Die besondere Normalität – Frauen machen Techno

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Kerstin Egert / Tama Sumo

 

Sobald Kerstin Egert alias Tama Sumo hinter ein DJ-Pult tritt, stellt sich dem Publikum sichtlich vor allem eine Frage: Welches biologische Geschlecht hat die DJ mit dem androgynen Aussehen? Zahlreiche Beiträge in der Live-Chatzeile zu Egerts Boiler Room-Set von vor etwa einem Jahr und in den YouTube-Kommentarspalten zu ihrem Video sprachen diesbezüglich Bände: „…guy…?“, wundert sich da jemand. Ein anderer kann sich nicht wirklich vorstellen, dass sich eine Frau so gut auskennen kann: „fuck off he is a man, he is a legend he knows more about house than you ever will“. Woher kommt die Verwirrung? Was wäre anders, wenn sie klar als Mann oder Frau zu identifizieren wäre?

 

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Nadine Moser/ Resom

 

Dan Bahl schlägt in seinem Dokumentarfilm „Sounds Queer“ mögliche Antworten vor. Dafür begleitete er Kerstin Egert, Nadine Moser, auch bekannt als Resom, und Ena Lind durch den DJ-Alltag. Alle drei berichten von ähnlichen Erlebnissen: Groteske Fragen aus männlichen Mündern beim Soundcheck. Unangenehme Anekdoten über Erwartungen von Veranstaltern an die Freizügigkeit ihrer Outfits. Immer wieder Verwunderung über die Kombination Frau und Techno. Bahl hat sich diese Geschichten von Egert, Moser und Lind erzählen lassen. Fazit: Weibliche DJs müssen sich mit Zweifeln an ihrer Person und ihren Fähigkeiten auseinandersetzen, von denen ihre männlichen Kollegen unbehelligt bleiben. Es ist selten egal, wie sich eine Frau hinter den Plattentellern gibt und welche Körperteile sie zur Schau stellt, während ein Mann im fleckigen T-Shirt und mit 7-Tage-Bart in der Regel davon ausgehen kann, nur aufgrund seines Repertoires und Könnens beurteilt zu werden.

 

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Ena Lind

 

Für manche sind solche Episoden Kleinigkeiten, aber „Sounds Queer“ knüpft daran größere Fragen: Warum gibt es auch nach Jahren der Diskussion so wenig Frauen, die in Berliner Clubs häufig gebucht sind? Ist „DJ“ nicht Berufsbezeichnung genug, um in die Diskussion über Lohngleichheit mit einbezogen zu werden? Warum verdienen Frauen weniger als Männer, wenn sie als DJ arbeiten? Macht es gar Sinn, eine Frauenquote hinter dem DJ-Pult einzuführen?

„Sounds Queer“ wird am 23.07. um 20:00 Uhr im //:about blank gezeigt, Regisseur und Protagonistinnen stehen ab 21:00 Uhr persönlich zu Rede und Antwort bereit. Anschließend werden Ena Lind, Resom und Tama Sumo für Tanzmusik sorgen.

 

(Fotos: Sounds Queer)

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