caribou malt schön nach Zahlen

caribou, windish agency

Ach ja, Caribou, bringt der jetzt auch sein zweites Album raus? Könnte man sich fragen, schließlich ist der kanadische Musiker Dan Snaith erst 2010 mit dem Album „Swim“ so richtig an der Oberfläche des Mainstream aufgetaucht. Tatsächlich aber ist das nun erschienene „Our Love“ sein siebter Longplayer. Zwischen dem ersten von 2001 – als Manitoba – und dem bislang neuesten von 2012 – als Daphni –  lagen etliche EPs sowie einige renommierte Musikpreise.

Caribou - Our Love / (C) City SlangDan Snaith alias Caribou ist allerdings nicht nur gefeierter Musiker, sondern auch Mathematiker. Sogar einen Doktortitel hat er. Schön wäre jetzt eine Geschichte von einem Kopfmenschen, der in seiner halb analogen, halb digitalen Elektro-Indie-Clubmusik einen emotionalen Ausgleich findet. Doch Caribou wird die Mathematik nicht so recht los. Wer sich durch seinen Alben-Katalog hört, wird schnell feststellen: Die musikalischen Muster sind immer regelmäßig, einmal für gut befundene Ideen werden endlos wieder aufgenommen, so wie sich die Kästchen auf Karopapier wiederholen. Und auch das neueste Album „Our Love“ reiht sich ganz berechenbar in diese Folge ein.

Snaith bastelt gerne ungewöhnliche, handgemacht klingende Beats – und er bastelt sie gut. Er sammelt ebenso gerne seltsame Samples oder singt mit dünner Stimme über pulsierende Synthies, wobei er meist ähnlich klingt wie Alexis Taylor von Hot Chip. Ein Beat, ein Sample, ein schöner Melodielauf – dann ist die Idee ausgeschöpft und der Loop fertig. Doch Dan Snaith scheint das zu reichen, er sucht nicht weiter nach Dramaturgien oder Kontrasten. So bleibt er berechenbar und folgt seiner Erfolgsmethode. Man stellt sich vor, dass er seinen Computer mit einigen Dutzend simpler musikalischer Formeln füttert und die Software daraus volle Tracks hochrechnen lässt. Für sein Album wählt Snaith dann die aus, die zufällig besonders hübsch geworden sind. Das wirkt ganz schön mathematisch, denn emotionale Entwicklungen haben bei dieser Herangehensweise keinen Platz.

Hübsch klingede Elektro-Indie-Tanzmusik nach dem gleichen Rezept

So ist „Our Love“ dann auch ziemlich langweilig geworden. Schon das erste Stück bietet nicht viel mehr als zwei Vocal-Samples und eine platte Variation des Musikbetts von „Sun“, Caribous Hit von 2010. Für einen Opener ganz schön wenig Substanz. Und dann geht es einfach immer so weiter, insgesamt sieben Tracks lang, präzise dem Wiederholungsprogramm folgend. Zwar sind die Beats und Bässe diesmal etwas dunkler und schneller als bei „Swim“, doch wenn vorhersehbare Crescendos die einzige Abwechslung in der Geometrie der Tracks sind, ist es schon schade, dass die guten Grundideen so billig verschenkt werden.

Doch kurz vor Schluss gibt es tatsächlich noch eine Überraschung: „Mars“, der hübscheste Track des Albums, besteht aus einer bezaubernden Querflötenmelodie und einem reduzierten Beat. Aber aus mehr dann doch wieder nicht. Kurz darauf folgt bereits der Abschlusstrack „Your Love Will Set You Free“. Der hat immerhin einen schönen Text und entfaltet auf knapp sechs Minuten eine angenehm hypnotische Wirkung. Klar, in „Techno“ und seinen Genre-Variationen steckt das Muster und die am Computer erzeugte Wiederholung bereits drin. Aber jemand wie Caribou, dessen Tracks durchaus seinen Sinn für musikalische und mathematische Schönheit beweisen, könnte ruhig mal die alten, berechneten Muster durchbrechen.

(City Slang)

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