Endlich möglich: Selbstanzeige – „Ich bin peinlich!“

Wir alle haben Marotten. Manche davon sind vielleicht süß. Andere gefährden Beziehungen. Über so einige Marotten kann man verhandeln. Sie werden abgestellt oder akzeptiert und man lebt man damit. Dann gibt es aber solche, die man sich nicht traut irgendwem zu erzählen. Nicht mal dem Busenkumpel oder der besten Freundin, sie bleiben selbst dann geheim, wenn Alkohol die Zunge gelöst hat.

Aber auch solche Dinge wollen raus – sonst platzt man. Die Seite Spleen24 ist so ein Ablassventil. Dort kann man, anonym natürlich, der ganzen Welt seine Marotten mitteilen und sehen, ob man mit dem einen oder anderen Problem wirklich so alleine ist, wie man denkt. Oder man erkennt, dass der eigene Spleen gar nicht so schlimm ist. Hinter der Seite stecken die Macher von „Schlecky Silberstein“, auch als „Spiegel Offline“ bekannt: Christian Brandes, Tobias Deitert und Conrad Menzel. Sie sagen von sich selbst, sie seien voller Macken. Mit dem Blog wollen sie sehen, was es da draußen noch so git und was die Norm an Abnormalität ist.

Denn „Normal-Sein“ ist relativ. Ob Fake oder nicht, bei den Einträgen kann man lachen und erkennt sich selbst ein bisschen wieder. Bei anderen wird man seine Mitmenschen mit neuen Augen sehen. Wirklich! Eine allzu intensive Recherche könnte aber danach auch zu einer Sozialphobie führen: „Ich muss immer in die Dusche pinkeln. Auch im Fitnessstudio. Dann pinkel ich mir in die Hand und hoffe, dass es nicht zu gelb ist.“ Dann überlegt man sich, nur noch zu Hause zu duschen. Was dann auch wieder eine Marotte wäre!

Hier ein paar schöne Einträge:

Platz 4: „Wenn ich neben einer Frau im Bett liege und das Licht ist schon aus, schneide ich wilde Grimassen, die niemand sehen kann, und stelle mir vor, wie verwundert und irritiert sie gucken würde, wenn sie das sehen würde.“

Platz 3: „Wenn ich an einem Glas trinke, welches einen nassen Rand beim Abstellen hinterlässt, muss ich es immer wieder genau auf diesen nassen Rand abstellen. Andernfalls drehe ich durch und kann das Glas nicht mehr abstellen. ”

Platz 2: „Wenn ich mir ein Wattestäbchen ins Ohr stecke, muss ich immer husten. Das ist aber nur beim rechten Ohr so. Beim linken Ohr ist alles normal. ”

Platz 1: „Ich kann es nicht ertragen, mich asymmetrisch zu fühlen: wird beim Zähneputzen nur eine Hand nass, muss die andere auch nass gemacht werden. Schiebe ich einen Ärmel hoch, darf der andere nicht unten bleiben. So lange keine Symmetrie besteht, kribbelt es unangenehm in mir. Ich werde nie verstehen, wie Menschen es ertragen können, mit nur einem hochgekrempelten Hosenbein Rad zu fahren – schrecklich!”

 

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