Fink – Lagerfeuermelancholie statt Sample-Kleister

Fin Greenallfink-hard-believerFink, Mitglied der Ninja Tune-Familie, wurde in den letzten Jahren immer mehr zum Grenzgänger. Das sechste Studioalbum des Briten, „Hard Believer“, erschien Mitte Juli. Es ist eine weitere Etappe in der Verwandlung von Fink. Bis in die frühen 2000er hinein hat Fink intellektuellen, vordergründig instrumentellen Hiphop produziert – inspiriert von frühen Helden elektronischer Musik wie Aphex Twin, The Orb und Moby.

Seine Karriere begann er als Solokünstler 1997 mit der Single „Fink Funk“ auf dem renommierten, britischen Electronica-Label Ninja Tune, das sich neben Jazz auch Hiphop gegenüber aufgeschlossen zeigte. Das breakige Debütalbum „Fresh Produce“ erschien 2000 und atmete noch richtig viel Hiphop. Doch schon bald danach hing Fink seine DJ-Karriere an den Nagel und widmete sich seinen Ambitionen als Sänger und Songwriter. Seine Inspiration waren nun die Smiths, The Cure und japanischer Hardcore. Die Platten wurden gitarrenlastiger und folkiger. Nebenbei arbeitete er für die Plattenindustrie: er schrieb an „Green Light“ für John Legend und „Half Time“ für Amy Winehouse, produzierte mit Ryuichi Sakamoto und den Indie-Rockern Elbow.

Spätestens seit 2006 und dem Album „Biscuits for Breakfast“ ist Fink kein Soloprojekt mehr: mit Guy Whittaker am Bass und Tim Thornton am Schlagzeug gibt Fin Greenall viele, vornehmlich krautige Live-Konzerte. So ist dann auch das aktuelle Album „Hard Believer“ das Produkt einer Band. Beim ersten Hören wirkt es kantig und reduziert. Schon der Auftakt „Hard Believer“ kommt etwas schleppend daher. Er steht dabei nicht allein: auch wenn die zehn Songs durchschnittlich nur 5 Minuten lang sind, so nehmen sie viel Raum ein.

Wiedererkennungsmerkmal ist Finks rauchig-markanter Gesang, der die Songs dominiert. „Hard Believer“ wurde von Billy Bush produziert, der auch für den Klang von Beck und Garbage verantwortlich zeichnete. In den 1990ern hätte das Album vielleicht ein Stück Grunge-Geschichte geschrieben. In „Green And The Blue“ erinnert der emotionsgeladene Gesang an Eddie Vedder von Pearl Jam, auch „Two Days Later“ hat Grunge-Appeal. „White Flag“ wiederum schimmert in psychedelischen Texturen. „Pilgrim“ beginnt unschuldig mit Akkorden einer Wandergitarre, die im Laufe des Songs in einem orchestralen Höhepunkt kulminieren. Am radiotauglichsten ist „Looking Too Closely“. Hier kommt eine kraftvolle Komposition mit starkem Chorus zusammen – ohne zu viel Ballast mitzunehmen oder sich zu zerdehnen.

Fink hat sich mittlerweile weit entfernt von seinen elektronischen Hiphop-Wurzeln. Doch seine „handgemachte“ Musik ist so erlesen, dass viele alte Fans mitgewachsen sind – und neue dazukommen.

Den Song „Hard Believer“ gibt es hier zum kostenlosen Download.

https://soundcloud.com/fink/sets/hard-believer-track-by-track-album-sampler

(R’COUP’D/ Ninja Tune /Foto: Tommy N. Lance)

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