Wie Angela Merkel statt Elektroautos Spritfresser fördert

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Angela Merkel hat einen Traum: 1.000.000 Elektroautos sollen bis 2020 auf Deutschland Straßen rollen. Bei bisher etwa 5000 zugelassenen Elektrofahrzeugen klingt das mehr als ambitioniert. Auf der „Internationalen Konferenz zur Elektromobilität„am 25. Mai 2013 stellte sie im BCC Berlin das Konzept vor, das mit „Super-Credits“ E-Mobilität fördern soll. Dann werden Autohersteller für jedes produzierte Elektro- oder Hybridauto Bonuspunkte erhalten, die sie sich mehrfach auf ihre CO2-Billanz anrechnen lassen können. Im Klartext: wer Elektroautos baut, darf anderswo mehr die Umwelt verpesten. Ein entsprechender Entwurf wird aktuell auf EU-Ebene verhandelt.

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„Herr Altmaier, Klima schützen statt Spritschlucker päppeln!“ fordern Greenpeace-Aktivisten.

Auf dem Kongress findet Merkel große Metaphern für ihre Idee. Ein tiefgreifender Wechsel wie von Kutsche zu Auto sei der Sprung zur Elektromobilität. Dabei haben „Super-Credits“ eine „super Bedeutung“, damit die die Automobilbranche mitmacht, so die Kanzlerin. Umweltverbände wie WWF, Greenpeace und Bund Naturschutz meinen, dass die Bundesregierung mit ihren wirtschaftlichen Anreizen genau das Gegenteil erreicht. Hersteller werden durch das Bonussystem auch belohnt, wenn sie mehr Autos mit hohem Verbrauch bauen. Denn erworbene „Super-Credits“ für umweltschonende Fahrzeuge können sie gegen den Bau von Emissionsschleudern eintauschen. Für Autohersteller bringen vor allem diese spritfressende Luxuskarosserien Umsätze. Sie sind mithilfe von Rechentricks auch weiterhin von festgelegten CO2-Grenzwerten ausgeschlossen.

Die Förderung der Elektromobilität dürfe nicht auf Kosten der CO2-Reduktion bei herkömmlichen Autos gehen, fordert deshalb Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck. Er und andere Umweltexperten sehen durch die Zugeständnisse an die Autobranche das Klimaziel gefährdet, das die EU schon 2009 in einer Verordnung verabschiedet hatte. Bis 2020 sollten Autos nur noch durchschnittlich 95 Gramm CO2 je Kilometer ausstoßen. Der derzeitige Verbrauch liegt im Durchschnitt bei 141 Gramm CO2/km. In einem offenen Brief an die Kanzlerin verlangen Umweltschützer deshalb strengere CO2-Grenzwerte für Neuwagen.

Carsharing-Agenturen setzen indessen im Straßenverkehr verstärkt auf  umweltfreundliche E-Technik. 350 Elektrofahrzeuge der Firma Multicity sind aktuell in Berlins Innenstadt unterwegs. Ob das Elektroauto auch für  private Haushalte zum Verkaufsschlager reicht, hängt von entscheidenden Nachbesserungen ab. Schwachpunkt ist vor allem die Leistung der Batterien, die den Motor mit Strom antreiben. Momentan reicht eine Batterie-Leistung für 150 Kilometer. Danach muss der Akku 10 Stunden lang aufgeladen werden. Im Stadtverkehr, wo hauptsächlich kurze Distanzen zurückgelegt werden, fällt dieser Schwachpunkt nicht so ins Gewicht. Auch die Infrastruktur müsse verbessert werden, sagte VW-Chef Martin Winterkorn im Vorfeld der Konferenz. Mehr Elektrotankstellen und eine separate Fahrspur soll den Umstieg auf Stromautos attraktiver machen.

(Foto oben: oli_ok/photocase.com / Foto Mitte: Greenpeace Berlin / Foto Vorschau: Barbara Wilms/flickr.com, CC BY-NC-SA 2.0)

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