Neue Netzkultur-Konferenz: Visionen aus dem Maschinenraum

Skandale um Datenschutz, das Gerede um Netzneutralität und Zensurdebatten. USA, NSA, CIA, CDU und Vorratsdatenspeicherung. Das Internet ist im Krieg mit der Welt. Oder einfach in der Pubertät. Da passiert viel, Grund genug sich immer mal wieder den Kopf darüber zu zerbrechen. Was geht da vor im Netz? Die Reihe „Netzkultur“ im Haus der Berliner Festspiele will mit Redebeiträgen, Kunst und Musik die digital veränderte Lebenswirklichkeit behandeln, besonders die Entwicklungen, die weniger offensichtlich sind, weil sie sich langsam vollziehen. Erster Termin: 30. November, ab 13 Uhr im Haus der Berliner Festspiele.

 

Die Mischung aus Konferenz und Konzert will ganz dicken Bretter bohren. Was macht das Internet mit der Gesellschaft? Schriftstellerin Juli Zeh jedenfalls glaubt nicht, dass die „Vernetzung“ ein Selbstläufer ist, den man weder aufhalten noch begegnen kann. Es liege in unserer Hand zu bestimmen, wozu die Technik genutzt oder missbraucht wird. Ihre Rede wird die Konferenz eröffnen. Frank Schirrmacher, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, widmet sich in seinem Vortrag den „unsichtbaren Kräften“. Damit sind die Wechselwirkungen gemeint zwischen der mobilen und digitalen Welt, die auf Geheimformeln basiert, und dem menschlichen Verhalten. Wenn uns an jeder Ecke Kameras beobachten und ihre Daten in die globalen Datenspeicher der Konzerne schicken – werden wir zu furchtsamen, überwachten Untertanen? Wenn wir in sozialen Netzwerken nur das sehen, was unsere Freunde gut finden, wie können wir jemals über unseren Horizont rausblicken? Wenn Maschinen mittlerweile alles Wissen abrufbereit halten, woran müssen und wollen sich Menschen noch erinnern?

 

Damit das alles nicht ganz so theorielastig ausfällt, gibt es auch Zukunftstechnologie in Aktion zu erleben. Im Foyer lässt Markus Schubert vom Hackerspace „Raumfahrtagentur“ einen 3D-Drucker Gadgets nach Modellen aus Computerprogrammen formen. Bei einer „Kryptoparty“ kann jeder lernen, wie man seine Kommunikation vor den neugierigen Blicken der Geheimdienste und anderer Datensammler schützt. Und zum Ausklang des Abends gibt es Musik: Anatopia spielen mädchenhaften Elektropop, Holger Hiller legt Musik auf.

 

Samstag 30.11., ab 13 Uhr Berliner Festspiele, Schaperstraße 24, Charlottenburg, U-Bahn: Spichernstraße

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