Neue Anleitung für Partymacher: So klappt’s auch mit dem Nachbarn!

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Die ganze Welt liebt Berlins Clubkultur. In der deutschen Hauptstadt geht’s etwas entspannter zu: die Sperrstunde wird nicht durchgesetzt, auch an christlichen Feiertagen steigen Partys und zentrale Plätze bleiben jahrelang von Polit-Campern besetzt. Berlin ist die Stadt in Deutschland, die wie keine andere für Freiheit und Gelassenheit steht. Aber alles ist dann doch nicht egal: Lärm und Müll nerven Anwohner. Da können auch schon mal Beschwerden die Party verhageln. Die Berliner Club Commission findet vieles vermeidbar. Um ein besseres Verhältnis zwischen Nachbarn und Veranstaltern zu ermöglichen, hat sie diese Woche eine „Pop im Kiez-Toolbox“ online gestellt. Die Website benennt zahlreiche Fallen für unerfahrene Veranstalter und offeriert Lösungsvorschläge, wie sie als potentielle Störenfriede mit ihren ruhebedürftigen Nachbarn besser auskommen können. Die Umsetzung der Ableitung erfolgte mit finanzieller Unterstützung des Musicboards Berlin.

Viele Ausführungen der „Toolbox“ richten sich an absolute Neulinge im Veranstalterbereich. Sie erfahren, dass ihre Party von Nachbarn als Lärmbelästigung wahrgenommen werden könnte und dass auch Partybesucher ab und an Toiletten aufsuchen müssen. Auch Glasflaschen können Probleme verursachen: sie können zerbrechen und im Suff könnten sich Menschen daran schneiden! Partymacher werden auch darauf vorbereitet, dass es in Berlin „Querulanten“ gibt, die hedonistischen Feierfreunden den Spaß vermiesen wollen.

Ist das Problem benannt, bietet die Seite auch Lösungsvorschläge an, die unterschiedlich brauchbar sind. Lärmprobleme ließen sich vermeiden, wenn Veranstalter eine Schallabsorptionswand kaufen und damit ihr Open Air umstellen. Links zu den passenden kommerziellen Angeboten wurden gleich hinzugefügt. Manche anderen Vorschläge zeichnen sich durch banale Naivität aus: Das Problem mit den zerbrechlichen, potentiell gefährlichen Glasflaschen beseitigen Veranstalter, wenn sie diese regelmäßig einsammeln! Die „Kiez-Toolbox“ rät dazu Obdachlose damit zu beauftragen, die Flaschen vor den Clubs auflesen. So können dann auch Partyfreunde politisch korrekt etwas für die Schwächsten der Gesellschaft tun. Auch andere Lösungsvorschläge sind leichter formuliert als umgesetzt: lärmempfindliche Nachbarn, rücksichtslose Party-Organisatoren und „Querulanten“ sollten durch feinfühlige Argumention den Standpunkt des jeweils anderen kennen und verstehen lernen. Ob das realistisch ist?

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Manche Vorschläge der Kiez-Box sind „kreativ“: Um eine saufende, viel zu gut gelaunte Meute im Eingangsbereich einer Party ruhig zu stellen, könnten Veranstalter eine Truppe Pantomimen organisieren, welche die Schlange unterhält. Die komisch tanzenden Typen könnten dann die Partygäste vom Reden ablenken.

Sind die Vorschläge sinnvoll? Das BLN.FM-Fazit zur Kiez-Toolbox ist eher gemischt. Die Informationen auf der Seite sind noch ausbaufähig und bedürfen wohl in einigen Fällen eines „Realitätschecks“. Aber für jene, die spontan auf die Idee kommen unter die Party-Veranstalter zu gehen, gibt es definitv ein paar Hinweise zu Fragen, die sie garantiert nicht bedacht haben.

3 Kommentare zu „Neue Anleitung für Partymacher: So klappt’s auch mit dem Nachbarn!

  1. Solche Artikel kommen also raus, wenn schlecht recherchiert wird. Lieber Autor: Es loht sich, nicht nur die Problembeschreibungen, sondern auch die Lösungsansätze der Pop im Kiez Toolbox zu lesen.

    1. Hi Roberto, bevor du schlechte Recherche unterstellst, solltest du einfach mal erwähnen, welchen der kritisierten Lösungsvorschläge du sinnvoll findest – und warum.

      1. Naja. Also als langjähriger Veranstalter/Clubmacher bin ich auf viele der beschriebenen Probleme gestoßen und bin noch nicht auf Lösungsansetzte wie http://pfandgeben.de/ gestoßen. …da geht’s doch nicht um „Obdachlose anstellen“. Schon mal einen Blut- und Scherbenüberströmten Besoffenen verarztet?
        Auch „Silent Pantomime“ hast du falsch verstanden: Da geht es nicht um „vom reden ablenken“ sondern um die Sensibilisierung für ein Problem durch Kunst. Ich habe gerade ich weiter recherchiert…das Projekt läuft in 3 und bald in 7 Metropolen mit großem Erfolg. Und: http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=ba&dig=2014/02/19/a0131&cHash=62e3aa26a23d1d530f3ee56b30eb591d
        Tatsächlich ist der Dialog mit allen Stakeholdern das Wichtigste Mittel um Konflikte zu regeln oder vorweg zu vermeiden. Nur bei „Querulanten“ lässt sich gar nichts machen. Ist in der Toolbox doch korrekt dargestellt. Die beste Idee finde ich übrigens das Konzept des „Berliner Clubfensters“. …da sind wir jetzt dran.

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