Geballte Techno-Frauen-Power für Pussy Riot

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+++UPDATE+++

Das Parlament in Moskau verabschiedete am Mittwoch einstimmig in dritter und letzter Fassung den größten Straferlass seit mehr als einem Jahrzehnt: Zu den rund 25.000 freigelassenen Straftätern sollen auch die international bekannten und kremlkritischen Punkband Pussy Riot gehören.

Wer in Russland orthodoxe Priester verärgert, der landet schnell im Gulag. Zwei Frauen der russischen Punk-Truppe Pussy Riot schmoren immer noch im Straflager, nachdem sie vor dem Altar der Moskauer Erlöserkathedrale spektakulär Russland und die Kirche verspotteten. Die russische Justiz zeigt sich bisher unbeeindruckt von Kampagnen zahlreicher Menschenrechtsaktivisten und Künstler. Nun bekommt Pussy Riot Unterstützung vom internationalen Netzwerk „female:pressure„. Dort organisieren sich Frauen, die irgendwie mit elektronischer Clubmusik zu tun haben. Das Netzwerk veröffentlicht die „Pussy Riot Freedom Compilation“ auf Bandcamp. Der Erlös der 17 elektronischen Tracks geht an das „Voice Project„, dass Spenden organisiert, um Rechtsanwälte für Pussy Riot zu bezahlen. Mit 5€ ist man dabei!

Die Musik der Sammlung folgt dabei der Punk-Attitüde von Pussy Riot – unbequem, lärmig, oft genug nervtötend. So enthält sie kaum etwas, was man freiwillig am Sonntag Nachmittag zum gepflegten Kaffee hört. Einige Klangcollagen klingen als hätten die Produzentinnen ihren gesamten Kellerinhalt ins Schlafzimmerstudio geschleift – und danach aufgenommen, wie es klang, als sie einen Kochlöffel auf den Haufen Gerümpel geworfen haben. Andere Tracks basteln Geräusche aneinander, die sich wie Aufnahmen von Baustellenlärm und alten piependen Elektroschrott anhören. Zwischendrin findet aber auch hörbares: sonae liefert eine stillen, minimalen Track, der an klassische Kammermusik erinnert. Zwei, drei Elektronik-Pop-Songs, unter anderen von Gudrun Gut, retten die expressive Sammlung davor, mit Kunst-Attitüde komplett unzugängliche Musik zu veröffentlichen. Ob sich dieser Punk-Anspruch mit einem Spendenziel verträgt, bleibt abzuwarten.

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(Foto: wikimedia (Pussy Riot – ENG))

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