Rebel Sketchy: Bassmusik auf dem Flokati

rebel sketchy - lp artwork

Rebel Sketchy alias David Gemmie ist ein alter Bekannter im britischen Bassmusik-Geschäft. Seit gut zehn Jahren veröffentlicht der DJ und Produzent aus London tanzflächentaugliche und basslastige House- und Breakbeat-Tracks, die vornehmlich für den DJ-Gebrauch bestimmt sind. Mit seinem Lang-Debüt „Goodbye Gravity“ möchte er sich nun vom Dogma des DJ-Tracks verabschieden und versucht sich an einem Album, das ruhig auch mal auf der heimischen Anlage durchlaufen soll. Die Herausforderung für ihn wie für jeden, der vor allem Tracks für die Tanzfläche bastelt, besteht darin, den besonderen Vibe seiner Partytracks mitzunehmen und für das Album in ein wohnzimmertaugliches Format zu bringen. Nach vorne gehen sollte es natürlich schon, aber es darf nicht über lange Strecken monoton sein. Denn nicht alles, was auf der Tanzfläche funktioniert, klappt auch auf dem gemütlichen Flokati.

Rebel-Sketchy-Goodbye-Gravity-250pxRebel Sketchy löst dieses Dilemma über musikalische Vielseitigkeit. Er beschränkt sich nicht auf ein einziges Tempo oder Genre, sondern bedient sich der reichhaltigen Tradition der britischen Clubmusik: House, Drum’n’Bass, Glitch Hop, Breakbeats, HipHop, Bassmusik–  in den gerade mal zehn Tracks des Albums sind eine Menge Ideen und Referenzen zu finden, aus denen andere ein ganzes „Best Of“ stricken würden. Dabei wirkt diese Vielseitigkeit weder anbiedernd noch lieblos zusammengewürfelt, sondern in seiner Gesamtheit stimmig arrangiert. Durch Tempo- und Stilwechsel wird die Spannung immer wieder aufs Neue angeschoben, gehalten und gelöst – ganz wie in einem guten DJ-Set.

Heimlich-peinliche Tanzbewegungen auf dem heimischen Kuschelteppich

Vom ersten Sample an entwickelt das Album einen packenden Flow. Der Bass spielt dabei eine tragende Rolle. Mal wobbelt’s, mal wabert’s, mal wickelt der einen so schwungvoll um den Finger, dass sich die überschüssige Energie nur noch in einem heimlich-peinlichen Tanzmove kanalisieren kann. So bassverliebt ist „Goodbye Gravity“, dass es ein großer Fehler wäre, das Album auf schnöden Laptop-Lautsprechern anzuhören. Es braucht den „Wumms“ einer ordentlichen Anlage, um sich zu entfalten. Dann verschmerzt man auch, dass Rebel Sketchy eine Schwäche für süßliche Frauenstimmen mit Pop-Appeal hat. Das sanfte Gesäusel der Gastsängerinnen Agnes Motie und Bukue One bleibt innerhalb eines erträglichen Rahmens. In Kombination mit den massiven Bassstrukturen entwickelt es sogar einen koketten Reiz. Dann kann man auch ganz gediegen, getragen vom Bass und den satten Beats, mit dem heimischen Flokati abheben.

(Rebel Sketchy: „Goodbye Gravity“ / Ground Level Records)

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