Aphex Twin macht Schluss mit „Syro“

aphex twin - syro, message

Das ging doch dann recht schnell: vor anderthalb Monaten setzte Warp Records für das neue Album von Aphex Twin die Marketingmaschine in Bewegung. Ein Zeppelin kreiste über London, kryptische Ankündigungen wurden im Darknet lanciert. Nun ist das erste richtige Album des Elektronik-Pioniers seit 13 Jahren – „Syro“ – veröffentlicht. Es soll gleichzeitig ein Abschiedsalbum sein, behauptet Aphex Twin im Interview mit dem Magazin Pitchfork.  Er will diesen Sound nicht mehr produzieren, mental Platz schaffen für neue Projekte.“Syro“ ist quasi ein Restpostenalbum. Bisher unveröffentlichtes aus seinem Archiv. So klingt es dann auch.

In der ersten Albumhälfte überrascht Aphex Twin mit leicht bekömmlichen, poppigen Tracks zum Tanzen. Hört sich nebenbei sehr angenehm weg – und ist beim genauen Hinhören extrem facettenreich. Kaum hat man sich an zwei Takte gewöhnt, entzückt Aphex Twin mit neuen Elementen. Der Funk seiner Rhythmen erinnert an sein düster-verschrobenes Analord-Projekt – doch hier gibt’s die kinderfreundlichere Variante davon zu hören. Die andere Hälfte des Albums ist ein Retrotrip in die 1990er. Verknotete Jungle Drum-Breaks morphen unbemerkt zu UK Garage-Steps. Die Aphex-Maschine produziert geballte Rave-Energie. Am Ende des quirligen Albums spendiert Aphex Twin seiner Frau Anastasia eine schwerelose Minimalkomposition am Klavier.

Fans, die sich nicht mit einem Download zufrieden geben, können sich beim Shop bleep die limitierte Albumversion besorgen. Dafür gibt es eine besonders hübsche Verpackung, die im „arbeitsintensiven Prozess“ hergestellt sei, schreibt der Verkäufer. Kostenpunkt: 310 Euro. Ob sich die Verpackung und die Spekulation auf ein Sammlerstück lohnt, darauf dürfen zukünftige discogs-Verkäufer kalkulieren: zusätzliche Tracks gibt’s nicht. Die Musik ist die gleiche – und bekanntlich nicht in Geld aufzuwiegen. Dennoch ist das Album diesmal kein neuer Meilenstein – Aphex-Fans, die sich intensiv mit allen Akronymen von Richard D. James auseinandergesetzt haben, werden bemerken, wie wenig Neues ‚Syro‘ bietet. Aber als Abschied – von was auch immer – funktioniert die Platte einwandfrei. Bei der nächsten musikalischen Veröffentlichung aber bitte wieder Erleuchtung, Mr. James.

2 Kommentare zu „Aphex Twin macht Schluss mit „Syro“

  1. Nach über zwanzig Jahren des Schaffens kommt hier letztlich nichts neues, aber das ist auch gut so. man erfreut sich am neuen funk, nimmt die retro tracks in der zweiten hälfte eher in kauf, und findet im piano track einen würdigen abschluss. was nicht immer ging, man kann dieses album auch im büro hören. trotzdem, und das ist wieder das faszinierende, es ist nicht beliebig, geht auch nicht in richtung easy listening, denn dazu ist es immer noch zu vielschichtig.

  2. Erstaunlicherweise dachte ich die ersten paar mal beim anhören, daß ich jedesmal eine neue Platte hören würde. So durcheinander klang das. Mittlerweile kennt man
    sich etwas aus und erkennt auch etwas wieder, aber das Durcheinander bleibt. Leider ist diese Platte weinger in der Gegenwart zuhause als in einer Vergangenheit, die es so auch nicht gab..

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