So war’s: 6 Dinge auf der Warp-Geburtstag, die begeisterten

Das IDM-Label Warp feiert seinen 25. Geburtstag in Krakow statt in Sheffield. BLN.FM war dabei – und hat sechs Gründe ausmchen können, warum die Verlagerung aus Grossbritannien in den Osten richtig war.

Hotel Forum – Was früher mal das futuristischste Hotel in Polen war, steht nun verlassen und grau am Ufer der Weichsel. Wie ein gelandetes Raumschiff aus Beton sticht es aus einer kargen Wohnlandschaft heraus. Inzwischen haben sich Investoren das Erdgeschoss geschnappt und eine hippe Bar daraus gemacht. Hier fand auch der Geburtstag von Warp statt. Erstaunlich angenehmer Teppichboden und niedrige Decken sorgten für einwandfreien Sound. Die Party eines essentiellen Labels der frühen Rave-Epoche kann natürlich nicht ohne Laser stattfinden. Zum Glück gibt es in Polen keine strengen Richtlinien. Allgemein hat der Ort durch seine Ästhetik einen Charme, der die Party eher zu einem Geburtstag machte.

Das Publikum – Wie schön, dass zu solchen Anlässen, so etwas wie Türpolitik kein Thema ist. Man durfte kommen, wie man Lust hatte. Darunter: Leute mit Aphex Twin-T-Shirts, Jogginghose, High Class-Jacket oder Tour de France-Radler-Outfit. Erfrischend viel Farbe im Gegensatz zum geschwärzten Berlin. Man kam wegen der Musik – und nicht aus Prestige-Gründen.

Squarepusher & Sinfonietta Cracovia– Die Kombination aus Sinfonieorchester und elektronischer Musik kann schnell mal in die Hose gehen. Wer glaubt, seine Musik einfach mit ein paar Streichern episch aufzublasen, läuft Gefahr akustisch weichgespült zu werden. Charles Hazelwood, ein britischer Dirigent aus Funk und Fernsehen hat sich fünf Jahre lang mit dem Meister des Drill’n’Bass Squarepusher zusammengesetzt und versucht die Essenz seiner Musik festzuhalten. Das Ergebnis war atemberaubend. Orchester und Elektronika verzahnten sich nahezu perfekt, so dass es schwer war Unterschiede herauszuhören. Komplizierte Dreher und unmenschlich schnelle Beats – alles kein Problem für das Sinfonietta Cracovia. Soviel Energie transportiert durch das farbenreiche Vokabular eines Orchesters.

„Syro“ Listening Session – Pünktlich zur Veröffentlichung des neuen Aphex Twin-Album „Syro“ bekamen die Fans die Chance das Album zu hören. Fans saßen gespannt auf dem Boden und gafften auf eine leere Bühne. Als die ersten Takte angespielt wurden, brachen vereinzelte Glücksschreie aus. Der ganze Hype der vergangenen Wochen brach sich Bahn und ein paar Hardcore-Fans tobten um die Wette. Immer wieder tauchten Kandidaten auf, die sich gegenseitig anstachelten komplett die Hemmung zu verlieren und in seltsam-eckig, ausladenden Bewegungen zu tanzen. Wie soll man auch sonst zu Aphex Twin tanzen? Ein bisschen spirituell, ein bisschen durchgeknallt, aber auf jeden Fall gut gelaunt. Solche absurden Happenings sind wohl der Grund, wieso Aphex Twin seine Fans bescheuert findet.

LFO – Die Rave-Ikone aus Leeds ist mit einer persönlichen Geburtstagsshow nach Krakau gereist. Zwischen maximal elektronischen Wummern und 1990er-Breaks war auch immer mal wieder Platz für einen LFO-Klassiker. Als die komplette Crowd zum Erfolgshit „LFO“ mitgrölen konnte, war ein bisschen Warehouse-Stimmung in der Luft. Trotz der halbschicken Inneneinrichtung roch es nach Schweiß  – Extase lag in der Luft. Mit einer Epilepsie auslösenden Lichtshow gab es dann noch das i-Tüpfelchen obendrauf.

Autechre – Durchgeschwitzt von LFO und aufgeladen zum anderen Floor. Dort sind die Lichter aus. Keine Visuals. Komplett dunkel, aber jeder weiß, wer hinter den Laptops steht. Als das IDM-Duo die ersten Störsignale auf die Fans losließ, fing der ganze Raum an zu beben. Ein hellwaches Publikum ließ sich von computerprogrammierten Gerölllawinen aus Bässen erschlagen. Ohne einen einzigen visuellen Reiz war man der Musik ausgeliefert. Teils bis an die Schmerzgrenze. Eine Erfahrung, die schwer in Worte zu fassen ist. Einen Mitschnitt der Performance gibt es auf archive.org.

(Photos: ESSTRO9 Fraktalia Emergent // Hotel Forum: Boguslaw Milec (CC BY-ND 2.0))

 

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