#Achtens – Abschlussausstellung der Ostkreuzschule für Fotografie

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„Ostkreuz“ ist nicht nur eine Bahnstation und Dauerbaustelle – der Name steht auch für eine Agentur, die seit mehr als 20 Jahren exzellente journalistische Fotos an Zeitungen und Magazine liefert.  In der Ostkreuzschule für Fotografie geben die erfahrenen Profis ihr Wissen an den talentierten Nachwuchs weiter. Im Rahmen des „Europäischen Monats der Fotografie“ präsentieren die diesjährigen Absolventen der Schule vom 18. bis zum 26. Oktober ihre Bilder im SEZ an der Landsberger Allee.

Einige Fotografen haben sich von der klassischen Fotoserie abgewandt und beschreiten neue Wege der fotografischen Vermittlung. Torben Geek präsentiert seine Arbeit über die Punkszene am Alexanderplatz als einen aufgeklappten Altar. Die große Mitteltafel, normalerweise der Abbildung Heiliger vorbehalten, ist mit einer aus dem Hintergrund beleuchteten Fotocollage aus Armen, diversen Rauschmitteln und einem Messer bestückt. Die aufgeklappten Seitenflügel zeigen Porträts der Protagonisten und nächtliche Szenen des Beisammenseins.

Auch Sarah Swantje Fischer wählte ein Berliner Thema. Sie begleitete den Multimedia-Künstler Bob Rutman bei seinen Auftritten. Rutman, mittlerweile 83 Jahre alt, ist ein Urgestein der Berliner Untergrundszene und begeistert mit energetischen Performances und selbstgebauten Instrumenten wie dem Steel Cello. Trotz seines Alters hofft der Künstler immer noch auf seinen großen Durchbruch. Die Fotografin hat aber auch das private, weniger aufregende Umfeld des Künstlers dokumentiert. So zeigen die ihre Fotos in einer sehr atmosphärischen Art und Weise den Kontrast zwischen der öffentlichen und privaten Person Bob Rutman.

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Sarah Mayrs zeigt unter dem Titel „Sanbostel“ Porträts älterer Männer. Diese Männer sitzen vor neutralem Hintergrund und blicken die Betrachter an, als ob sie eine Geschichte erzählen möchten. Zu jedem Porträt gehört ein Kopfhörer, der an einen MP3-Player angeschlossen ist. Die Porträtierten sind Veteranen verschiedener Nationen aus dem 2. Weltkrieg, die im deutschen Kriegsgefangenlager Sanbostel interniert waren. In Interviews schildern die Zeitzeugen den Krieg aus ihrer persönlichen Erfahrung. Mayr hat damit eine der letzten Möglichkeiten ergriffen an authentische Aussagen über diesen nun fast sieben Jahrzehnte zurückliegenden Krieg zu gelangen. Die multimediale Präsentation erweitert das – und macht Geschichte auf eine gelungene Weise zeitgemäß erfahrbar.

Sandbostel Gedenkstätte 2014

Die Ausstellung „#Achtens“ bietet eine Vielzahl interessanter Arbeiten junger, vielversprechender Fotografen und kann mit Sicherheit als eine empfehlenswerte Station im Rahmen des diesjährigen Europäischen Monats der Fotografie bezeichnet werden. Thematisch, aber auch konzeptionell gibt es hier eine Menge zu entdecken.

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Vernissage Ostkreuzschule_17.10.14_Sarah Wantje Fischer-I just love my fuckin´ toys_André Schmidt-1

18.10.-26.10.2014, 11-21 Uhr, SEZ Berlin,  Landsberger Allee 77, Berlin-Prenzlauer Berg, S-Bahn: Landsberger Allee, Eintritt: 3€. Weitere Informationen auf der Webseite zu „#achtens„.

(Fotos:  Sarah Swantje Fischer, Sarah Mayr)

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