Rustie, Liar, The Bug und andere – Bässe, E-Gitarren und Eurodance

Rustie

 

Auf seinem Debüt-Album „Glass Swords“ von 2011 kombinierte Rustie Beatstrukturen aus Dubstep mit neonfarbenen Rave-Elementen, Rockriffs und hyperkünstlichen Klängen zu einem vollkommen überladenen, euphorieschwangeren Gemisch. Mit seinem neuen Album „Green Language“ knüpft der Produzent an den Breitwand-Klang des Vorgängers an. Auf manchen der mit Synth-Arpeggien und Drops geschmückten Instrumentals dürfen Gäste wie Danny Brown oder Redinho ihre Texte bringen, was an manchen Stellen etwas flach gerät. Trotz guter Unterhaltung springt der Pathosfunke von „Green Language“ nicht ganz über. An Hymnen wie „Hover Traps“, „Ultra Thizz“ oder „After Light“ vom Vorgänger kommen die neuen Tracks leider nicht heran.

 

 

Eine Vorliebe für Breitwandklänge hat auch Liar. Auf seiner neuen EP wird das Ganze noch mit einer großen Portion Neunziger-Flair aufgeladen. „Scorpio“ ist auf dem Label Infinite Machine aus Montreal erschienen, bei dem sich der Produzent unter anderem um das Mastering kümmert. In den Tracks kombiniert er grenzwertige Vocalsamples, die an Eurodance erinnern, mit sturen Claps, brutal gebrochenen Bassdrums und düsteren, verschwurbelten Synths. Einmal schwingen kitschig-billig wirkende Klänge wie von Pseudo-E-Gitarren zu Beats aus Baltimore Clap, ein anderes Mal geht die Stimmung ins düstere über, bevor mit Vocalsamples wieder heftiger Pathos zurückkehrt. „Scorpio“ ist eine Achterbahnfahrt durch basslastige Clubmusik, die gerade wegen des Spiels mit grenzwertigen musikalischen Mitteln Spaß macht.

 

 

Das Label Infinite Machine, auf dem zuletzt auch gute EPs von Pixelord und Wallwork & Rzr erschienen sind, feiert außerdem mit einer vor kurzem veröffentlichten Compilation seinen dritten Geburtstag. Sie versammelt Tracks von überwiegend noch unbekannten ProduzentInnen und deckt ein Spektrum von Jungle über Grime bis zu Techno ab. Reinhören lohnt sich.

 

 

Ebenso empfehlenswert sind die Veröffentlichungen auf dem ebenfalls noch jungen Label Her. Die neueste Single kommt vom Mitgründer Sudanim. Der titelgebende Track „Pleasure Flood“ bewegt sich in einer düsteren Sphäre zwischen Grime und UK-Funky und nimmt ordentlich Fahrt auf. „Abondance“ schlägt in die gleiche Kerbe und ist mit pumpenden Bassdrums, scharfen Klängen und effektiven Claps überaus clubtauglich.

 

 

Schon etabliert ist The Bug. Spätestens mit seinem Album „London Zoo“ von 2008 räumte er sich mit seinem dystopischen Musikentwurf zwischen Dancehall, Dub, Noise und Dubstep ein großes Stück in der Bassnische frei und hat sich dort mit Tracks wie „Skeng“ mit Flowdan und Killa P oder „Poison Dart“ mit Warrior Queen langfristig eingenistet. Sechs Jahre sind seitdem vergangen, jetzt ist sein neues Album raus. Und „Angels & Devils“ ist genauso unversöhnlich wie der Vorgänger. Über friedlich rauschende, tief brummende Instrumentals schwingen geisterhaft und sanft die Stimmen von Liz Harris (alias Grouper), Copeland, Gonjasufi und Miss Red. In der zweiten Hälfte des Albums dreht The Bug als Meister der Übersteuerung alle Kanäle auf und treibt die Klänge in Hörbereiche, die nicht mehr schmeicheln, sondern weh tun. Die beißenden, bösen Texte dazu liefern Flowdan und Manga von der Grime-Crew Roll Deep, außerdem Warrior Queen und MC Ride von der vor kurzem aufgelösten Experimental-Hip-Hop-Gruppe Death Grips. Wie schon bei „London Zoo“ versteht The Bug es, seine mit übersteuerten, lärmigen Klängen abgefüllen Instrumentals geschickt um die Stimmen seiner Gäste herumzustricken, sodass die Mischung ihre volle Wirkung entfalten kann. Wenn es knallen soll, knallt es, wenn die Worte im Mittelpunkt stehen sollen, pluckert die Musik zurückhaltend lauernd im Hintergrund, bevor sie sich im passenden Moment wieder aufbäumt. Was The Bug selbst zum Album zu sagen hat, gibt es im BLN.FM-Spezial zu hören.

 

 

Rauen und düsteren Klängen widmet sich seit einiger Zeit auch Lorn. Auf seinem Album „Ask The Dust“, 2012 auf Ninja Tune veröffentlicht, kombinierte er wabernde Bässe mit Beats zwischen Hip Hop und Dubstep. Neben Labelveröffentlichungen bietet Lorn auch immer wieder Mixtapes und kleinere Tracksammlungen als Downloads an, wie vor kurzem auf seiner Bandcamp-Seite „The Maze To Nowhere“. Darauf präsentiert der Produzent fünf abgespeckte Beat-Instrumentals, die er mit böse grummelnden Sägezahnbässen und schlingernden Synths schwarz anfärbt. Die EP soll den Auftakt zu einer Reihe bilden, wie die Beschreibung auf Bandcamp verrät. Der erste Teil macht jedenfalls neugierig auf mehr.

 

(Foto: Rustie / Primary Talent)

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